Hilft, die durch die Verletzung von Gert Acker entstandene Lücke kurzfristig zu schließen: Joe Wieser. Foto: sro

Für verletzten EHC-Kapitän: Joe Wieser greift wieder ein

Grafing - Nach der schweren Verletzung von Gert Acker haben die Verantwortlichen des EHC Klosterseer die Telefondrähte glühen lassen. Und sie wurden bei der Suche nach Verstärkungen fündig. Zwei bekannte Gesichter werden bereits heute im Spiel gegen Selb zu sehen sein.

Hektische Betriebsamkeit statt vorweihnachtlicher Besinnung herrschte in den vergangenen Tagen bei den Verantwortlichen des EHC Klostersee. Nicht nur, weil der Spielbetrieb in der Oberliga Süd praktisch ohne Unterbrechung weiterläuft. Der Ausfall von Kapitän Gert Acker zwang zum Handeln. Zudem versuchte EHC-Chef Alexander Stolberg dieser Tage, in einem öffentlichen Aufruf der aufkommenden Negativ-Stimmung gegen Füssens jungen Verteidiger Kilian Keller (18 Jahre) entgegen zu wirken (EZ berichtete).

Da Acker nach dem Check des Youngsters längere Zeit ausfällt, hat sich Stolberg auf die Suche nach kurzfristigem Ersatz gemacht. Und er wurde fündig, wenngleich man nicht unbedingt bei einem 17-jährigen Talent nicht von einer Verstärkung sprechen sollte. Nachwuchsstürmer Lukas Laub wird dem EHC für vier Spiele zur Verfügung stehen.

Aus dem Rosenheimer Nachwuchs wechselte der junge Angreifer vor zweieinhalb Jahren nach Grafing und war in der Bundesliga-Jugend von Coach Jimmy Quinlan einer der Aktivposten. Nach einer Saison im EHC-Nachwuchs schloss sich Laub den Mannheimer Jungadlern an, die ihn jetzt für ein Gastspiel bei den Klosterseern freigeben. Schon am heutigen Freitag im Heimspiel ab 20 Uhr gegen die Selber Wölfe mit Ex-Klosterseer Jared Mudryk, der an der Spitze der Scorerliste seinen beiden Nachfolgern Patrick White und Ryan Guentzel dicht auf den Fersen ist, wird er dabei sein.

Und nach Lage der Dinge auch voll zum Einsatz kommen, denn die personelle Situation hat sich in den vergangenen Tagen noch einmal verschärft. Neben Acker (Saisonende) und Valentin Scharpf (fehlt noch etwa zwei Wochen) fällt auch Marvin Kablau wegen einer Schulterverletzung aus. Dazu kommen ein paar Angeschlagene, von denen der eine oder andere eventuell auch passen muss. „Vielleicht werde ich Verteidiger als Stürmer spielen lassen müssen“, ist Trainer Doug Irwin froh, wenn er überhaupt drei Blöcke aufbieten kann - und stellt sich schon mal auf ein internes Durchmischen ein. „Wir werden defensiv sehr gut stehen müssen und vorne eben eines mehr schießen.“ Helfen soll dabei ein alter Hase: Johannes Wieser. In einer Blitzaktion wurde das Grafinger Urgestein reaktiviert.

Die Oberfranken dürften heute eine harte Nuss sein. Acht der letzten neun Pflichtspiele haben Mudryk & Co. gewonnen. Die letzte Niederlage gab’s Anfang Dezember mit 4:7 - gegen Grafing.

Wenngleich der Frust noch tief sitzt, Irwin kann nicht verstehen, dass die Strafe für das heftige Foul an Acker nur „einmal aussetzen“ ist. „In Nordamerika wird da hart durchgegriffen.“ Ein Vier-Augen-Gespräch mit dem gegen Füssen anwesenden Schiedsrichterbeobachter Franz-Josef Trainer („ich schätze ihn und respektiere seine Meinung“) hat die Wogen geglättet.

Allerdings nur, was die unglückselige Situation aus der siebten Minute mit all ihren Folgen für Acker angeht. Die weiteren Fehlleistungen des Unparteiischen mit auf der einen Seite gegebenen und auf der anderen Seite nicht geahndeten Vergehen und vor allem ein nicht gegebenes Tor sind auf Video festgehalten und nicht wegzudiskutieren. „Eindeutig ein regulärer Treffer, womit wir 2:0 geführt hätten und wohl durch gewesen wären“, ärgerte sich Irwin gestern noch immer. (ele)

Joe Wieser im Interview

Für ihn selber kam die Anfrage von EHC-Vorsitzendem Alexander Stolberg am überraschendsten. Lange überlegen musste Johannes „Joe“ Wieser indessen nicht. Nach kurzer Bedenkzeit sagte der 32-Jährige zu, dem EHC Klostersee nach der schweren Verletzung von Gert Acker zu helfen. Die EZ sprach mit dem Grafinger „Oldie“.

Joe Wieser zurück auf dem Grafinger Eis! Wie kommt’s?

Ich hab’ immer gesagt, dass ich zur Verfügung stehe, wenn Not am Mann ist. Mein Spielerpass ist ja noch hier.

Trauen Sie sich die Oberliga noch zu?

Naja, das wird man sehen. Es ist schon zweieinhalb Jahre her, dass ich im Einsatz war.

Außer den Spielen in der AH. . .

Stimmt, und das Niveau dort ist super. Kein Wunder, wenn man auf die Namen schaut, die dort noch spielen: Sauter, Saller, Hochhäuser...

Wie steht’s mit dem alten Kampfgewicht?

Das habe ich gehalten. 90 Kilo, vielleicht ein bisschen mehr.

Die Kondition stimmt?

Die Kraft ist da, wie’s mit der Schnelligkeit aussieht, da muss man abwarten. Es wird wirklich sehr schwer . Wie gut die Liga ist, kann ich nicht sagen. Zuschauen und spielen sind zwei paar Stiefel. Die Umstellung dürfte jedenfalls brutal hart für mich werden.

Sie haben ihre Karriere beruflich bedingt beendet. Spielt das jetzt keine Rolle?

Doch, doch. Das haben wir in der Firma abgesprochen. Und ich werde dafür auch Zugeständnisse machen müssen. Also vielleicht einmal später zum Training kommen, oder so. Das ist alles Planungssache.

Schon mit der Mannschaft trainiert?

Nein (lacht), das holen wir am Freitagabend nach. Dann werde ich auch sehen, wie mich Doug (Coach Doug Irwin – Anm.d. Red.) einzusetzen gedenkt. Aber die Spieler kenne ich ja. Mit Andreas Paderhuber habe ich ja in Bad Aibling noch zusammen gespielt.

Nervös wie vor dem allerersten Punktspiel?

Überhaupt nicht, ich bin mit den Gedanken woanders: Firma, Weihnachten, Familie und so. Vielleicht kommt das ja noch.

Wie lange soll das Comeback dauern?

So lange sie mich brauchen können. Wenn der Trainer sagt, es macht keinen Sinn, oder wir sind wieder komplett, bin ich wieder weg. Ich will keinem Jungen den Platz wegnehmen. Am liebsten wäre mir, das mit Gert Acker wäre nicht passiert und ich müsste gar nicht spielen. Ihn kann ich nie ersetzen.

Gespräch: Wolfgang Herfort

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Café-Station“ heißt jetzt „Zum Andal“: Neuer Name, mehr Konzerte, viel Fußball
Die „Café-Station“ in Poing heißt jetzt „Zum Andal“. Der Wirt ist der gleiche: Andreas Otten. Das Konzept aber ist neu. 
„Café-Station“ heißt jetzt „Zum Andal“: Neuer Name, mehr Konzerte, viel Fußball
Fahrrad-Seriendieb gefasst - dank Ebay
Ein paar Stunden, nachdem er ein Fahrrad am Poinger S-Bahnhof gestohlen hatte, konnte die Polizei den Dieb festnehmen. Dank Ebay. Bei ihm wurde weiteres Diebesgut …
Fahrrad-Seriendieb gefasst - dank Ebay
Vaterstettenerin überrascht Einbrecher auf ihrer Terrasse
Eine Vaterstettenerin hat einen Einbrecher überrascht, der gerade in ihr Haus einsteigen wollte. Der etwa 35-jährige Mann floh.
Vaterstettenerin überrascht Einbrecher auf ihrer Terrasse
Angelbrechtinger klagen über A 94-Lärm
Der Ausbau der A 94 bringt jetzt auch Anlieger aus der Gemeinde Poing auf die Palme. Bürger aus Angelbrechting beklagen Lärmbelästigung.
Angelbrechtinger klagen über A 94-Lärm

Kommentare