Magdalena Bachmayr im Aufzug im Rollstuhl.
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„Der Aufzug ist mein Tor zur Welt“, sagt Magdalena Bachmayr. Oft ist dieses Tor verschlossen.

Mangelnde Barrierefreiheit

Gefangen mit dem Rollator: Vaterstettenerin (82) zeigt Schwachstellen in der Gemeinde auf

  • Susanne Edelmann
    vonSusanne Edelmann
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Die Rollatorfahrerin Magdalena Bachmayr aus Vaterstetten zeigt auf, an welchen Stellen in der Gemeinde noch Nachholbedarf für die Barrierefreiheit herrscht. Vor allem am Bahnhof gibt es Probleme.

Vaterstetten - „Der Aufzug ist mein Tor zur Welt“, sagt Magdalena Bachmayr (82) aus Vaterstetten und meint damit den Aufzug am Vaterstettener S-Bahnhof. Leider ist dieses Tor oft verschlossen. Und auch sonst hat es die Seniorin als Rollatorfahrerin nicht leicht in der Gemeinde. Magdalena Bachmayr ist sehbehindert und leidet unter Rheuma. Aufgrund ihrer starken Schmerzen ist sie nicht nur auf den Rollator angewiesen, sondern auch auf Besuche bei Fachärzten und Therapeuten in München.

Dorthin fährt sie mit der S-Bahn – sofern sie den Bahnsteig erreicht, denn die Treppen sind für sie ein beinahe unüberwindbares Hindernis. Umso ärgerlicher, dass der Aufzug den ganzen Mai über defekt war. Nachfragen bei der Bahn und im Rathaus blieben unbeantwortet. Erst auf Anfrage der Inklusionsreferentin Elisabeth Mundelius (Grüne) in der Gemeinderatssitzung vom 20. Mai veröffentlichte das Rathaus endlich eine Mitteilung auf der Gemeindehomepage.

Barrierefreiheit in Vaterstetten: Aufzug am Bahnhof für mehrere Wochen gesperrt

Darin heißt es, der Aufzug sei voraussichtlich noch für ca. drei Wochen gesperrt. Allerdings fehlt der Meldung ein Datum, sodass der Leser nicht weiß, wann diese drei Wochen enden. Weiter wird den Bürgern, die einen barrierefreien Zugang zum Bahnhof benötigen, geraten, auf einen anderen Bahnhof wie zum Beispiel Baldham auszuweichen.

Für Bachmayr ist das keine Option: Im Bus, so erzählt sie, sei sie schon zweimal gestürzt, weil dieser so schwungvoll durch die Kurven fahre und öfter scharf bremsen müsse. Ein Taxi kann sie sich nicht leisten, und der Seniorenfahrdienst übernimmt aufgrund von Corona derzeit nur Fahrten zum Impfzentrum. Außerdem sei die Fahrt nach Baldham auch schon vergeblich gewesen, weil der dortige Aufzug auch defekt war.

Stufen wie hier sind für Rollatorfahrer wie Magdalena Bachmayr ein großes Hindernis.

Barrierefreiheit in Vaterstetten: Baldhams Aufzug am Bahnhof ebenfalls Dauerproblem

Tatsächlich gibt es mit den Aufzügen an den Bahnhöfen in Vaterstetten und Baldham schon seit Jahren immer wieder Ärger. In der Bauausschusssitzung im März 2021 erläuterte Bauamtsleiterin Brigitte Littke, dass die Gemeinde die Wartung, Instandhaltung und den Unterhalt der beiden Aufzüge seit deren Errichtung in Eigenregie durchführe. Dafür sind von 2016 bis heute Kosten von rund 74 000 Euro angefallen. Beide Aufzugsanlagen müssen dringend erneuert werden, weshalb die Verwaltung Kontakt zur Deutschen Bahn aufgenommen hat.

Die DB hat die Aufzüge in ihr Aufzugserneuerungsprogramm eingestellt und laut Bürgermeister Leonhard Spitzauer sind die entsprechenden Vertragsentwürfe inzwischen im Rathaus eingegangen. Es besteht also Hoffnung, dass die Aufzüge bald erneuert werden und dann tatsächlich zuverlässig funktionieren. Und fürs Erste wurde der Vaterstettener Aufzug auch nochmal repariert.

Barrierefreiheit in Vaterstetten: Bachmayr stellt klar: „Vaterstetten ist keine Rollatorfreundliche Gemeinde“

Doch es gibt für Rollatorfahrer noch viele weitere Schwachstellen in Vaterstetten, wie Bachmayr aufzeigt: Die Sitzbank auf dem Bahnhofsvorplatz ist aufgrund von Stufen für sie nicht erreichbar. Die Fußgängerüberwege an der Kreuzung Zugspitz-/Bahnhof-/Schwalbenstraße sind zwar durch sogenannte „rote Teppiche“ markiert, allerdings sind die Gehsteige dort nicht abgesenkt, sodass Rollatorfahrer Stufen überwinden müssen. Direkt vor dem Supermarkt endet der Fußgängerüberweg sogar mitten in der Busbucht.

„Ich appelliere an die Sorgfaltspflicht der Gemeinde!“, sagt Bachmayr, die früher selbst als Verkehrspolizistin bei der Münchner Polizei gearbeitet hat. Ihrer Feststellung nach fehlt es auch an Markierungen und Beschilderungen. „Vaterstetten ist keine Rollatorfreundliche Gemeinde.“

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