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Vergessener Widerstand: Viele haben "nein" gesagt

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Zur Ausstellungseröffnung „Widerstand in München, Markt Schwaben und Umgebung“ kamen ungewöhnlich viele Gäste ins Rathaus Poing. Fotos: dul
Zur Ausstellungseröffnung „Widerstand in München, Markt Schwaben und Umgebung“ kamen ungewöhnlich viele Gäste ins Rathaus Poing. Fotos: dul

Poing - Sie riskierten nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das ihrer Angehörigen. Einfache Leute, die während der Nazizeit Juden unterstützten. Im Rathaus Poing wurde eine ganz besondere Ausstellung eröffnet, die ein weiteres Kapitel vom „vergessenen Widerstand“ schreibt.

Es geht um „Widerstand in München, Markt Schwaben und Umgebung“. „Es ist eine Kooperationsausstellung der ‚Weiße Rose Stiftung‘ München zusammen mit dem Arbeitskreis ‚Politik und Zeitgeschichte‘ des Franz Marc Gymnasiums Markt Schwaben“, klärte in seiner kurzen Begrüßung Bürgermeister Albert Hingerl knapp 100 Gäste auf.

Zu sehen sind im Poinger Rathaus sechs Tafeln, gestaltet von Schülern des Gymnasiums, 47 von der „Weiße Rose Stiftung“ und zwei reproduzierte Gemälde von Joseph Loher, der zuletzt in Frotzhofen bei Anzing lebte. Die Ausstellung konzentriert sich einerseits auf den Widerstand Münchner Studenten gegen Hitler in den Jahren 1942 und 1943, der unter anderem dem Geschwisterpaar Sophie und Hans Scholl das Leben kostete.

Zum anderen Teil untersuchte die Arbeitsgruppe vom Gymnasium nach in der Öffentlichkeit weniger bekannte und eher „heimliche“ Widerstandskämpfer, die unter anderem Juden in ihren Häusern versteckten und so vor dem sicheren Tod im Konzentrationslager retteten.

Rund ein Dutzend Schüler einer neuen G8-Klasse hatten sich im Rahmen des wissenschaftlichen Seminars darum bemüht, Zeitzeugen oder deren Angehörige aus dem nördlichen Landkreis ausfindig zu machen und zu befragen.

Dies geschah nicht nur im Vorfeld bei den Recherchen, sondern auch direkt im Rahmen der Ausstellungseröffnung.

„Es hat damals erstaunlich viele Menschen gegeben, die mutig ‚nein‘ gesagt haben“, betonte Mayer.

Anwesend waren neben Hildegard Kronawitter von der „Weiße Rose Stiftung“ auch Heidemarie Braun, die Tochter vom Major Alois Braun, der aktiv an der „Freiheitsaktion Bayern“ beteiligt war. „Mein Vater war ein Held, er hat Rückgrat gezeigt“, erklärte seine Tochter, „er hat Hitler durchschaut und gewusst, dass er Deutschland ins Chaos stürzen wird“.

Der Familie habe er nichts erzählt, es sei viel zu gefährlich gewesen. Martin Loher aus Frotzhofen wurde als Sohn des Malers Joseph Loher befragt. Nach einem politischen Streit zwischen den Brüdern Eugen und Joseph Loher auf einer Skihütte an Silvester 1937 wird der Künstler von einem Freund denunziert.

Seine vom Hitlerregime als „entartete Kunst“ eingestuften Werke wurden verboten, nur die Schwangerschaft seiner Ehefrau Gretel Loher-Schmeck bewahrten das Ehepaar vor dem Gefängnis. „Ich habe durch die Schüler viel erfahren was ich noch gar nicht wusste“, sagte Martin Loher dankend.

dul

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