Landwirt Stefan Großmann und eine Rapspflanze: „Normal fängt die Rapspflanze im März zu Verästeln an“, sagt er. Wegen der Trockenheit beginnt die Pflanze jedoch zu blühen. Weniger Verästelungen ist gleich weniger Ertrag.
+
Landwirt Stefan Großmann und eine Rapspflanze: „Normal fängt die Rapspflanze im März zu Verästeln an“, sagt er. Wegen der Trockenheit beginnt die Pflanze jedoch zu blühen. Weniger Verästelungen ist gleich weniger Ertrag.

Ein Betroffener berichtet von der Veränderung

Schotterebene im Trockenstress: Landwirte müssen auf Klimawandel reagieren

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
    schließen

Der Klimawandel ist im Landkreis präsent. Die Ebersberger Zeitung dokumentiert, wie sich die Natur spürbar verändert. Der Landwirt Stefan Großmann aus Hergolding muss seine Felder mit immer mehr Wasser beregnen. Die Ernte ist trotzdem schlecht.

  • In schlechten Jahren hat Landwirt Stefan Großman nur die Hälfte der normalen Ernte.
  • Er braucht immer mehr Wasser, um seine Felder künstlich zu gießen.
  • Trotzdem siegt immer öfter die Dürre.

Hergolding – Stefan Großmann wirkt wie jemand, der seinen Glauben verloren hat. Den Glauben ans Klima: „Das Wetter in den letzten drei Monaten war total gemäßigt“, sagt er. Regen im Mai, ein ausgeglichener Juni, keine Temperaturen über 30 Grad. Gute Bedingungen. Endlich. Seit 32 Jahren arbeitet der Mann auf seinem Hof in Hergolding. „So ein Wetter wie in den letzten Monaten hat es selten gegeben.“ Er fragt sich, ob das mit den Auswirkungen des Corona-Lockdowns zu tun hat. Der Bauer weiß es nicht.

Reife und unreife Schoten: Wegen der Trockenheit treiben Rapspflanzen erneut aus. Das ist das Ergebnis.

Großmann, 58, baut Industriemöhren an. Seine Karotten werden zu Saft gepresst. Um die Fruchtfolge einzuhalten, kultiviert er zudem Weizen, Gerste, Mais, Soja. Man muss wissen, dass der Boden in Hergolding besonders ist. Wie Maisach und Feldkirchen gehört Hergolding zur Münchner Schotterebene. Der Boden besteht aus einer rund 20 Zentimeter dicken Humus-Stein-Schicht, dann kommt 20 bis 30 Meter reiner Kies. Fällt Regen, sickert das Wasser schnell durch den Boden. Von unten werden die Pflanzen nicht mit Wasser versorgt.

Seit 30 Jahren bewässert der Bauer das Feld künstlich - trotzdem vertrocknet die Ernte

Seit 30 Jahren muss Großmann deshalb seine Felder bewässern, im vergangenen Jahr sechsmal. Trotzdem ist die Qualität seiner Rüben schlecht. Kleine und aufgerissene Karotten mindern den Wert. In schlechten Jahren hat er 50 Prozent weniger Ertrag als in regenreichen.

Der Landwirt bügelt mit seiner großen Hand ein Papier mit einer Niederschlagstabelle glatt. „Die Niederschlagsverteilung ist das Problem“, sagt er. Manchmal regnet es vier Wochen nicht, bei 35 Grad. „Der Regen des ganzen Monats kommt dann auf einen Schlag.“ Seine Pflanzen könnten die Masse an Wasser nicht verwerten. „In den letzten 30 Jahren ist das Problem extremer geworden.“ Auffallend: die vergangenen zehn Jahre.

Was machen die Wetterextreme mit Pflanzen? Der Landwirt steigt in seinen Geländewagen, und zeigt die Auswirkungen der schleichenden Klimakatastrophe. Der Bauer steht in einem kniehohen Rapsfeld. Einige Pflanzen sind saftig grün, andere trocken gelb.

Sommer-Wetter in Deutschland: Experte äußert absolute „Schockprognose“

Der Landwirt muss sich für eine Ernte entscheiden - bevor er weiß, ob es die richtige ist

„Normal fängt die Rapspflanze im März zu Verästeln an“, sagt Großmann. Dazu braucht die Kultur Wasser. Weil es nun nach den Wintern schnell warm und trocken wird, fängt die Rapspflanze sofort zu blühen an, sagt er. Weniger Verästelungen ist gleich weniger Ertrag.

Die Trockenheit führe auch dazu, dass Pflanzen später erneut austreiben. Nachschuss nennen Landwirte das. Die Konsequenz hält Großmann in seiner Hand: trockene, reife Schoten und unreife. Der Landwirt muss entscheiden, ob er die erste Pflanzenwelle drischt oder die zweite. Die jetzt reife Bohne wäre dann verloren. Ein Dilemma.

Neues Klima, neue Pflanzen: Bauern stellen um auf Soja

Fünf Brunnen benutzt Großmann, seine Karottenfelder bewässert er durchgängig von Juni bis Oktober. Das Wasser kostet nichts, beim Hochpumpen entstehen aber Ausgaben. „Nur weil ich die Bewässerungsanlage für meine Intensivfrüchte habe, kann ich die Getreidefelder beregnen.“ Eine Anschaffung alleine für den Getreidebau wäre unrentabel.

In Zukunft müssen Landwirte weiter auf ein zweites Standbein setzen, um ihre Höfe betreiben zu können. Großmann etwa besitzt eine Kompostieranlage. Viele Bauern haben auf Soja umgestellt, um das Raps-Problem der Frühjahrstrockenheit zu umgehen. Neues Klima, neue Pflanzen. „Wir Landwirte sind flexibel“, sagt Stefan Großmann nüchtern.

Frauenbründl: Das Heilwasser der berühmten Quelle sprudelt nicht mehr - Einheimische haben einen Verdacht

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Markt Schwaben: Mutmaßliche Diebesbande gefasst
Drei moldauische Staatsangehörige stehen im Verdacht, zahlreiche Artikel aus mindestens zwei Einzelhandelsgeschäften gestohlen zu haben. Das teilt das Polizeipräsidium …
Markt Schwaben: Mutmaßliche Diebesbande gefasst
Mysteriöses Loch tief im Forst entdeckt - Archäologe hat bereits erste Theorie
Im Ebersberger Forst ist ein mysteriöses Loch entdeckt worden. Wahrscheinlich wurde es schon vor Jahrhunderten angelegt. Wann genau und von wem – dazu herrscht großes …
Mysteriöses Loch tief im Forst entdeckt - Archäologe hat bereits erste Theorie
Mysteriöser Brunnen tief im Forst: Reaktionen aus ganz Deutschland - und eine dringende Warnung
Der geheimnisvolle, jahrhundertealte Schacht tief im Ebersberger Forst interessiert Menschen aus ganz Deutschland. Das freut die Forscher, birgt aber auch Gefahren. Die …
Mysteriöser Brunnen tief im Forst: Reaktionen aus ganz Deutschland - und eine dringende Warnung
Ebersberger Betten für Rumänien
Die Kreisklinik hat Betten nach Siebenbürgen (Rumänien) geschickt - mit Hilfe der Ebersberger Feuerwehr. In Ebersberg wurden sie ausrangiert.
Ebersberger Betten für Rumänien

Kommentare