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Schmuckstück in Originalfarben: Albrecht Herold brachte den Motor des Oldtimers wieder zum Laufen. Der restaurierte BMW wurde vom TÜV abgenommen, ist angemeldet und dürfte jederzeit auf die Straße.

Er kann das Schrauben nicht lassen

Vaterstettener (82) erweckt seltene Auto-Schätze zum Leben

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Vaterstetten - Albrecht Herold (82) aus Vaterstetten erweckt einen seltenen BMW aus dem Jahr 1936 wieder zum Leben. In seinem Schuppen finden sich auch noch andere Schätze.

Normalerweise stellen Sammler ihre Schmuckstücke in beleuchtete Hallen. Nicht so Albrecht Herold (82). Auf seinem Grundstück in Vaterstetten hat er technische Raritäten in einem Schuppen untergebracht. Ganz hinten, versteckt in der Ecke, zwischen vielen anderen Überbleibseln einer anderen Zeit, steht, leicht eingestaubt, ein BMW aus dem Jahr 1936. Der Oldtimer ist angemeldet, Herold könnte eigentlich gleich mit ihm losfahren. Wenn es hier nicht so eng wäre. Denn vor dem BMW sind noch weitere Autos geparkt, darunter rassige italienische Sportwagen und englische Cabrios aus vergangenen Zeiten. Auch die schmale Zufahrt zur Straße ist zugestellt. Da müsste arg rangiert werden.

Oldtimer sind das Hobby des pensionierten Flugzeugingenieurs

13 Fahrzeuge besitzt der Vaterstettener. Zu jedem kann er eine Geschichte erzählen. Am Esstisch aus schweren Holz im gemütlichen Anbau seines Hauses packt der Rentner Fotos und Dokumente aus, darunter die „Betriebsanleitung“ für den Oldtimer aus bayerischer Produktion. „Nicht so umfangreich wie ein Werkstattbuch, aber gut genug. Damit konnte ich etwas anfangen.“ Von Beruf war Herold Flugzeugingenieur in herausragender Stellung, hatte mit hochgeheimen, militärischen Projekten zu tun, mit Starfighter und Phantom. Am Steuerknüppel von Düsenjägern saß er bei Wartungsflügen auch. „Nur starten und landen durfte ich nicht“, erzählt er. Gerne hätte er den Pilotenschein für die Jets gemacht. Doch das hat nicht geklappt. Die Privatpilotenlizenz, um kleinere Maschinen zu fliegen, hat ihn nie interessiert. Gemeinsam mit Kollegen arbeitete er neben den Militärmaschinen auch an der Restaurierung historischer Flugzeuge. Die dabei gewonnenen Kenntnisse setzte Herold bei den Oldtimern auf vier Rädern ein.

Der Wagen kommt aus der Slowakei

Für Autos hatte er sich schon immer interessiert. Vor neun Jahren kaufte er den BMW. Über die historische Abteilung der Münchner Autobauer fand er heraus, dass das Cabrio als Dienstwagen in Eisenach an das Finanzamt ausgeliefert worden war. Im Zweiten Weltkrieg war der Wagen in Russland im Einsatz. Zuletzt stand er im Osten der Slowakei. „Dort haben sie daran herumgebastelt, richtig zum Laufen gebracht haben sie ihn nicht“, erzählt der Vaterstettener.

Alte Fahrradlampen statt Originalteile

Der Kontakt mit dem damaligen Eigentümer kam über einen anderen Sammler zustande. Als der Oldtimer in Vaterstetten war, machte sich Herold an die Arbeit. „Der Motor war gut.“ Er besorgte die passenden Zündkerzen, machte die Unterbrecherkontakte in seiner Werkstatt selbst, stellte die Zündung ein. „Es war schon ein tolles Gefühl, als die Maschine wieder lief.“ Herold wechselte die Türen aus, besorgte Lack im Orginalfarbton, tauschte das Armaturenbrett samt Instrumenten und machte sich auf die Suche nach Heckleuchten. Die Originalteile, die auf dem Markt angeboten wurden, waren ihm zu teuer. Als Alternative nahm er alte Fahrradlampen. „Das geht genauso. Der TÜV hat das abgenommen. Ich bin kein Purist.“ Bedeutet: Nicht alles muss hundertprozentig original sein. Für Herold ist der Wagen auch ein Stück Familienerinnerung. Sein Vater besaß nämlich ein ähnliches Auto. „Das Vorgängermodell.“ Zum Leben erweckt wird der BMW, wenn Herold mit ihm fährt. Unter das Auto legen, um etwas zu reparieren, will sich Herold nicht mehr. „Ich befürchte, ich komme dann nicht mehr hoch“, meint der 82-Jährige schmunzelnd.

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