Ein Schild mit dem Firmennamen „Greensill Bank“ hängt am Eingang der Bremer Privatbank. Die Finanzaufsicht Bafin hat die in Turbulenzen geratene Bremer Greensill Bank AG dicht gemacht.
+
Ein Schild mit dem Firmennamen „Greensill Bank“ hängt am Eingang der Bremer Privatbank. Die Finanzaufsicht Bafin hat die in Turbulenzen geratene Bremer Greensill Bank AG dicht gemacht.

Großgemeinde hatte Geld bei der mittlerweile geschlossenen Greensill Bank angelegt

Vaterstettener Millionen sind in Gefahr

  • Michael Acker
    vonMichael Acker
    schließen

Nach der Schließung der Bremer Greensill Bank durch die Finanzaufsicht BaFin stehen deutsche Kommunen unter Druck. Während private Sparer abgesichert sind, droht etwa der Gemeinde Vaterstetten ein Millionenverlust.

Vaterstetten - Wie Bürgermeister Leonhard Spitzauer (CSU) am Sonntagabend mitteilte, sei auch die Gemeinde Vaterstetten von der Krise der Bremer Greensill Bank betroffen. Die Gemeinde habe bei dieser Bank mit deutscher Banklizenz rund 5,5 Millionen Euro in verschiedenen kurz- und langfristigen Festgeldkonten angelegt.

Bank wurde am Mittwoch geschlossen

Die BaFin hatte die Greensill Bank AG am Mittwoch vergangener Woche geschlossen. Turbulenzen bei der britisch-australischen Mutter-Gesellschaft hatten die Bremer Tochter in Schieflage gebracht. Durch das Moratorium sollen Vermögenswerte gesichert werden. Wegen drohender Überschuldung wurde ein Veräußerungs- und Zahlungsverbot erlassen. Zugleich erstattete die Aufsicht Strafanzeige gegen das Institut.

Gemeinde hat 25 Millionen auf Festgeldkonten

Wie Spitzauer mitteilte, habe die Gemeinde die gemeindlichen Anlagen (Rücklagen, Sonderrücklagen, Betriebsmittel der Kasse) von insgesamt rund. 25 Millionen Euro entsprechend den Empfehlungen des Bayerischen Kommunalen Prüfverbands (BKPV) auf verschiedene Bankinstitute verteilt und verschiedene Laufzeiten gewählt. Zur Vermeidung von Strafzinsen (Negativzinsen) oder Verwahrentgelten seien ebenfalls den Empfehlungen des BKPV entsprechend auch private Bankinstitute bei dieser Diversifizierung berücksichtigt worden. Insofern wurden rund 20 Prozent der gemeindlichen Anlagen bei der Greensill Bank angelegt. Das Geld stamme zum Teil aus noch nicht abgerechneten Projekten.

Geschäftsbeziehung seit 2014

Die Gemeinde Vaterstetten unterhält eigenen Angaben zufolge seit 2014 eine Geschäftsbeziehung mit der Bank, damals noch unter deren Namen NordFinanz Bank AG. Man habe schon viele Verträge mit der Privatbank abgeschlossen, hohe Summen eingelegt und problemlos wieder abrufen können. Die Geschäftsbeziehung sei durch einen regionalen Finanzvermittler zustande gekommen, der viele Kommunen zu seinen Kunden zähle und der bei seiner Empfehlung auf die gute Bonität der Geensill Bank hingewiesen habe. Spitzauer: „Aktuell steht nicht fest, ob die Greensill Bank abgewickelt werden muss und dadurch der Gemeinde Vaterstetten ein Schaden entsteht.“ Rein vorsorglich habe die Gemeinde eine auf Bank- und Kapitalmarktrecht spezialisierte Münchner Rechtsanwaltskanzlei zur Wahrung der Interessen der Gemeinde eingeschaltet. Diese Kanzlei solle auch die Arbeit des regionalen Finanzvermittlers unter die Lupe nehmen, sagte der Bürgermeister gegenüber der Ebersberger Zeitung.

Spitzauer geht davon aus, dass die Gemeinde 30 bis 40 Festgeldkonten bei verschiednen Bankinstituten unterhalte. Am heutigen Montag werde er sich von der Kämmerei eine Aufstellung geben lassen. Vorsorglich habe man aber schon gehandelt und Konten bei der VW Bank gekündigt. Ob noch weitere Kündigungen anstehen, könne er noch nicht sagen.

Am Dienstag kam der „Schock“

Spitzauer sagte, er habe am vergangenen Dienstag von dem „Schock“ erfahren. Das Rathaus sei sofort mit der Rechtsaufsicht im Landratsamt und mit dem Kommunalen Prüfungsverband in Kontakt getreten. Am Samstag habe er, Spitzauer, den Gemeinderat über die missliche Lage informiert.

Banken-Experten gehen davon aus, dass sich die Kommunen, die Geld bei der Greensill Bank angelegt hatten, von ihren Millionen verabschieden müssen. Seit 2017 sind Geldeinlagen von institutionellen Anlegern nicht mehr abgesichert. Zahlreiche Privatanleger sind dagegen durch die Einlagensicherung geschützt.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare