Das Geschäft ist gemacht: Dorothea Anzinger, Stefan Götz und Hubert Röhrl (v.l.) beim „finalen“ Handschlag. Foto: Oswald

Verrückt: Aus Büroklammer wird Küchenherd

Zorneding - Das hätte sich diese blau-weiße Büroklammer auch nicht gedacht, dass sie einmal etwas wirklich Gutes bewirken könnte. Ihr ist es zu verdanken, dass ein Kinderheim am Hasenbergl zu seiner neuen Küchenausstattung nun auch einen hochwertigen Herd bekommt. Die ganze Geschichte:

Ende November 2010 hatten Dorothea Anzinger und Stefan Götz den blauweißen Tauschmarathon ins Leben gerufen. Die Vaterstettenerin und ihr Geschäftspartner vom Ammersee gehen in ihrem Berufsleben gerne einmal unkonventionelle Wege; sie als kabarettistische „Lästerschwester“, er als Coach für neue Denkweisen bei Führungskräften. Gemeinsam arbeiten sie auch als so genannte Improvisations-Trainer.

Die beiden wussten von einem Kanadier, der Außergewöhnliches tat: 2005 bot er im Internet eine rote Büroklammer zum Tausch gegen etwas, was wenigstens ein bisschen wertvoller sein sollte. Sein Ziel: Durch dieses Handelssystem zu einem eigenen Haus und Grundstück kommen - ohne finanziellen Aufwand. Und nach nur 14 Deals war er tatsächlich Grund- und Bodenbesitzer.

Am Nikolaustag letzten Jahres postierten sich die beiden Initiatoren erstmals in der Münchner Innenstadt: Sie mit Nikolausmütze, er mit aussagekräftigem Firmenlogo („fresh-ideas-tv“) auf der blau-weißen Jacke. „Hallo, entschuldigen Sie, haben Sie Interesse an dieser Büroklammer?“. Anstatt, dass man sie für verrückt erklärte, kamen Anzinger und Götz ins Gespräch und ins Geschäft. Eine Passantin vom Schliersee gab ihren Eyeliner heraus. Ein paar Ansprachen später zeigte sich eine Familie aus Italien spendabel. Das jüngste (7 Jahre) der drei Kinder aus Viacenza bot seine Kinderhandschuhe an. Die wiederum tauschte eine Standlfrau vom Marienplatz gegen ein Scherenschnitt-Wall-Tatoo von Michael Jackson. Und so unglaublich steigerte sich die ungewöhnliche Aktion immer weiter. Bei all den Angesprochenen kam immerhin eine Trefferquote von knapp 50 Prozent heraus. So viele wollten etwas geben, aber nicht alle hatten wirklich Brauchbares dabei.

Insgesamt verbrachten die Initiatoren, die von Anzingers Gatten Hermann begleitet wurden, bis zum finalen Erfolg vier mal drei Stunden im Kundenkontakt. Der zeitliche Aufwand war nicht so sehr der Überredungskünste geschuldet, sondern mehr der gezielten Suche und Auswahl potentieller Tauschpartner: „Unsere Taktik: Jemand, der beim ersten Blickkontakt nicht gleich wegsieht, der ist begehungsfähig, seine Offenheit spürbar“, so Stefan Götz über die Vorgehensweise.

Mit dem Jacko-Scherenschnitt gings weiter zum „Bayerischen Hof“. Dort zeigte sich ein Besucher aus Detroit von der Idee begeistert, der dafür einen gut gefüllten Nikolausstrumpf aus der Hand gab. Der fand seine Abnehmerin bei einem Feinkostladen in den „Fünf Höfen“, im Tausch gegen eine Gourmettüte mit Prosecco, Panetone und einem bunten Puzzle. Und lukullisch ging es bis zur Weihnachtspause weiter. Eine Frau aus Zorneding bot sich an, ein hochwertiges Candle-Light-Dinner in ihrem Haus zu organisieren, mit allem drum und dran inklusive vier Latte-Macchiato-Gläsern. Dies hatte etwa einen Wert von gut 300 Euro.

Am ersten Tag der Rückrunde ging es dann ins Umland - Vaterstetten und Zorneding. Bis Ende Januar sollte der Ofen übergeben werden - ob das zu schaffen wäre? Nichts leichter als das, dachte sich das Trio und marschierte - begleitet von unserem Mitarbeiter - schnurstracks zu „Elektro Röhrl“ nach Zorneding. Geschäftsinhaber Hubert Röhrl zeigte sich zunächst ein wenig skeptisch. Die Idee fand er freilich toll, aber das Dinner . . . na ja.

Da kam ein Telefonat mit dem Herausgeber einer lokalen Zeitschrift gerade zur rechten Zeit. Der fand ein festliches Abendessen nämlich gar nicht so uninteressant. Dafür schlug er ein Anzeigengeschäft vor - für Hubert Röhrl und sein Eletrogeschäft. Der „Deal“ war perfekt! Und so dürfen sich die Kinder über warme Speisen freuen - wegen einer verrückten, aber guten Idee . . .

Von Oliver Oswald

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