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Verwirrspiel ums Geld

Markt Schwaben - Mustafa L. (alle Namen geändert), hatte versucht, diese Sache einer Bankangestellten in die Schuhe zu schieben. Nun saß er wegen falscher Verdächtigung vor dem Ebersberger Amtsgericht.

Was sich hier vor Richterin Susanne Strubl abspielte, war ein Verwirrspiel bestehend aus Bankkarten, technischen Möglichkeiten und Aussagen, die einfach nicht auf den Punkt kamen.

Das warf die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten vor: Am 1. April soll der gebürtige Libanese in einer Bankfiliale in Markt Schwaben 700 Euro mit seiner neuen EC-Karte abgehoben haben. Am 15. April zeigte er dann die Bankangestellte Johanna W. bei der Polizei in Poing an, weil diese angeblich 700 Euro von seinem Konto genommen habe, obwohl er wusste, dass das nicht der Wahrheit entsprach. Dafür erhielt Mustafa L. einen Strafbefehl mit 60 Tagessätzen à 20 Euro, gegen den er Einspruch einlegte.

Johanna W. erklärte vor Gericht, sie habe Mustafa L. Mitte März 2010 kennengelernt, weil er eine Kreditkarte wollte. Nach einer Überprüfung im entsprechenden Computerprogramm sei diese aber nicht gewährt worden. „Dann hat er eine EC-Karte beantragt“, so die Angestellte. Diese habe Mustafa L. auch bekommen.

„Er hatte bis dahin nur eine Service-Karte für sein Giro-Konto, mit der er nur bei uns in der Bank Geld abheben konnte. Mit der EC-Karte kann er das auch an anderen Automaten“, sagte Johanna W. Am 1. April habe der 47-Jährige zunächst 50 Euro am Schalter abgehoben, weil der Automat defekt gewesen sei. Gerade als er habe gehen wollen, sei ihm eingefallen, dass er mehr Geld brauche. Deshalb habe er 700 Euro zusätzlich abgehoben. „In der darauffolgenden Woche kam seine Frau und hat einen Mordsaufstand in der Bank gemacht, weil die 700 Euro fehlten“, berichtete Johanna W. „Mir wurde das nur erzählt, weil ich Urlaub hatte.“ Der Vorgang sei überprüft, Belege herausgesucht worden.

Diese Daten lagen auch dem Gericht vor. Was nun folgte war eine ausgiebige Diskussion darüber, was mit der Service-Karte des Angeklagten geschehen sei, nachdem er die EC-Karte erhalten hatte. Während die Zeugin versicherte, sie zerschneide Karten, die zu löschen seien, immer vor den Augen der Kunden, ließ der Angeklagte über seinen Dolmetscher mitteilen, Johanna W. habe die Karte unzerschnitten in die dafür vorgesehene Box geschmissen.

Im Laufe der Verhandlung gab er dann aber an, die Bankangestellte habe die Schere an die Karte gehalten. Er habe jedoch nicht gesehen, dass sie diese zerschnitt.

Nach drei Stunden Verhandlung beschränkte der Verteidiger schließlich den Einspruch auf die Tagessatzhöhe. Strubl verurteilte Mustafa L. zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 13 Euro. bee

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