+
In diesem Biotop bei Parsdorf in der Gemeinde Vaterstetten wurden 36 Autoreifen einfach in die Natur gekippt. Das Umweltamt spricht von einer erschreckenden Entwicklung. 

Immer mehr Müllsünder

Vaterstetten verdreckt

  • schließen

Die Gemeinde Vaterstetten sieht sich zunehmend mit einem Müllproblem konfrontiert. Die Bereitschaft der Bürger, Abfälle zu trennen, sinkt.

Vaterstetten – Mitten in der reichen Gemeinde Vaterstetten werden alte Sofas auf den Gehweg gestellt, die Müllcontainer laufen über. In einem Biotop bei Parsdorf werden 36 Autoreifen abgekippt, in einem Wald bei Neufarn größere Mengen an Sperrmüll „entsorgt“. Wie der Leiter des gemeindlichen Umweltamtes Wolfgang Kuhn jetzt im zuständigen Ausschuss des Gemeinderates betonte, „kommen immer mehr Meldungen rein, die uns erschrecken.“ Das sei teilweise „an Dreistigkeit nicht mehr zu überbieten. Wir fragen uns, was man dagegen tun soll.“

Gleichzeitig nimmt offensichtlich die Bereitschaft, Müll zu trennen, in der Kommune ab. Die Gemeinde setzte über viele Jahre auf ihr eigenes System, sehr erfolgreich. „Wir haben die niedrigste Quote landkreisweit an Restmüll“, sagte Bürgermeister Georg Reitsberger (FW). „Aber die Menge steigt.“ Über den Kauf von Müllmarken wird in Vaterstetten finanziell belohnt, wer weniger Abfall hat. Wer mehr Abfall in die Tonnen wirft und damit mehr Platz braucht, zahlt auch mehr. Inzwischen steigt jedoch die Zahl der Hauhalte, die einfach eine Jahresmarke nutzen, also unabhängig von der Müllmenge. „Der Geldbeutel zieht nicht mehr“, so der Leiter des Umweltamtes Wolfgang Kuhn.

Das Müllproblem in der Gemeinde will die SPD mit mehreren Vorschlägen angehen, was im Ausschuss kontrovers diskutiert wurde. Im vergangenen Jahr hatte es an Weihnachten und Neujahr in der Kommune ein Müllchaos gegeben. „Wir sind überrascht worden“, räumte Bürgermeister Georg Reitsberger (FW) in der Sitzung ein. Die Genossen wollen nun wegen der besonderen Lage der Feiertage zusätzliche Öffnungszeiten. „Mir ist bewusst, dass die Mitarbeiter am Wertstoffhof ein Opfer bringen müssen. Aber es ist notwendig.“ Alle hätten erlebt, wie der gesamte Ort im vergangenen Jahr ausgesehen habe. Vielleicht gebe es ja ein „Zuckerl“ für die Mitarbeiter. Wolfgang Schermann (FW) meinte, der Antrag der SPD höre sich zunächst gut an. Er habe jedoch am Wertstoffhof unter anderem mit einer „altgedienten Mitarbeiterin“ gesprochen und sie gefragt, was sie von dem Vorschlag hielten. Sie würden sich in ihrem „Weihnachtsfrieden“ gestört fühlen, so die Antwort. Zudem müsse der Service auch separat bezahlt werden. Manfred Schmidt (FBU/AfD) konterte hingegen, „andere müssen an diesen Tagen auch arbeiten, beispielsweise im Krankenhaus“. Das sei keine „unbillige Härte“.

Bianca Dusi-Färber (Freie Wähler) ist jedoch skeptisch. Im vergangenen Jahr sei der Wertstoffhof auch geöffnet gewesen, so ihr Argument. Gebracht habe es jedoch wenig.

Der Ausschuss sprach sich mehrheitlich für die zusätzlichen Öffnungszeiten aus. „Wir probieren das“, so Bürgermeister Reitsberger. Umweltamtsleiter Kuhn will es mit verstärkter Aufklärung versuchen und regte mit Galgenhumor an, in der Weihnachtsausgabe des Gemeindeblattes statt eines Christbaums einen örtlichen Müllhaufen quasi als „schöne Bescherung“ andrucken.

Weiter Vorschläge der SPD beziehen sich auf zusätzliche Containerstandorte auch an Supermärkten, was geprüft werden soll, und themenbezogene Bildungsangebote für Kinder. Zudem geht es um Gespräche beispielsweise mit Bäckereien wegen der Einmalbecher für Kaffee, die oftmals einfach irgendwo im Gemeindegebiet weggeworfen würden.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ludwig aus Isen
Wer kann denn da schon so frech in die Kamera blinzeln? Es ist Ludwig, das erste Kind von Monika Huber und Markus Zauner aus Isen. Der Bub hat am 24. Januar in der …
Ludwig aus Isen
Ebersberg bekommt Senioren-Tagesstätte
Die Kreisstadt bekommt eine Tagesstätte für Senioren.  Eingerichtet werden sollen die insgesamt sieben Tagespflege-Plätze im Seniorenheim Pichlmayr.
Ebersberg bekommt Senioren-Tagesstätte
Ex-Gerichtschefin will Bürgermeisterin von Bruck werden
Kommunalwahl 2020: Angela Felzmann-Gaibinger war jahrelang Chefin des Ebersberger Amtsgerichts. Jetzt will sie in ihrer Heimatgemeinde Bruck Bürgermeisterin werden.
Ex-Gerichtschefin will Bürgermeisterin von Bruck werden
SPD/KommA: Neue Sporthalle im Vordergrund
Kommunalwahl 2020: Die Jugend und Sportreibende brauchen eine neue Sporthalle – unter diesem Motto stand die Nominierungsversammlung des SPD-Ortsvereins und von KommA.
SPD/KommA: Neue Sporthalle im Vordergrund

Kommentare