Er soll seiner Frau das Leben zur Hölle gemacht haben 

Versuchter Mord: Vaterstettener vor Gericht

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Vor dem Landgericht München II muss sich ein 38-Jähriger aus Vaterstetten verantworten. Die Anklage lautet auf zweifachen versuchten Mord. Das Opfer war seine Ehefrau

Vaterstetten Vedran M. (Namen geändert) hatte offenbar eine ganz eigene Auffassung von der Ehe. Auf die Frage des Richters, ob er seine Frau betrogen habe, sagte der Mann, der seit dem zehnten Lebensjahr in Oberbayern lebt: „Wenn das strafbar wäre, müsste ich zehnmal Lebenslänglich bekommen.“

Das Fremdgehen sei der große Streitpunkt in der Ehe mit seiner Frau Agata gewesen. Dabei maß er offenbar mit zweierlei Maß: Glaubt man der Staatsanwaltschaft, hatte schon der bloße Verdacht, sie betrüge ihn, für Agata dramatische Folgen. 2009 hatten die beiden Eheleute geheiratet – in den Folgejahren soll er seine Frau laut Ermittlern in einer Vielzahl von Fällen misshandelt haben. Mehrmals sei er dabei extrem brutal vorgegangen, habe sie sogar mit dem Tode bedroht.

Zunächst sei Agata M. in der gemeinsamen Wohnung in Taufkirchen (Kreis München) geschlagen worden – später zogen sie nach Vater-stetten, wo das Martyrium der Staatsanwaltschaft zufolge bis zum Herbst 2015 weiterging. Derzeit sitzt er in Untersuchungshaft. Seine Frau hat sich mittlerweile scheiden lassen.

Der 38-Jährige, dessen Familie einst vom Balkan eingewandert ist, muss sich seit Donnerstag vor dem Landgericht München unter anderem wegen des Vorwurfs des zweifachen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Vedran M. wirkt vor Gericht stolz darauf, wie gut er für seine Familie gesorgt habe. Bis zu 6000 Euro habe der zuletzt Arbeitslose als Drucker bis vor einigen Jahren verdient. Er habe fast 100 000 Euro für einen Mercedes-Sportwagen ausgegeben. „Auch meine Frau durfte damit fahren.“ Er habe viel im Haushalt und bei der Erziehung geholfen.

Die Staatsanwältin zeichnet bei der Verlesung der Anklage jedoch ein anderes Bild: Agata M. habe sich um alle Dinge im Haushalt, die Kinder und auch ihre Schwiegereltern kümmern müssen, während er seinen Freizeitaktivitäten nachgegangen sei. Gegenüber seiner Braut sei er brutal vorgegangen: 2011 warf sie ihm vor, dass er siebetrüge. Daraufhin habe er sie so fest geohrfeigt, dass ihr Trommelfell gerissen sei. Ein anderes Mal habe er sie geohrfeigt, weil sie gesagt habe, dass sich der Vater nach dem Toilettengang die Hände wasche solle, wenn er den Kindern die Finger in den Mund stecke. 2013 soll er Agata M. in Taufkirchen wegen einer Nichtigkeit vor den beiden Kleinkindern gewürgt haben. Zudem habe er ihr mindestens viermal mit der Faust ins Gesicht geschlagen und dabei gerufen: „Halt’s Maul, du Hure. Ich bring dich um.“ Die Ehefrau brach sich das Nasenbein an. Im März 2015 soll Vedran M. sie wegen eines Eifersuchtsstreits mehrfach gegen die Zimmerwand und feste Gegenstände geschleudert haben. Als diese am Boden lag, hat er Agata laut Staatsanwaltschaft mit der Faust geschlagen. Er habe sich auf ihre Brust gesetzt und zwei Brustwirbel-Brüche billigend in Kauf genommen. Vedran M. soll sie anschließend mit Tötungsabsicht gewürgt haben. Die anwesenden drei- und sechsjährigen Söhne hätten lautstark geschrien, der Sechsjährige habe ihn mit seinen Schlägen und Rufen von seinen mutmaßlichen Mordabsichten abgebracht. Auch im Oktober 2015 habe er Agata M. gedroht, sie umzubringen und sie brutal verprügelt. Mehrmals soll er gegen seine Söhne handgreiflich geworden sein.

Vor Gericht räumte der Angeklagte zwei Ohrfeigen gegen die Mutter ein, auch habe er sie auf die Couch geschubst. „Sonst gab es keine Gewalt.“ Die Rippenbrüche könnten vom Catchen mit den Kindern stammen, sagte er. Der Prozess dauert an.

Tobias Lill

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa / Uwe Anspach

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