1. Startseite
  2. Lokales
  3. Ebersberg

Verkehr: Die Revolution muss in die Köpfe

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null

Vaterstetten - Autos werden auch in Zukunft noch Autos sein!“ So lautete das Fazit, das Hans-Georg Herzog nach seinem Vortrag über Elektroautos im Vaterstettener Rathaus zog.

Der Arbeitskreis „Energiewende“ hatte den Chef des Fachgebiets Energiewandlungstechnik an der Technischen Universität München (TU) nach Vaterstetten eingeladen, wo der Referent bei 80, fast ausschließlich männlichen Zuhörern auf reges Interesse stieß.

Gleich zu Beginn rechnete er vor: „Ein konventionelles Oberklasse-Fahrzeug hat einen Nutzungsgrad von etwa sieben Prozent.“ Die restlichen 93 Prozent Energie gingen in Motor, Getriebe und durch die Räder verloren. Bedenklich sei dies auch angesichts der begrenzten Verfügbarkeit von Primärenergieträgern. Gleichzeitig aber steige der Individualverkehr an: „2015 werden 69 Prozent der Weltbevölkerung in Ballungszentren und Megastädten leben.“, prognostizierte er. „Und aktuell sind über die Hälfte der in Deutschland zugelassenen Fahrzeuge Klein- und Kompaktwagen.“ Da sei es doch ein Widerspruch, dass die bisher vorgestellten Prototypen an Elektroautos fast ausschließlich im Sportwagensegment angesiedelt seien, zu Preisen ab 150 000 US-Dollar aufwärts.

„Ich würde sagen: Haarscharf am Markt vorbei!“, kommentierte der Professor und erntete damit spontanen Applaus. Zudem sei ein batterieelektrischer Antrieb mitnichten emissionsfrei. „Und man muss auch sehen, wo die Energie herkommt.“ So gäbe es bei Atomenergie zwar kein CO2, „aber dafür jede Menge anderer Probleme.“

Herzog hat sich mit 50 weiteren Wissenschaftlern im Projekt „Mute“ zusammengeschlossen und mit ihnen gemeinsam ein Fahrzeugkonzept entwickelt: „Unsere Anforderung: zwei Sitze, da statistisch in jedem Auto nur 1,4 Personen sitzen, hundert Kilometer Reichweite, im Kofferraum genug Platz für den sprichwörtlichen Kasten Bier und eine Maximalgeschwindigkeit von 120 km/h, denn die ist im Stadtverkehr absolut ausreichend.“ Gedanken macht sich Herzog auch über die Herstellungskosten: „Je höher die produzierte Stückzahl, desto niedriger der Preis. Da hat es doch keinen Sinn, dass jeder Autobauer ein eigenes Konzept verfolgt.“

Er empfiehlt ein gemeinsames Chassis als Plattform für alle Hersteller, mit gleichem Rahmen, elektronischem Antriebsstrang und Kabelbaum. Bei Karosserie, Design und Innenausstattung hätten die Hersteller immer noch genügend Möglichkeiten, ihre Alleinstellungsmerkmale zu verfolgen. „Für diesen Vorschlag hat die Autoindustrie mich pseudonaiv genannt.“, schmunzelte Herzog und berichtete, dass China hier bereits deutlich voraus sei. „Wir brauchen neue, integrierte Konzepte zur Mobilität! Die Revolution muss nicht bei der Autoentwicklung stattfinden, sondern in unseren Köpfen.“

Von Susanne Edelmann

Auch interessant

Kommentare