Am Landgericht München II wurde der 49-jährige Erzieher zu einer Freiheitsstrafe verurteilt.
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Am Landgericht München II wurde der 49-jährige Erzieher zu einer Freiheitsstrafe verurteilt.

Achtjähriges Mädchen missbraucht

Vaterstettener Kinderschänder geht fünf Jahre ins Gefängnis

  • Marion Neumann
    vonMarion Neumann
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Ein 49-jähriger, der als Erzieher in einem Hort in Vaterstetten tätig war, ist zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und zwei Monaten verurteilt worden. Er hat ein achtjähriges Mädchen missbraucht.

Vaterstetten – Nur selten blickte der Angeklagte am siebten und letzten Verhandlungstag im Gerichtssaal auf. Gekrümmt saß er da, dem Publikum den Rücken zugewandt. „Sind Sie fit – sodass wir das heute durchziehen können?“, fragte der Vorsitzende Richter Martin Hofman zu Beginn der Sitzung am Landgericht München II. „Fit nicht, aber ja“, entgegnete der Angeklagte leise. Er wolle es zu Ende bringen.

Der Alptraum aller Eltern

Was dem 49-Jährigen, der als Erzieher in einem Hort in Vaterstetten tätig war, zur Last gelegt wird, ist der Alptraum aller Eltern. In der Betreuung verging sich der Mann mehrfach an einem achtjährigen Mädchen. Das hatte er zum Prozessauftakt Ende September in Teilen bereits gestanden. Stattgefunden hatten die Vorfälle in den Jahren 2018 und 2019. Einmal soll er dem Mädchen, das weglaufen wollte, hinterhergerannt sein und es anschließend festgehalten haben. In einem Fall machte der Angeklagte zudem Lichtbildaufnahmen ihres Intimbereichs.

Angeklagt war der Erzieher noch wegen weiterer Taten, die er teilweise ebenfalls eingeräumt hatte. So soll er ein weiteres Kind – die damals neunjährige Freundin seiner eigenen Tochter – missbraucht haben.

Erzieher hatte Sammlung an Kinderpornos

Zudem war der Mann im Besitz einer knapp 1500 Dateien großen Sammlung an kinder- und jugendpornografischen Bildern und Videos. Einiges davon hatte er selbst aufgenommen. Bei einer Durchsuchung waren außerdem Marihuana und Hanfsamen bei ihm gefunden worden.

Bevor es am Dienstag zu den Schlussanträgen kam, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfanden, äußerte sich die Nebenklage noch einmal. Der Anwalt, der die Eltern des Opfers aus dem Hort vertritt, fand es „grotesk“, dass sich die Anklage auf fünf Vorfälle sexuellen Missbrauchs an der Achtjährigen, die sich in psychotherapeutischer Behandlung befindet, beschränke. Nach Auffassung der Nebenanklage handelte es sich um einen „Kettenmissbrauch“, der „nicht bagatellisiert“ werden dürfe.

Richter: Es bleibt ein ungutes Gefühl

Verurteilt wurde der Angeklagte schließlich unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und zwei Monaten. Es bleibe „ein ungutes Gefühl“, so Richter Hofmann in der Urteilsbegründung. Letztendlich könne der 49-Jährige jedoch „nur für das verurteilt werden, was festgestellt werden konnte“. Klar geworden sei allerdings auch, dass es sich um keinen „einmaligen Fehltritt“ gehandelt habe. „Er hätte die Möglichkeit gehabt, Abstand zu nehmen und Hilfe einzufordern. Doch er war unehrlich zu sich selbst und gegenüber Ärzten und Therapeuten“, so der Richter weiter. Daran, ob das Teilgeständnis des 49-Jährigen aus Reue oder nicht doch „mehr aus Selbstmitleid“ heraus erfolgt sei, gebe es Zweifel.

Die Mutter des Opfers, die der Verhandlung im Zuschauerraum folgte, reagierte geschockt. „Das ist keine Strafe“, rief sie im Gerichtssaal unter Tränen.

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