Attacke auf Passanten in Hamburg: Ein Toter, mehrere Verletzte

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Ein Muttertagsstrauß für die Ersatz-Oma: Gigi H. aus Baldham und Usman aus Pakistan. Die Seniorin hilft sieben jungen Flüchtlingen, den Alltag in Deutschland zu meistern – und bekommt dafür viel zurück.

Vaterstettener Seniorin wird zur Ersatz-Oma für Asylbewerber

Oma Gigi und ihre Jungs

Vaterstetten - Gigi H. (84) ist eine rüstige Seniorin, die von sich selbst sagt: „Ich brauche eine Aufgabe.“ Gigi H. wohnt nahe dem Verdicamp, einer Containersiedlung in der Verdistraße, wo rund 50 männliche Asylbewerber leben. Um einige kümmert sie sich besonders, was einigen Nachbarn sauer aufstößt.

Der Garten von Gigi H. ist ein Blumenmeer und Blumen sind auch die große Leidenschaft der Seniorin.  Ihren vollständigen Namen will sie lieber nicht in der Zeitung lesen, er ist der Redaktion bekannt.

Jeden Tag auf dem Weg zum Einkaufen kommt Gigi am Verdicamp vorbei und so kam sie schon bald mit den Bewohnern ins Gespräch, „mit Händen und Füßen“, wie sie erzählt, denn sie kann zwar Englisch, das auch die meisten der Flüchtlinge verstehen, doch darauf greift sie nur im Notfall zurück.

Es dauerte nicht lange, da kam Gigi täglich ins Camp und gab den Bewohnern Deutschunterricht, schnell bildete sich eine Gruppe von sieben Pakistani, mit denen sie seither regelmäßig übt. „Wir lernen ganz praktische Dinge“, erzählt sie, „etwa: Wo ist der Bahnhof? Oder: Ich möchte bitte eine Tasse Kaffee mit Milch und Zucker.“

Leider gibt es im Verdicamp keinen Aufenthaltsraum, der Unterricht fand zunächst im Freien statt. Als es dafür zu kalt wurde, siedelte die Gruppe um in den Wintergarten von Gigis Zuhause. Gigi besorgte Kinderbücher und gibt ihren „Jungs“, wie sie liebevoll sagt, auch Einzelunterricht: „Das ist intensiver, weil ja jeder Mensch anders lernt.“ Schnell entstand eine herzliche Freundschaft, nach dem Unterricht bleiben die jungen Männer oft noch zu Chai-Tee und Keksen bei Gigi. Oder sie unternehmen gemeinsame Ausflüge mit dem Rad.

Viele der jungen Männer haben Heimweh, vermissen Eltern, Geschwister und Freunde. Gigi wurde zur Ersatz-Oma. „Wenn die Jungs mit ihrer Familie zu Hause telefonieren, dann werden mir auch oft Grüße von dort ausgerichtet“, erzählt sie. „Das ist schon richtig familiär bei uns, die Jungs könnten ja meine Enkel sein.“

Einigen ihrer Jungs konnte sie sogar schon eine Arbeit vermitteln, im Hotel, beim Bäcker und bei einer Baufirma. „Aber Deutschkenntnisse sind wichtig. Eine Herausforderung sind Fachbegriffe, zum Beispiel die Namen von bestimmten Maschinen. Die Kollegen haben oft nicht die Zeit, das zu erklären“, so Gigi, die ihren Ersatz-Enkeln auch bei Behördengängen behilflich ist.

Nicht alle von Gigis Nachbarn reagieren positiv auf die jungen Männer, die hier nun regelmäßig zu Besuch sind. „Ein Nachbar hat gesagt, ich bräuchte mich ja nicht zu wundern, wenn bei mir eingebrochen wird“, erzählt die Seniorin.

Tatsächlich hatte jemand versucht, in ihr Haus einzubrechen – aber das war 2014, lange bevor Gigi anfing, sich um die Pakistaner zu kümmern. Jetzt sind es eher ihre Jungs, die ängstlich sind: „Sie fragen mich immer, ob ich auch wirklich abgeschlossen habe und sind besorgt, wenn ich bei offenem Fenster schlafen will.“

Gigi betont auch, dass ihre Jungs sehr darauf achten, dass ihr durch die Betreuung keine Kosten entstehen: „Es kostet mich jedes Mal viel Überredung, bis sie sich auf einen Kaffee einladen lassen. Lieber kochen sie für mich. Sie wollen keine Umstände machen und haben mich noch nie ausgenutzt“, betont sie. Im Gegenteil: Zum Muttertag haben ihre Jungs sie sogar mit Blumensträußen überrascht: „Die haben im Internet vom Muttertag gelesen und wollten mir eine Freude machen.“

Kürzlich ist Gigi mit dem Fahrrad gestürzt, deshalb kann sie sich zur Zeit nur unter Schmerzen bewegen. Ehrensache, dass ihre Jungs nun für sie putzen, sich um den Garten kümmern oder die Straße kehren. „Das ist ein Geben und Nehmen“, meint die Seniorin, deren Mann und Kinder bereits gestorben sind.

Einer ihrer Jungs begleitet sie inzwischen regelmäßig zum Friedhof, hilft ihr bei der Grabpflege und spricht dort selbst ein stilles Gebet. „Ich habe mit meinen Jungs schon so viele schöne Erlebnisse gehabt, dass ich ein ganzes Buch darüber schreiben könnte."

Susanne Edelmann

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