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Als es noch Grund zum Feiern gab: Der Hauptangeklagte war ein erfolgreicher Hobby-Rennfahrer.

Autobumser-Prozess

Rennfahrer und CSU-Politiker: Betrüger-Bande lässt es krachen

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Vaterstetten - Ein Vaterstettener Ex-Rennfahrer und ein Gemeinderat haben in großem Stil Versicherungen geprellt. Vor dem Ebersberger Schöffengericht kassieren sie jetzt Bewährungsstrafen.

Zwölf volle Aktenordner, 19 Beschuldigte, ein Schaden von fast 300 000 Euro – vier Jahre lang ermittelte die Staatsanwaltschaft gegen eine Autobumser-Bande aus dem Landkreis, nun kam es für vier Angeklagte zum Prozess vor dem Ebersberger Amtsgericht. Mittendrin: der bekannte Ex-Rennfahrer und Werkstattbetreiber Thomas M. (53, Name geändert) als Drahtzieher und der Vaterstettener CSU-Gemeinderat Theo Bader (68) als Mittäter.

Die Masche war immer die gleiche: Auf einem Betriebsgelände fabrizierte M., teils mit Hilfe eines befreundeten Werkstattbetreibers (54), der nun neben ihm auf der Anklagebank saß, Unfälle. Mit von der Partie war eine stolze Zahl an Komplizen, die gegen Beteiligung am Gewinn ihre Autos und Unterschriften für den Betrug hergaben. Den Schaden machten die Betrüger anschließend bei der Versicherung geltend.

Der Clou: Die Täter strichen nicht einfach die Versicherungssumme ein, sondern reparierten die tatsächlich an den Autos entstandenen Schäden kostengünstig in ihren eigenen Werkstätten und kurbelten damit ihr Geschäft an. Unter den beschädigten Wagen waren Luxuskarossen von Ferrari und Mercedes, mit denen die Angeklagten stolze Schadenssummen im mittleren fünfstelligen Bereich – und damit hohe Gewinne – generieren konnten.

2010 flog der Betrug auf: Eine Versicherung war misstrauisch geworden

2010 flog der Betrug schließlich auf. Eine der geprellten Versicherungen war misstrauisch geworden und zeigte den Ex-Rennfahrer an. Ein Treffer ins Schwarze: Ein ganzes Betrügernetzwerk kam ans Licht. Der ermittelnde Polizeibeamte deutete in seiner Aussage an, dass die angezeigten Taten „nur die Spitze des Eisbergs“ seien, bereits seit 2001 hätten insgesamt 71 dubiose Schadensmeldungen vorgelegen.

CSU-Gemeinderat Theo Bader war an vier Taten beteiligt.

Nachweisen konnten die Behörden dem Hauptangeklagten zwölf Fälle erfolgreichen und zwei Fälle versuchten Versicherungsbetrugs zwischen 2007 und 2010. Dafür wurde Thomas M. zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Die milde Strafe erklärte Richter Markus Nikol damit, dass der 53-Jährige, nachdem er aufflog, voll geständig war und, wie es der Staatsanwalt formulierte, „von Anfang an massiv Aufklärung leistete“. Außerdem hat der Mann von den 170 000 Euro Schaden, die auf ihn entfallen, bereits 70 000 zurückbezahlt.

Sein Helfer, der inzwischen arbeitslose, alkoholkranke 54-Jährige aus dem nördlichen Landkreis, der an vier der Taten beteiligt war, erhielt ein Jahr Bewährungsstrafe, muss 500 Sozialstunden leisten und eine begonnene Suchttherapie fortsetzen.

Die Lebensgefährtin des Ex-Rennfahrers, die von dessen Taten wusste, und bei vier „Unfällen“ mitwirkte, erhielt eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten. 

Gemeinderat Theo Bader, der in Vaterstetten eine Kfz-Werkstatt betreibt und stellvertretender Vorsitzender des Gewerbeverbands ist, kam am glimpflichsten davon: Er erhielt eine Bewährungsstrafe von acht Monaten und muss 200 Sozialstunden leisten. In vier Fällen hatte er falsche Angaben gegenüber den Versicherungen gemacht und insgesamt 3000 Euro Beteiligung eingestrichen. „Ich bereue es ernorm und habe gelernt, in Zukunft bei Unterschriften zwei- bis dreimal hinzuschauen“, lauteten seine abschließenden Worte. Mitgemacht habe der Gemeinderat „aus Gefälligkeit“. Thomas M. habe ihm „auch immer geholfen, wenn ich Geld gebraucht habe“. Bader war aufgrund eines gescheiterten Geschäftsvorhabens hoch verschuldet, hat nach eigener Aussage aber „das Schlimmste überstanden“.

Eines hatten Thomas M., der Richter und der Staatsanwalt übrigens gemeinsam: Sie konnten es kaum glauben, dass die Masche so lange gut gegangen war. Der Hauptangeklagte erklärte es am treffendsten: „Ich weiß nicht, was uns damals geritten hat, aber die Versicherungen haben es uns wirklich leicht gemacht."

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