Mit weißem Stock: Landrat Robert Niedergesäß, im Rathaus mit blickdichter Maske.

"Weg mit den Barrieren"

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Vaterstetten - „Jetzt schauen wir mal, was wir bewegen können. Es muss einfach in die Köpfe der Verantwortlichen rein“, so Günter Pritzl, stellvertretender Vorsitzender des VdK Vaterstetten.

Die Organisation hatte zur Aktion „Weg mit den Barrieren“ aufgerufen. Gleich beim Treffen im Rathaus hatte es die ersten auffälligen Punkte gegeben. Als Bürgermeister Georg Reitsberger zur Demonstration mit einem Rollstuhl in den Aufzug fuhr, ließ sich die Türe nicht schließen. Er wäre so nicht zu seinem Büro oder ins Bauamt gekommen.

Barrierefreiheit sei nicht nur für Rollstuhlfahrer wichtig, so Robert Otto, Bezirksgeschäftsführer Oberbayern des Sozialverbandes VdK. Es gehe auch um menschen mit Rollatoren oder Familien mit Kinderwagen. Oft seien es nur Kleinigkeiten, die Menschen mit Behinderung das Leben schwer machten. „Da fehlt es einfach bei manchen Architekten und Planern.“

Die Gruppe machte sich auf zum Praxistest in der Wedelsteinstraße. Mit dabei neben Betroffenen auch Bürgermeister Georg Reitsberger und Landrat Robert Niedergesäß. Der Bürgermeister setzte sich eine blickdichte Maske auf, nahm den Blindenstock in die Hand und ließ sich von VdK-Mitglied Irma Straubinger führen. „Sie gehen viel zu schnell“, bremste sie den etwas ungeduldigen Rathauschef. Mit dem Stock ertastete Reitsberger plötzlich mitten im Weg stehenden Stangen mit Verkehrszeichen. Er entdeckte gefährlich niedrig hängende Schilder, die zu Verletzungen im Gesicht führen könnten. Der Blindenstock blieb in einen Spalt zwischen zwei Bordsteinen hängen. „Das ist plötzlich ein ganz anderer Blickwinkel, auch wenn man die Gegend eigentlich kennt“, meinte der Bürgermeister. Landrat Niedergesäß war mit dem Rollstuhl unterwegs. Er lernte mit dem unterschiedlichen Bodenmaterial umzugehen, versuchte Türen zu öffnen oder etwas in Briefschlitze zu stecken. Die beiden Kommunalpolitiker wechselten auch zeitweise die Perspektiven, tauschten Maske und Blindenstock gegen Rollstuhl.

„Wir haben eine Menge gelernt“, so das Fazit von Reitsberger. „Was wir machen können, sollten wir machen.“ Früher habe man nicht so viel Augenmerk auf die Barrierefreiheit gelegt. Inzwischen sei das Thema auch wegen der immer älter werdenden Gesellschaft sehr wichtig. Nicht umsonst hießen Teile der Gemeinde inzwischen scherzhaft „Rollator City“.

„Das geht sauber in die Arme“, meinte Landrat Niedergesäß beim Rollstuhlfahren. „Meine Sporteinheiten habe ich heute schon absolviert.“ Der Landrat verwies auf ein Projekt des Kreises mit den Gemeinden, in dem es um die Auflistung von Barrieren geht.

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