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Im Vaterstettener Baugebiet Nordwest wird nach Wunsch des Gemeinderats umgeplant: Hier sollen zusätzlich Wohnungen entstehen, wo Gewerbeflächen geplant waren. Der SPD ist es wichtig, eine „Gettoisierung“ zu verhindern.

Vaterstetten wächst und wächst

Statt Gewerbe kommen Wohnungen

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Die Mehrheit im Vaterstettener Gemeinderat unterstützt Bürgermeister Reitsberger. Deshalb werden aus ursprünglich im Baugebiet „Nordwest“ vorgesehenen Gewerbeflächen Grundstücke für Wohnungsbau. 

Vaterstetten – Vom „Bauboom“ unter Bürgermeister Georg Reitsberger (Freie Wähler) zeigen sich die Vaterstettener Grünen überrascht. Über die ehemals festgelegten Flächen im Gemeinde-Entwicklungsprogramm sei man jetzt schon „gewaltig drüber“, sagt Fraktionssprecher Axel Weingärtner. Und Herbert Uhl, wie der Bürgermeister Freier Wähler, sieht gar eine „klaren Betrug an den Wählern“. Denn schließlich hätten alle Parteien beschlossen, die Obergrenzen für die Bebauung nicht auszuweiten.

Die Mehrheit im Gemeinderat unterstützte jedoch Reitsberger. Und deshalb werden aus ursprünglich im Baugebiet Nordwest vorgesehenen Gewerbeflächen Grundstücke für Wohnungsbau. Die Initiative dazu war vom Bürgermeister ausgegangen (wir berichteten).

Hintergrund: In dem im Oktober vergangenen Jahres verabschiedeten Bebauungsplan für das Gesamtareal an der Dorfstraße war neben Wohnraum für rund 1500 Menschen auch ein Gewerbegebiet mit 12 000 Quadratmetern vorgesehen. Mitte Januar wurde der Verkauf von Parzellen an vorwiegend ortsansässige Gewerbetreibende aber vertagt. Einer der zentralen Gründe: Interessenten wollten auf ihren Gewerbeflächen auch Betriebsleiterwohnungen verwirklichen. Diese waren laut Bebauungsplan ausnahmsweise zwar möglich. Sie sollten aus Sicht des Gemeinderates aber nur zugelassen werden, wenn sie betriebsdienlich sind, zum Beispiel für eine Firma mit 24-Stunden-Betrieb. Auch sollten die Wohnungen im Vergleich zum Gesamtbetrieb nur eine untergeordnete Größe haben. Kritisch beurteilt wurde zudem, dass der Quadratmeter Baufläche im Gewerbegebiet 350 Euro kostet, also auch für Flächen, auf denen Betriebsleiterwohnungen entstehen sollten. Im nahegelegenen Einheimischenmodell würde der Quadratmeter jedoch mit 607 Euro zu Buche schlagen. „Das ist ungerecht“, so Bauamtsleiterin Brigitte Littke.

„Die Bewerber waren nicht besonders glücklich“, so Bürgermeister Reitsberger im Gemeinderat. Gleichzeitig sei bezahlbarer Wohnraum dringend notwendig für Kindergärtnerinnen, Pflegekräfte oder Arbeitnehmer, die im Supermarkt an der Kasse sitzen. Deshalb wolle man jetzt umplanen. Die Gewerbetreibenden könnten am Philipp- Maas-Weg Alternativ-Grundstücke finden. Das dortige Umspannwerk soll nach Nordosten verlegt werden. Auch die Hochspannungsleitung sollen im Boden verschwinden, was Planungsfreiheiten bringen kann.

Bisher ist am Philipp-Maas-Weg ein Gewerbegebiet von rund 5,2 Hektar vorgesehen. Dieses soll künftig auf 7,5 Hektar vergrößert werden. „Das ist nicht vergleichbar mit dem Gewerbegebiet in Parsdorf“, betonte Gemeindebaurätin Littke.

Kritik wegen der Erweiterung des Gewerbegebietes kam von den Grünen. Und auch die zusätzlichen Wohnungen in Nordwest sahen sie kritisch. Zusammen mit anderen Plänen (Gluckstraße, Rossinizentrum) steuere die Gemeinde auf rund 2000 Neubürger zu. „Wie sollen wird beispielsweise die Kinderbetreuung im Griff behalten, wenn wir immer mehr Zuzug generieren“ fragte Weingärtner. Den sozialen Wohnungsbau hätte man nach seiner Meinung auch an anderer Stelle verwirklichen können.

Zustimmung hingegen vor allem bei der CSU. Fraktionssprecher Michael Niebler wies darauf hin, dass beispielsweise 20-Jährige sich wegen fehlender Wohnungen schwer täten, ihren Lebensmittelpunkt in Vaterstetten zu behalten. Im Vorfeld hatte es Gespräche der Christsozialen mit der SPD gegeben. Die Genossen hatten sich in der Vergangenheit für das Gewerbegebiet Nordwest stark gemacht. Daran erinnerte Fraktionssprecher Josef Mittermeier in der Sitzung. Jetzt aber stimmten sie der Verlegung zu. Für die in Nordwest zusätzlich entstehenden Wohnungen wollen sie eine Gettoisierung vermeiden. Es sollen dort nicht nur Sozialwohnungen entstehen, so ihre Forderung.

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