Versuchter Totschlag: Ebersbergerin muss ins Gefängnis

Ebersberg - In ihrem letzten Wort war die 68-jährige Angeklagte aus Ebersberg tief deprimiert: Sie sehe das Unrecht ein; es tue ihr leid. Und: „Ich möchte so gerne meinen Mann wiedersehen.“ Doch daraus wird so schnell nichts.

Lesen Sie dazu:

Wollte Ehemann doch sterben?

Die Ebersbergerin muss für drei Jahre und drei Monate ins Gefängnis, weil sie sich und ihren 69-jährigen Ehemann im Juni 2010 töten wollte. Sie fürchtete wegen einer Augenerkrankung zu erblinden, wollte ihren demenzkranken Mann aber nicht in fremde Pflege geben. Das Landgericht München II wertete die Tat am Mittwoch versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung.

Ursprünglich lautete die Anklage auf versuchten Mord. „Das ist kein Fall von Sterbehilfe“, betonte der Vorsitzende Richter Ralph Alt. Es habe sich nicht um einen Menschen gehandelt, der an Maschinen hing, sondern um einen Menschen, dessen Pflege lästig war - „der aber gleichwohl wie andere Menschen, die geistig beschränkt sind, Freuden und Leiden im Leben fühlt“. Das Gericht rechnete der Ebersbergerin ihre Lage aber strafmildernd an. Denn aus ihrer Sicht sei die Pflegesituation „ausweglos“ gewesen.

Die 68-Jährige war durch die Pflege der Schwiegermutter bereits depressiv geworden und musste in der Psychiatrie behandelt werden. Der Lebensmut verließ sie ein zweites Mal nach einer Augenoperation im Mai 2010. Sie fürchtete, blind zu werden und sich nicht mehr um ihren Mann kümmern zu können. Sie gab ihn in Kurzzeitpflege und ließ sich erneut psychiatrisch behandeln. Danach holte sie ihren Mann gegen den Rat der Ärzte wieder heim. Vor der Tat sprach sie mit ihm und gewann dabei den sicheren Eindruck, dass er zusammen mit ihr sterben wollte. Deshalb gab sie ihm Schlaftabletten. Als der 69-Jährige tief schlief, schnitt sie ihm die Pulsadern auf. Auch sie selbst schluckte Pillen und ritzte sich. Die Tochter (43) entdeckte die Eltern rechtzeitig und rief Hilfe.

Der Staatsanwalt hatte viereinhalb, der Verteidiger zwei Jahre Haft für die Ebersbergerin gefordert.

Von Nina Gut

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Café-Station“ heißt jetzt „Zum Andal“: Neuer Name, mehr Konzerte, viel Fußball
Die „Café-Station“ in Poing heißt jetzt „Zum Andal“. Der Wirt ist der gleiche: Andreas Otten. Das Konzept aber ist neu. 
„Café-Station“ heißt jetzt „Zum Andal“: Neuer Name, mehr Konzerte, viel Fußball
Fahrrad-Seriendieb gefasst - dank Ebay
Ein paar Stunden, nachdem er ein Fahrrad am Poinger S-Bahnhof gestohlen hatte, konnte die Polizei den Dieb festnehmen. Dank Ebay. Bei ihm wurde weiteres Diebesgut …
Fahrrad-Seriendieb gefasst - dank Ebay
Vaterstettenerin überrascht Einbrecher auf ihrer Terrasse
Eine Vaterstettenerin hat einen Einbrecher überrascht, der gerade in ihr Haus einsteigen wollte. Der etwa 35-jährige Mann floh.
Vaterstettenerin überrascht Einbrecher auf ihrer Terrasse
Angelbrechtinger klagen über A 94-Lärm
Der Ausbau der A 94 bringt jetzt auch Anlieger aus der Gemeinde Poing auf die Palme. Bürger aus Angelbrechting beklagen Lärmbelästigung.
Angelbrechtinger klagen über A 94-Lärm

Kommentare