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Die Pläne für das neue Vaterstettener Gewerbegebiet nördlich der A 94 bei Parsdorf erhitzten die Gemüter.

Kommunen haben Angst vor Blechlawine

Vaterstettener Gewerbegebiet: Aufstand der Nachbarn

  • Robert Langer
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Der Protest der Nachbargemeinden ist deutlich ebenso wie die kritischen Stimmen im Gemeinderat: Die Pläne für das neue Vaterstettener Gewerbegebiet nördlich der A 94 bei Parsdorf erhitzten die Gemüter.

Vaterstetten –  Angesiedelt werden soll auf einer Fläche von rund 40 Hektar ein Logistiker und ein Münchner Maschinenbauunternehmen. Hinzu kommen zwischen der Neuansiedlung und der Autobahn umfangreiche Ausgleichsmaßnahmen. Insgesamt geht es um rund 69 Hektar.

Der Bauerernverband weist auf den Verlust landwirtschaftlicher Produktionsfläche hin. Der Landesverband für Vogelschutz kritisiert den Flächenfraß und die Versiegelung von Ackerflächen als „nicht mehr zu verantworten“.

Die Rathausverwaltung in der Großgemeinde will am Vorhaben wie geplant festhalten, wie jetzt in der Debatte um den Bebauungsplan deutlich wurde. Aber schon einmal musste bei einem Vaterstettener Großprojekt auch wegen der Einsprüche im Genehmigungsverfahren umgeplant werden. Damals ging es um das vorgesehene Fachmarktzentrum mit einer Reihe von unterschiedlichen Geschäften im Gewerbegebiet Parsdorf südlich der Autobahn. Gesamtfläche dieser Ansiedlung übrigens rund 20 Hektar, also die Hälfte des jetzt überplanten Areals.

Damals ging es vor allem um den Einzelhandel. Jetzt gibt es wieder Proteste, vor allem wegen der zu erwartenden Verkehrsprobleme. So befürchtet die Gemeinde Grasbrunn ein Zusammenwachsen der Gemeindeteile Grub (Poing) und Parsdorf (Vaterstetten). sowie eine „ungegliederte bandartige Siedlungsentwicklung.“

Schon jetzt besteht auf der Gruber Seite das Logistikzentrum eines Modegroßhandels. Dass es in dem Gebiet weitere Entwicklung geben könnte, nimmt Vaterstettens Bürgermeister Georg Reitsberger (FW) an. Poing werde mit Sicherheit die Lücken schließen, so seine Einschätzung. Vaterstetten verweist jedoch auch auf die angrenzenden Ausgleichsflächen. Dadurch werde der regionale Grünzug langfristig gesichert.

Ein wichtiges Thema ist in Grasbrunn die Belastung der A 99. Zudem sei nicht berücksichtigst, dass die A 94 in wenigen Jahre durchgängig befahrbar sein werde. Das Bauamt Vaterstetten geht jedoch davon aus, dass sich im Vergleich zu der Gesamtbelastung „keine spürbaren Veränderungen der Emissionen für Grasbrunn“ ergeben werden.

Kritik kommt beim Thema Verkehr auch aus Anzing: Siedlungsdruck, steigende Grundstückspreise und Mieten sowie Flächenversiegelung. Anzing sei schon jetzt auch durch das zuletzt fertiggestellte Parsdorfer Gewerbegebiet südlich der Autobahn massiv belastet. Reaktion aus Vaterstetten: Die Gemeinde Anzing sei Teil des Großraumes München, dem entwicklungsstärksten Raum in der Bundesrepublik. Dieser Vorgang könne nicht punktuell gestoppt werden.

Sollte Vatersteten die Planungen weiterführen, kündigt die Gemeinde Feldkirchen rechtliche Schritte an. Die Kommune befürchtet unter anderem eine zusätzliche Belastung der Kreuzung M1/M18 nordwestlich des Autobahn-Ostkreuzes. Feldkirchen äußert zudem „deutliche Zweifel“ am vorliegenden Verkehrsgutachten. Diese Zweifel würden nicht weiter begründet und seien daher nicht nachvollziehbar, lautet die Antwort aus Vaterstetten. „Die Einwände der Gemeinde Feldkirchen stützen sich auf nicht begründete Vermutungen.“

Von einem „nicht fehlerfreien Gutachten“ spricht aber auch die Autobahndirektion Südbayern, die von einer signifikanten Steigerung des Verkehrs ausgeht. Empfohlen werden „dringen Abstimmungsgespräche“.

Doch im Rathaus Vaterstetten sieht man den Schwarzen Peter bei der Direktion. Die habe jahrzehntelang an der A 99 und an der A 94 nichts unternommen. „Wir können die Probleme der Autobahn nicht lösen“, meint Baumatsleiterin Brigitte Littke. Die Rede ist unter anderem auch von „Stauausweichern“, die morgens aus Richtung Anzing oder Schwaberwegen kommend den dichten Verkehr auf der A 94 vermeiden wollen, deshalb andere Straßen nutzen und erst in Pardorf auf die Autobahn fahren würden. Vom Gutachten der Gemeinde wird übrigens eine zusätzliche Auffahrtsrampe auf die A 94 Richtung München vorgeschlagen.

Auch Poing weist auf eine Zunahme des Verkehrs bedingt durch die Gewerbepläne hin. Vatersteten sieht jedoch den Nachbarn durch dessen eigenes Wachstum mit in der Verantwortung. Poing wird aufgefordert, sich finanziell am Ausbau der benötigten Straßen zu beteiligt. Ertüchtigt wird wohl die von der Autobahn nach Norden führende Gruber Straße, ausgebaut werden soll auch die Heimstettener Straße zur Erschließung des Gewerbegebietes. Eine Weiterführung Richtung Feldkirchen/Heimstetten zur M1 ist laut Bauamt Vaterstetten nicht vorgesehen.

Die Gemeinde Pliening, nördlich von Poing, erwartet von der Verkehrszunahme ebenfalls betroffen zu werden und fordert ein Gutachten, das nicht nur die direkt betroffenen Gemeinden einbezieht.

Vaterstettens Bürgermeister Georg Reitsberger (FW) sieht die Verkehrsprobleme in einem größeren Zusammenhang und in Bezug auf die Entwicklung in der Region. „Es ist lösbar, da müssen alle Gemeinden zusammenhalten“, sagt er.

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