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Hightech in Pferdeklinik: Computertomograph ermöglicht Untersuchung stehender Tiere

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Von: Robert Langer

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Ein Pferd beim CT-Scan seines Hufs.
Zeigt her eure Hufe: Vorsichtig wird das Bein der Stute gesichert. Das Tier bliebt stehen, der weiße Ring bewegt sich, um die Bilder aufzunehmen.  © S. Roßmann

In der Parsdorfer Pferdeklinik ist es ohne Vollnarkose möglich CT-Untersuchungen durchzuführen. Das erspart Reiter und Pferd Leid, Zeit und Geld.

Parsdorf – Die Zahl der Reiter nimmt zu, der Pferdesport wird immer beliebter. Immer mehr – sehr oft teure Pferde – benötigen spezielle tierärztliche Betreuung. Wie beim Einsatz absoluter Hochtechnologie in der Pferdeklinik Parsdorf (Vaterstetten) mit einem neuen Computertomographen (CT). Damit können aufschlussreiche Aufnahmen von Knochen und Weichteilen gemacht werden, hauptsächlich an den Gliedmaßen.

Das Besondere: Die Pferde können dabei stehen bleiben. Im Süden Deutschlands gibt es von diesen Geräten nur zwei. Das Erste wurde Anfang des Jahres in Parsdorf aufgestellt, das andere kürzlich bei Augsburg. Zwei weitere Geräte befinden sich in Norddeutschland, wie Dr. Susanne Blessing, Geschäftsführerin der Pferdeklinik Parsdorf, erklärt.

Die Pferdeklinik in Parsdorf kümmert sich um Tiere aus dem gesamten süddeutschen Raum

Kontrastmittel wird in das Bein eines Pferdes gespritzt.
Mithilfe eines Kontrastmittels ist für das CT das Pferdebein besser durchschaubar. © S. Roßmann

Die Klinik mit einem breiten Angebot von Sportmedizin über Augenzentrum bis zu Notfallmedizin liegt zwischen Parsdorf und Weißenfeld auf freiem Gelände, umgeben von Pferdekoppeln. Schon die Kennzeichen an den Trailern auf dem Parkplatz zeigen, dass die „Patienten“ aus dem gesamten süddeutschen Raum kommen.

Ganz vorsichtig führt Valerie Petzina die Stute am Halfter durch eine Seitentür herein. Die Fachangestellte hat sich für die spezielle Technik zusätzlich ausbilden lassen. Der Raum ist hell, weiße Wände, aber kein allzu grelles Licht. Die Hufe klappern leise auf dem Boden. Die Stute, nennen wir sie Lamira, wirkt leicht verschlafen. Schließlich ist sie sediert, hat ein Beruhigungsmittel bekommen. Zusätzlich gibt es Ohrstöpsel, aber keine einlullende Fahrstuhlmusik.

Pferdeklinik in Parsdorf: Untersuchung mit CT kostet über 1000 Euro

Das CT-Gerät der Parsdorfer Pferdeklinik.
CT in der Grube. Die Anlage ist sehr variabel einsetzbar. © S. Roßmann

Lamira soll verkauft werden. Bei einer Untersuchung zeigte das Röntgenbild an einer Fessel einen Schatten. Das soll nun näher betrachtet werden. Ein etwa vierjähriges Pferd wie Lamira mit ihren Anlagen ist laut Blessing rund 25 000 Euro wert. Die Untersuchung im CT kostet je nach Umfang zwischen 1200 und 1500 Euro.

Mitten im Raum steht in einer Vertiefung der CT eine große Röhre, oder eigentlich ein Ring. Ebenfalls weiß und futuristisch. Beobachtet werden kann der gesamte Ablauf der Untersuchung aus Sicherheitsgründen durch ein großes Fenster von einem Nebenraum aus. Dort ist die Steuerungseinheit. Das Bild in Blau auf dem Computerbildschirm zeigt einen Menschen und kein Pferd.

Kein liegendes Pferd notwendig: CT in Parsdorfer Pferdeklinik kann Tiere im Stehen untersuchen

Das jedoch ist nur die Darstellung der Software. Vieles ist ähnlich wie in einer radiologischen Praxis der Humanmedizin. Aber Einiges ist auch ganz anders. Bei der Untersuchung wird ein Mensch üblicherweise auf einer Bahre in die Röhre geschoben. In der Pferdeklinik Parsdorf bewegt sich die Röhre beziehungsweise der Ring, das Pferd bleibt ruhig an seinem Platz.

Wichtig ist: Für bestimmte Untersuchungen muss das möglicherweise nervöse Pferd nicht liegend in die Maschine geschoben und dazu komplett narkotisiert werden. Es muss nur ein wenig ruhig gestellt werden, es kann eben stehen bleiben. Viele Besitzer befürchten nämlich, dass sich das Tier nach dem Liegen in der bisherigen Untersuchungspraxis und beim Aufwachen aus der Narkose beziehungsweise Aufstehen verletzen könnte.

Hightech in Pferdeklinik: Kompletter Scan eines Pferdes dauert nur wenige Sekunden

Für die Untersuchung muss Lamira aber zu ihrer eigenen Sicherheit noch stabilisiert werden. Zunächst kommt der Kopf in eine Art gepolsterte Wanne. Die Stute scheut ein bisschen. Was da passiert, erscheint ihr wohl etwas unheimlich. Erst beim zweiten Anlauf klappt es. Geduld ist angesagt. Valerie Petzina schiebt Lamira leicht von hinten, die Auszubildende Laura Dietl kommt dazu, streichelt den Kopf und spricht beruhigend auf das Tier ein.

Es funktioniert. Zuvor wurde bereits eine Stelle am Bein rasiert und ein Kontrastmittel gespritzt. Dann kann das linke Bein auf eine kleine Plattform innerhalb des Röhrenbogens gestellt werden. Gesichert wird hier mit weichen Bändern. Alle Mitarbeiter verlassen den Raum, rotes Blinklicht. Der Ring fährt los, und schon ist es vorbei. Ein Scan dauert 18 Sekunden. Bei der früheren Technik war es bedeutend länger.

Anders als Röntgen: Computertomographie erlaubt 3D-Darstellung des Pferdekörpers

Zur Sicherheit gibt es einen zweiten Durchlauf. Lamira nimmt es gelassen hin. Valerie Petzina schaut sich die Daten an. Alles ok. Dann darf die Stute wieder raus – mit einem Verband um die Einstichstelle. Tierärztin Annika Rathmann überwacht das Geschehen. Die Daten werden an einen anderen Arbeitsplatz überspielt. Rathmann schaut sich die Bilder auf einem großen Bildschirm an. Der Ausschnitt kann gezoomt und gedreht, die Achse ausgerichtet werden.

Die Computertomographie ist ein Diagnoseverfahren, bei dem Bilder entstehen. Die Maschine besteht aus einem Röntgenstrahler und einem Aufnahmesystem. Beide Einheiten rotieren während der Untersuchung um das Tier. Dabei entstehen Aufnahmen in mehreren Schichten, zeitgleich aus unterschiedlichen Blickwinkeln, anders als beim Röntgen, wie Annika Rathmann erklärt. Eine 3D-Darstellung ist möglich und auch Weichteile sind gut erkennbar.

Neues Verfahren in Parsdorfer Pferdeklinik spart laut Tierärztin viel Leid, Zeit und Geld

Durch die Bildinformationen können dann der Arzt und der Eigentümer des Tieres eine Entscheidung treffen, bei einer eventuell nötigen Operation erhält der Chirurg sehr wichtige Informationen. Früher musste eine Behandlung bei bestimmten Beschwerden des Tieres oft in mehreren Schritten organisiert werden. „Die Pferde können ja nicht sprechen und uns erzählen, was los ist“, sagt Geschäftsführerin Susanne Blessing. Die bisherigen Untersuchungsmethoden hätten da manchmal nicht ausgereicht.

Blessing hat sehr viel Erfahrung, war unter anderem Tierärztin für Traber und Galopper auf Rennbahnen. Mit dem neuen CT könne man sehr viel schneller zu Ergebnissen kommen, erklärt sie. Das sei für das Tier schonender und die Besitzer könnten damit auch Geld sparen, wenn eine langwierige Behandlung abgekürzt wird, die sich „sonst lange hinziehen könnte“. Mit dem CT nehme man praktisch eine „Abkürzung“. Dadurch könne man eine exaktere Diagnose erhalten und dann gezielter behandeln.

Computertomographie in Parsdorfer Pferdeklinik ermöglicht Untersuchungen ohne Narkose

Der CT werde jedoch kaum bei einer Erstuntersuchung eingesetzt. Das sei oft zu früh. Zunächst sei der Tierarzt des Pferdes dran, der bei Bedarf das Tier dann an die Pferdeklinik überweise, wie dies auch in der Humanmedizin üblich sei.

Der Computertomograph in Parsdorf ermöglicht Untersuchungen ohne Narkose im Stehen der Vorderbeine bis unterhalb des Karpalgelenks, der Hinterbeine bis unterhalb des Sprunggelenkes bei vielen Pferden ist es auch bis oberhalb des Karpal- und Sprunggelenkes möglich. Möglich sind auch Aufnahmen des Kopfes und der ersten Halswirbel. Dazu wird der CT, der in Parsdorf in einer Grube montiert ist, nach oben gefahren, damit auch in diesem Fall das Tier im Stehen untersucht werden kann.

Computertomographie in Parsdorfer Pferdeklinik: Auch ein Löwe könnte hier untersucht werden

„Auch einen Hund haben wir schon in die Röhre geschickt“, erzählt Blessing. Ein Pony in seiner vollen Größe sei wohl auch möglich, „oder ein Löwe“. In Narkose können noch viele weitere Untersuchungen gemacht werden, die komplette Halswirbelsäule, Knie, Schulter, bei Fohlen und kleinen Ponies auch Darstellung der Brust- und Bauchhöhle.

Und wie geht es mit Stute Lamira jetzt weiter? Dazu war beim Ortstermin in Parsdorf noch keine Entscheidung gefallen. Die Untersuchung hat etwa 90 Minuten gedauert. Das Hightech-Gerät wurde im Januar dieses Jahres installiert. Rund vier Untersuchungen werden seitdem pro Tag ausgeführt. „Wir sind mit den Ergebnissen sehr zufrieden“ sagt Blessing.

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