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Viele Helfer engagierten sich über die Jahre für die Tafel. Hier ein Bild aus dem Jahr 2006 mit (v.l.): Paula Dorfner, Traudl Herbst, Minegard Mahr und Baronin Heide Fleissner von Zastrow .

Vaterstettener Tafel feiert Geburtstag

15 Jahre Hilfe für Bedürftige

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Die Vaterstettener Tafel feiert. Die soziale Einrichtung unter dem Dach der Nachbarschaftshilfe, die Nahrungsmittel für Menschen ausgibt, denen es finanziell nicht so gut geht, wird 15 Jahre alt. Doch begonnen hat alles viel früher mit Baronin Heide Fleissner von Zastrow.

Vaterstetten– Die engagierte Baldhamerin mit italienischen Wurzeln konnte es seinerzeit nicht mit ansehen, dass „so viele wertvolle Lebensmittel von den Geschäften weggeworfen wurden. Welch eine Verschwendung“, erzählt sie heute. „Das war im Jahr 1999. Ich wusste, dass es auch in Vaterstetten und Baldham bedürftige Menschen gibt. Also bin ich zu den Supermärkten gegangen und habe sie um Lebensmittel gebeten.“ Die Spenden habe sie anfangs noch selbst im Auto zu ihren „Schäfchen“ transportiert. „Die Menschen hier sind meine Familie“, sagt die Baldhamerin. Die ausgebildete Opernsängerin organisierte unter anderem Benefizkonzerte, um den Service zu finanzieren.

Der logistische Aufwand wurde jedoch immer größer. Die Baronin suchte einen Träger, dem sie die Aufgabe übergeben konnte. Sie fand ihn in der Nachbarschaftshilfe Vaterstetten, die auch für Zorneding und Grasbrunn (Landkreis München) zuständig ist. Am 14. Februar 2002 wurde die Vaterstettener Tafel als eine der ersten im Landkreis Ebersberg aktiv.

Ausgegeben werden Lebensmittel an Menschen, die auf Hartz IV, Grundsicherung oder Sozialhilfe angewiesen sind, an Alleinerziehende und kinderreiche Familien, an Rentner mit geringem Einkommen sowie an Menschen, die arbeiten und deren Verdienst zum Leben trotzdem nicht ausreicht. Der „Tafelausweis“ wird nach Prüfung der Bedürftigkeit von der Nachbarschaftshilfe ausgestellt.

Der erste Tafelladen war eine kleine Futterkammer auf dem Hof des heutigen Vater-stettener Bürgermeisters Georg Reitsberger. Die Anfänge waren schwer. Tina Schäfer, Ressortleiterin und erste NBH-Verantwortliche für die Tafel erinnert sich: „Dort war auch Tierfutter untergebracht, im Herbst körbeweise Äpfel. Kleintierzüchter nutzten die Kammer ebenfalls. Es gab nur einen Kühlschrank, der dann auch noch gelegentlich zweckentfremdet wurde.“ Die anfangs etwa 25 Kunden mussten bei Wind und Wetter draußen warten. Im Sommer litten alle Beteiligten drinnen wie draußen unter der Hitze. Im Winter machte die Kälte Probleme. Schäfer: „Das war echte Pionierarbeit.“ Letztlich habe sich der Raum als zu beengt und ungeeignet für die Ausgabe von Lebensmitteln erwiesen.

Die Gemeinde Vaterstetten hatte ein Einsehen: Im Herbst 2006 konnte die Einrichtung in den jetzigen Tafelladen neben das Vaterstettener Rathaus an die Möschenfelder Straße umziehen. Der Raum ist größer. Biertisch-Garnituren erlauben auch einmal einen kleinen Kaffeeklatsch dank gespendetem Kaffee und Gebäck.

Seither hat sich der Tafelladen durch Investition von Geld- und Sachspenden wie Kühlregale, Tische oder einer Außen-Markise zu einem akzeptablen Laden entwickelt. Im Dezember 2016 waren 84 Erwachsenen und 59 Kinder als Tafelkunden registriert.

Etliche ehrenamtliche Helfer sind seit den Anfängen bis heute dabei. Aktuell sind 32 Frauen und Männer engagiert. Sie holen regelmäßig Waren bei Lebensmittelhändlern ab und transportieren sie zum Tafelladen. Dort wird die Ware einsortiert, richtig gelagert und wöchentlich am Donnerstag am Vormittag verteilt. Im Jahr 2016 wurden etwa 730 Stunden von den Ehrenamtlichen für das Abholen der Lebensmittel eingesetzt. Dazu etwa 1100 Stunden für die Ausgabe im Tafelladen.

Die Vaterstettener Tafel ist bis heute abhängig von Lebensmittelspenden. Der örtliche Lebensmitteleinzelhandel, aber auch beispielsweise Apotheken, unterstützen regelmäßig die Tafel. Nicht selten geben Privatpersonen persönlich Lebensmittel im Tafelladen oder in der NBH-Geschäftsstelle an der Brunnenstraße in Baldham ab. Die Gemeinde Vaterstetten ist ein engagierter Unterstützer der Tafel, genau wie die Manfred und Ute Schmidt-Sozialstiftung. Hilfe kommt auch von der Tagwerk Ökokiste, von Schulen und Elternbeiräten, von Pfarreien, Kindergärten und Kinderhäuser.

Kontakt:

www.nbh-vaterstetten.de, Telefon: (0 81 06) 36 84 71 oder E-Mail: klinger@nbh-vaterstetten.de

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