Holzbauer Matthias
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Matthias Holzbauer, Feuerwehrseelsorger, hier in der Vor-Corona-Zeit bei der Weihe eines neuen Fahrzeugs.

Kameradschaft kann nicht gepflegt werden

Verwaiste Stüberl: Feuerwehr im Lockdown-Modus

  • Robert Langer
    vonRobert Langer
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Kameradschaft steht bei der Feuerwehr hoch im Kurs. Sie ist für die Moral in der Truppe wichtig und muss gepflegt werden. Doch in der Pandemie geht das nicht. Die Feuerwehren leiden unter dem Lockdown.

Landkreis - „Kameradschaft ist etwas, das wachsen muss“, sagt Matthias Holzbauer von der Kreisbrandinspektion. Das geht nur auf persönlicher Ebene. Die Corona-Einschränkungen „haben für uns erhebliche Konsequenzen“, sagt der Glonner, der als Feuerwehr-Seelsorger arbeitet. „Nach einem schweren Einsatz ist die Nachbesprechung ganz wichtig.“ Was man erlebt habe, müsse man aufarbeiten. Das sei aber wegen Corona derzeit schwierig.

Nachbesprechung nach belastenden Einsätzen wichtig

So sieht es auch Stefan Klotz, Kommandant der Feuerwehr in Eglharing. Beispielsweise nach einem Einsatz bei einem schweren Verkehrsunfall brauche man eine Nachbesprechung, müsse man sich zusammensetzen. „Aber wir müssen uns an die Regel halten, hilft ja nichts.“ Der Betrieb müsse auch in der Pandemie aufrechterhalten werden: Fahrzeuge waschen, Reparaturen. „Die Leute können sich aufeinander verlassen.“ Der Zusammenhalt sei notwendig für die Sicherheit im Einsatz. „Noch geht es irgendwie“, sagt Klotz

Feuerwehr kann keine Mitglieder werben

Für Thilo Hasenöhrl, stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Vaterstetten, kommen mit den Corona-Einschränkungen noch weitere Punkte dazu. Tragisch sei, „dass wir derzeit keine Mitgliederwerbung machen können“. Es gebe durchaus Interessenten für die Wehr. „Aber die muss man derzeit vertrösten.“ In Vaterstetten habe man versucht, Übungen virtuell, also über das Internet, zu machen. Aber: „Das ist ein riesiger Aufwand und es geht nur Theorie.“

Die Treffen im Stüberl seien gerade für die Mitglieder wichtig, die nicht so aktiv sind, die nicht ständig bei Einsätzen dabei sind. Diese Leute „brechen uns weg“, wenn es keine Treffen mehr gebe. „Ich bin gespannt, ob wir die alle wieder abholen können“, sagt Hasenöhrl.

„Wir haben alles untersagt“, meint Georg Schlechte., Kommandant der Feuerwehr Grafing. „Verboten will ich nicht sagen.“ Die Kameraden versuchten, über das Internet in Kontakt zu bleiben. Bei den Einsätzen „sind viele da, alle wollen raus“. Er gebe aber auch Kameraden, die sich zurückziehen. Nach dem Einsatz gebe es das Bedürfnis, noch kurz miteinander zu reden. „Aber mit Abstand. Darauf hinzuweisen, gehört zu meinen Aufgaben“, erklärt Schlechte. „Jeder sucht Kontakt. Gemeinschaft geht jedem ab. Es menschelt.“

Was bleibt, ist die Hoffnung. „Irgendwann ist jede Pandemie vorbei“, sagt Eglhartings Kommandant Klotz. Bis dahin gibt es wohl weitere Einsätze, aber keine Treffen danach im Stüberl.

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