Zeit zum Nachdenken: Florian Wolf (30) auf dem Weg mit Rucksack und Zelt. Foto: kn

Viele Schritte auf dem Weg der Erkenntnis

Vaterstetten - Es muss nicht immer der Jakobsweg sein, um zusammen mit vielen anderen Suchenden ein spirituelles Wandererlebnis zu haben. Florian Wolf (30) aus Vaterstetten wählte einen anderen Weg, blieb in deutschen Landen und schrieb darüber ein Buch. „Eine Selbsttherapie.“

Schreiben, das war für Wolf schon immer ein Ventil, schon als Kind. „Ich bringe damit Ordnung in meine Gedanken“, erzählt er. Und Schreiben sei eine Möglichkeit gewesen, seine Schüchternheit zu bekämpfen. Offenbar erfolgreich. Heute wirkt der drahtige junge Mann selbstbewusst und gleichzeitig nachdenklich. Jetzt ist sein erstes Buch erschienen. Titel: „Leben ist eine Reise, die heimwärts führt.“

Die Vorgeschichte beginnt mit einem Ausbruch. Wolf studierte Fitnessökonomie an der Berufsakademie. Heißt: Berufsausbildung im Betrieb gleichzeitig mit dem Studium. „Das waren bis zu 60 Stunden pro Woche im Laden des Fitnesscenters, neben dem Studium“, erzählt er. Dann setzte er noch einen Master in Sportmanagement drauf. Die Geschäftsmethoden in einigen Bereichen der Fitnessbranche hätten ihm nicht gefallen, erzählt Wolf. „Wir hatten im Studio eine Kundin, die kam zu mir und sagte ihre Leukämie sei inzwischen soweit fortgeschritten, dass sie nicht mehr trainieren könne.“ Die Reaktion seiner Chefin: Da die Kundin bereits an Leukämie erkrankt gewesen sei, als sie den Vertrag unterschrieb, hätte man keinen Grund, diesen Vertrag jetzt aufzulösen. Später sei dann der Anwalt ins Studio gekommen und habe gesagt, man müsse den Vertrag nicht mehr kündigen, seine Mandantin sei gestorben. „Ich habe mein Studium abgeschlossen und ein Übernahme-Angebot im im Studio ausgeschlagen.“

Dann eine Flucht, um dem drohenden Burnout zu entgehen, wie Wolf selbst sagt. Auszeit, weit weg, Australien. Ein Jahr mit vielen Wanderungen, teilweise einfach treiben lassen, vier Monate arbeiten in Perth, weiter, bis das Geld ausging. „Als ich wegfuhr, war ich ausgebrannt, als ich zurückkehrte, war ich abgebrannt.“

Dann der Weg zurück, zunächst zu den Eltern in den Odenwald. Dort im Bücherschrank fand Wolf einen kleinen Band über Fernwanderwege. Dabei stellte er fest, einer der Wege führt quasi am Haus seiner Eltern vorbei: „E1“, von der Nordsee zum Mittelmeer. „Ich wollte das Leben in Deutschland wieder langsam angehen. Und was ist langsamer als zu Fuß?“ Also einfach den Rucksack gepackt, durch die Türe gegangen und losgewandert. Ziel: Konstanz. Drei Wochen, 500 Kilometer. Auf dem Weg einige Überraschungen. „Das Büchlein war 20 Jahre alt. Da war statt eines Pfades plötzlich ein Autobahn-Zubringer.“ Oder er folgte einer veralteten Markierung die ihn vom eigentlichen Weg abbrachte. Es gab aber auch erfreuliches. So der Besuch auf einem abgelegenen Bauernhof, auf dem er nur seine Wasserflasche auffüllen wollte. Stattdessen wurde er zum Grillabend mit der Familie eingeladen und übernachtete im Heu. „Man hört viele Erzählungen von Menschen, die im Ausland Gastfreundschaft kennengelernt habe. Das gebe es in Deutschland nicht, heißt es. Die Gastfreundschaft gibt es doch.“ Seine Erlebnisse und Gedanken während der Wanderung hat er zu einem Buch verarbeitet.

Inzwischen arbeitet Wolf in einem Reise- und Abenteuer-Ausrüsterhaus in München, Dort hat er auch sein Buch vorgestellt. Mit sehr viel mehr Gästen, als er erwartet hatte. Und er ist nach Vaterstetten gezogen. „Raus aus der Stadt, schneller im Grünen.“ Am Ende seiner Reise in Konstanz hatte er einen anderen Wanderer getroffen, der sich von Darmstadt aus auf dem Weg gemacht hatte. „Wir sind am Ziel“, hatte Wolf gesagt. Doch der andere hatte gerade erst angefangen zu gehen, wollte noch weiter nach Santiago. „Man braucht immer ein Ziel im Leben“, meint Wolf. Seines ist es jetzt, einen Roman zu schreiben.

Von Robert Langer

Auch interessant

Kommentare