Eine Fahrgastbefragung soll klären, wie die öffentlichen Busse in Vaterstetten angenommen werden. Foto: sro

Vaterstettener Bus-Chaos: Bürgermeister in der Kritik

Vaterstetten - Der Gemeinderat sagt: Nach der großen Aufregung um die Linien soll die Verwaltung nun Ergänzungen des Angebots prüfen.

Die Aufregung war groß, als Buslinien in Vaterstetten umgestellt und dabei einige Haltestellen gestrichen wurden. Es hagelte Kritik. Jetzt gerät das Rathaus in die Schusslinie, weil dort auf die Vorwürfe zu spät eingegangen worden sei.

Der Unmut im Gemeinderat war deutlich. „Ich hätte mir seitens der Verwaltung eine deutlich schnellere Reaktion gewünscht“, so CSU Fraktionssprecher Michael Niebler. „Wir leben in Echtzeit, wenn irgend etwas los ist, hast du nicht vier Wochen Zeit, um zu reagieren.“

SPD-Fraktionssprecher Josef Mittermeier, er sich intensiv mit dem Thema befasst hatte, erklärte: „Die Kritik war teilweise nicht zutreffend. Das hätte in der Öffentlichkeit dringend richtig gestellt werden müssen.“ Der Beschluss für die Umstellung sei schließlich mit breiter Mehrheit gefallen. „Da hätte die Verwaltungsspitze stärker dahinter stehen müssen.“ Renate Will (FDP) meinte: „Ich war ganz entsetzt, warum reagiert denn niemand?“

Bürgermeister Georg Reitsberger (FW) versuchte sich zu verteidigen: „Ich war selbst überrascht. Mir war es nicht möglich, vor Weihnachten zu reagieren.“

Jetzt soll aber vieles besser werden. In einem gemeinsamen Antrag fordern CSU, FW, SPD sowie die Grünen, Alternativen und mögliche Ergänzungen zu prüfen, um das Bussystem besser zu gestalten. Gedacht ist unter anderem an Anrufsammeltaxis, einen Rufbus oder einen Bürgerbus mit ehrenamtlicher Komponente. „Das soll jetzt kein Trostpreis sein, um Kritik wegzubringen“, so Mittermeier. Aber: Mit einem starren Fahrplan und einer starren Linienführung ließen sich nicht alle durchaus sinnvollen Mobilitätsbedürfnisse zu vertretbaren Kosten umsetzen. Gerade für ältere, zum Teil gehbehinderte, Bürger könnte mit alternativen Ansätzen ein durchaus attraktives Angebot zur Verfügung gestellt werden. Erste Ergebnisse soll die Verwaltung im Herbst vorstellen. Auch die langfristige Finanzierung der Segmüller-Linie soll Thema sein. Zudem solle die Gemeinde eine eigene „Fahrgastbefragung“ durchführen, um nicht vom MVV abhängig zu sein. Die Verwaltung soll baldmöglichst „Praktikanten oder Lehrlinge in die Busse setzen, damit wir eigene Zahlen erheben“, so Niebler. Umgesetzt werden soll dies jedoch „nicht nur an einem Tag oder in den Schulferien“.

Es geht damit auch um ein grundsätzliches Problem. Kritisiert wird nämlich, dass die Busse nicht genug angenommen würden. „Wenn ich den Bussen begegne, sind die weitgehend leer“, so Niebler. „Wir karren nicht die halbe Bevölkerung durch die Gegend.“ Will meinte, man frage sich schon nach dem Sinn, „wenn der Bus durch die engen Wege fährt und niemand sitzt drin“. Auch Bürgermeister Reitsberger räumte ein, es könnte der Eindruck entstehen, dass „warme Luft in Vaterstetten rumfährt“. Wenn die Gemeinde schon ein solches Bussystem habe, dann hätten die Bürger auch die Pflicht, das zu nutzen. Das ging Niebler dann doch zu weit: „Jeder soll frei entscheiden.“

Robert Langer

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