Dieses Bild stammt aus dem Jahr 2015. Erneut hieß es in Glonn „Land unter“. Dennoch tut sich beim Thema Hochwasserschutz wenig bis nichts.
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Dieses Bild stammt aus dem Jahr 2015. Erneut hieß es in Glonn „Land unter“. Dennoch tut sich beim Thema Hochwasserschutz wenig bis nichts.

Auch verheerende Erfahrungen führen nicht zu raschen Lösungen

Hochwasserschutz im Landkreis Ebersberg: Viel Gerede um fast nichts

  • VonJörg Domke
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  • Robert Langer
    Robert Langer
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Die Bilder der Wasserfluten in Berchtesgaden, in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz lassen Erinnerungen aufkommen an das verheerende Hochwasser im Landkreis in Glonn und Moosach im Jahr 2002. Die Kritik: Es ist seitdem vielerorts zu wenig oder gar nichts passiert.

Landkreis - In Glonn wurde seit der Katastrophe 2002 viel über Hochwasserschutz geredet und geplant. Die großen Projekte im Süden der Kommune sind aber noch immer nicht umgesetzt. Im Protokoll der Sitzung des Marktgemeinderates vom 1. Oktober 2019 heißt es, es sei deutlich geworden, dass es keine Lösung gebe, die eindeutig die geringste negative Auswirkung auf das Landschaftsbild und den Naturraum habe. In der Debatte stand vor allem ein höherer Damm.

„Mit zwei Ziegelsteinen kann man nicht 500 000 Kubikmeter Wasser zurückhalten“, sagt Glonns Bürgermeister Josef Oswald (CSU). Angestrebt werde eine „einvernehmliche Lösung“ mit den Grundstückseigentümern. Bereits 2003, also eine Jahr nach der Flut, hatte der damalige Glonner Bürgermeister Martin Esterl in Bezug auf Planungen zu Wasserrückhaltebecken erklärt: „Das geht nur in Zusammenarbeit mit den Landwirten.“ Sein Nachfolger Oswald sagt heute: Mit einem Planfeststellungsverfahren, durch das eine Lösung festgelegt werden könnte, „wird es keine friedliche Lösung geben“. Es gebe aber Gespräche mit Eigentümern. Gleichzeitig betont der Bürgermeister, man habe in Bezug auf den Kanal bereits einiges gemacht.

Kritik an Unterer Naturschutzbehörde - doch die schießt zurück

Kritik gibt es im Zusammenhang mit dem Hochwasserschutz auch an der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) im Landratsamt und deren Vorbehalte zu verschiedenen vorgeschlagenen Lösungen. „Uns die Schuld zuzuweisen, wäre unfair“, sagt Max Finster (UNB). Es gebe für Glonn ein ganzes Maßnahmenpaket mit einer Reihe von einzelnen möglichen Projekten. Viele davon hätte man bereits umsetzen können, so Finster. „Warum das nicht geschehen ist, weiß ich nicht.“ Für viele der einzelnen Vorschläge hätte es aus Sicht der UNB Zustimmung gegeben. In anderen Bereichen seien Maßnahmen beispielsweise wegen des geschützten Löffelkrauts nicht möglich gewesen. „Da gibt es klare Regelungen nach Europarecht“.

Um weitere Erdrutsche zu verhindern, wurden 2002 in in Glonn Hänge mit Planen abgedeckt.

Auch in Markt Schwaben hat es nach Starkregen und Überschwemmungen um die Jahrtausendwende eine ganze Weile gedauert, bis erste Schutzmaßnahmen tatsächlich umgesetzt wurden. Dabei hieß es nach Einschätzung von Gutachtern immer, dass zum Schutz der Hennigbach-Anrainer in der Marktgemeinde Einzelmaßnahmen nicht ausreichen würden.

Markt Schwaben: Rückhaltefunktion des Postangers ausgebaut

Als sehr wirkungsvoll, weil relativ schnell umgesetzt, hatte sich die Umgestaltung und Renaturierung des zentrumsnahen Postangers erwiesen, dessen Rückhaltefunktion deutlich ausgebaut wurde. An anderen Bereichen wird dagegen noch gearbeitet. Im Rahmen eines inzwischen vorliegenden Hochwasserschutzkonzeptes für Markt Schwaben wurde u.a. eine Untersuchung des Zustands der Ufermauern und -verbauungen des Hennigbachs im Bereich zwischen dem Postanger und der Brücke Heilmaierstraße veranlasst. Für die geplante Maßnahme wurde ein Planfeststellungsverfahren durchgeführt und abgeschlossen. Zurzeit laufen noch Prüfungen, ob Ausschreibungen auch beschränkt erfolgen dürfen.

Auch Markt Schwaben war vom Hochwasser 2002 böse erwischt worden. Dieses Foto zeit den Hennigbach.

Eine zweite Hürde: Um ins Bachbett eingreifen zu können, so der kommissarische Bauamtsleiter Walter Rohwer, müsse man auch privaten Grund betreten. Das alles erfordere entsprechende und teils auch zeitraubende Vorgespräche. Ein Grundstück hat der Markt sogar selber schon erworben.

Den größten Effekt erhoffen sich die Experten im Einbergfeld, das sich größtenteils auf Anzinger Flur befindet. Der Markt plant hier einen Erddamm südlich der Bahnlinie München - Simbach und östlich der Flughafentangente. Dadurch wird ein Hochwasserrückhaltebecken mit einem Fassungsvolumen von ca. 223 270 m³ entstehen. Die Rückstaufläche erstreckt sich südlich des Dammes bis in den Gemeindebereich Anzing hinein. In diesem Zuge ist weiterhin vorgesehen, den Hennigbach im Dammbereich dauerhaft ca. 25 m nach Westen zu verlegen. Unumstritten ist die Maßnahme nicht. Erst vor einigen Tagen war das Einbergfeld-Vorhaben Gegenstand von Beratungen im Anzinger Gemeinderat. Betroffene Landwirte haben Sorgen, dass ihre Interessen nicht ausreichend berücksichtigt werden könnten.

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