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„Wir sind alle schuld“ am Klimawandel sagen Benedikt Weber, Angelika Niebler, Detlef Fischer, Harald Lesch, Christine Singer und Stefanie Ederer (von links). 

Vaterstetter CSU diskutiert über den Klimawandel

„Wir selbst sind das Problem“

„Fassen Sie sich alle mal an die eigene Nase!“, forderte Stefanie Ederer, CSU-Ortsgeschäftsführerin in Vaterstetten, das Publikum im vollbesetzten „Altschütz“-Saal auf.

Vaterstetten – Erste Erkenntnis beim CSU-Talk im Wirtshaus: „Wir alle sind schuld am Klimawandel.“ „Warum tun wir alle nicht, was wir tun müssen?“ lautete das Motto des Abends.

Der Astrophysiker Harald Lesch konnte über diese Frage nur lachen: „Es gibt einen großen Unterschied zwischen dem, was wir wissen und dem, was wir wahrnehmen wollen.“ EU-Abgeordnete Angelika Niebler (CSU) betonte: „Wir sind schon seit 1999 mit Maßnahmen beschäftigt, haben Energiebereich, Verkehr und Industrie ins Visier genommen.“ Sie musste aber einräumen: „In Deutschland haben wir unsere Ziele nicht erreicht.“ Detlef Fischer, Geschäftsführer der Bayerischen Elektrizitäts- und Wasserwirtschaft, meinte: „Ob wir uns klimaschonend verhalten, hängt davon ab, wie viel wir profitieren können.“ Die Gesellschaft müsse umdenken: „Am angesehensten ist, wer das größte Auto fährt. Wer sich klimaschonend verhält, wird belächelt. Die gesetzten Ziele und das, was getan wird, klaffen eklatant auseinander, da sind wir schlimmer als Trump!“ Tosender Applaus folgte seinen Worten.

Lesch entgegnete: „Trotz Trump wurde in den USA so viel CO2 reduziert wie in keinem anderen Land.“ Er kritisierte, dass Länder und Kommunen Anteile an Flughäfen haben: „Die haben doch gar kein Interesse daran, dass weniger geflogen wird. Ähnlich ist es mit der Autoindustrie, da passiert doch nichts“, redete er sich in Rage. Die stellvertretende Landesbäuerin Christine Singer meinte: „Wir selbst sind das Problem. Wir müssen unsere Werte überdenken, denn was ist wichtiger: vernünftige Ernährung und intakte Landschaft oder Konsum, Reisen und große Autos?“ Beispiel Textilien: „Wir regen uns über die Zustände in den Fabriken in Bangladesh auf, aber wer kauft denn den Mist? Das sind doch wir!“

Niebler gab zu bedenken: „Wie weit können wir den Bürgern vorschreiben, was sie tun dürfen und was nicht?“ und CSU-Gemeinderat Benedikt Weber monierte die „Nicht vor meiner Haustür“-Haltung vieler Bürger. „Wir müssen uns klar machen, dass unsere Generation es vermasselt hat, nun müssen wir Opfer bringen“, betonte Lesch, woraufhin Niebler entgegnete: „Aber nicht über die Köpfe der Bürger hinweg!“ Fischer konterte: „Dann werden Sie die Klimaziele nicht erreichen.“

Lesch erläuterte: „Der Klimawandel wird noch viel schlimmer, als die größten Pessimisten prognostiziert haben, das sollte uns allen zu denken geben. Das ist keine Sachfrage, über die man demokratisch abstimmen kann. Es geht um Messwerte und wenn wir sicher sind, was wir tun müssen, dann sollten wir es machen. In Bayern habe ich aber nicht das Gefühl.“ Dafür erntete er lang anhaltenden Beifall. Auch Fischer kritisierte: „Im CSU-Programm zur Landtagswahl war das Thema Energiewende gar nicht enthalten. Wenn die Politik so weitermachen will, wird sie die Energiewende nicht schaffen.“ Die gesamte, über zweistündige Diskussion wurde per Livestream im Internet übertragen und kann unter www.csu-vaterstetten.de/live abgerufen werden.

Von Susanne Edelmann

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