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Das sind die vier möglichen Strecken zum Brennertunnel

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Von: Josef Ametsbichler

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Welche wird’s? – Die Grobtrassen (v.li.) Pink, Limone, Rot und Orange, daneben in Grau die Bestandsstrecke. Wo die beiden Neubaugleise durch Tunnel oder über Brücken laufen könnten, sind die Linien gestrichelt bzw. geschwärzt. Nördlich von Grafing-Bahnhof soll eine Taktverdichtung die Nutzung der Bestandsstrecke ermöglichen. Grafik: DB Netze
Welche wird’s? – Die Grobtrassen (v.li.) Pink, Limone, Rot und Orange, daneben in Grau die Bestandsstrecke. Wo die beiden Neubaugleise durch Tunnel oder über Brücken laufen könnten, sind die Linien gestrichelt bzw. geschwärzt. Nördlich von Grafing-Bahnhof soll eine Taktverdichtung die Nutzung der Bestandsstrecke ermöglichen. © DB Netze

Sie heißen Pink, Limone, Rot und Orange und laufen allesamt westlich von Aßling vorbei: Jetzt hat die Bahn vier mit Spannung erwartete Grobtrassen für den Brenner-Nordzulauf im Landkreis Ebersberg vorgestellt.

Landkreis - Auf einer der vier Trassen – Detailplanung steht noch aus – sollen ab Ende der 2030er-Jahre auf zwei Neubau-Gleisen Personenzüge mit an die 200 km/h und bis zu 740 Meter lange Güterzüge durch den Landkreis Ebersberg rollen.

Der Abschnitt ist mit dem Brennerbasistunnel Teil des sogenannten ScanMed-Korridors, einer top ausgebauten Nord-Süd-Gleisachse durch den europäischen Kontinent von Skandinavien bis zum Mittelmeer.

Landschaft westlich von Aßling wird sich dauerhaft verändern

Das bedeutet für die Menschen vor Ort, dass sie sich auf eine Großbaustelle einstellen müssen, die die Landschaft westlich von Aßling dauerhaft verändern wird. Jede der Varianten beinhaltet Pläne für Brücken- und Tunnelbauwerke, wo es die örtlichen Gegebenheiten wegen Steigungen oder Siedlungen erfordern. Das erläuterte die Bahn bei einem Pressegespräch. „Wir verfolgen das Ziel, Eingriffe in die Region zu minimieren“, sagt der Projektleiter der DB für den Brenner-Nordzulauf, Matthias Neumaier. Auf Nachfrage sagt er aber auch: „Wir sind angehalten, wirtschaftliche Trassen zu planen.“

Protestbrief aus der Politik

Noch am Tag der Verkündung der vier Trassenvarianten melden sich Interessenvertreter aus dem Landkreis mit einem Protestbrief zu Wort, darunter Teilnehmer des Dialogforums wie die Vertreter des Bauernverbands, aber auch die Bürgermeister von sieben Anlieger-Gemeinden, der Landrat und die Abgeordneten Thomas Huber (CSU, Landtag), Andreas Lenz (CSU, Bundestag) und Doris Rauscher (SPD, Landtag).

Sie kritisieren in dem Text, keine der vorgestellten Trassenvarianten sei akzeptabel. In der Argumentation folgt das Schreiben einer vorangegangenen Erklärung der Anrainergemeinden – die Unterzeichner lehnen die „Durchschneidung der Landschaft mit einer oberirdischen Neubautrasse“ ab. Die Bahn habe Alternativvorschläge nicht berücksichtigt.

Auch sei die Notwendigkeit einer neuen Trasse nicht überzeugend belegt. Infrage komme sie nur im Tunnel oder direkt an der Bestandsstrecke, so die Forderung in dem Text. Es fehle ein schlüssiges Gesamtkonzept seitens der Bahn zum Schutz der Natur und der Anwohner.
ja

Aus Kostengründen werde die Bahn nicht mehr Teile der Strecke untertunneln als topografisch notwendig. Damit erteilte der Planer Forderungen mehrerer Anliegergemeinden eine Absage – darunter der meistbetroffenen Aßling, Grafing und Bruck –, die einen möglichst hohen Tunnelanteil gefordert hatten. Dafür gebe es, wenn auch keine Kompletteinhausung, Lärmschutz auf Neubaustandard.

Bahn schließt enge Anbindung an Bestandsstrecke aus

Ebenso schloss die Bahn eine enge Anbindung der neuen Gleise an die Bestandsstrecke erneut aus – das gäben die Steigungen und Kurvenradien sowie Wohnbebauung und Naturschutzflächen nicht her. Erst auf Höhe Schammach bei Grafing verlaufen alle vier Planungstrassen parallel zu den bestehenden Gleisen. Der Verknüpfungspunkt mit dem weiteren Streckenverlauf Richtung München sei bei Osterseeon (Gemeinde Kirchseeon) geplant, weil erst dort das Gelände eben genug sei.

Eine Trasse östlich von Aßling schließt die Bahn gänzlich aus, das lasse das bestehende Siedlungsgebiet nicht zu. Damit betreffen die Planungen vor allem die Grafinger, Brucker und Aßlinger. Mulmig dürfte beim Anblick der präsentierten Linien etwa Anwohnern in Niclasreuth, Eichhofen, Lorenzenberg oder Eisendorf werden.

Weitläufige Variante „drängt sic nicht auf“

Die weitläufigere Variante „Pink“ gehe auf einen Vorschlag aus dem Bürgerdialog zurück, erläutert DB-Abschnittsprojektleiter Dieter Müller. „Machbar, aber drängt sich nicht auf.“ Und Nordzulauf-Chef Neumaier sagt mit Blick auf die von der Bahn versprochene Bürgerbeteiligung: „Wir haben Wort gehalten“. Insgesamt sind laut dem Konzern 202 per Online-Tool von Bürgern gezeichnete Vorschläge in die Grobtrassenplanung eingeflossen – jeder erhalte bald ein persönliches Feedback.

Nun will sich die Bahn einige Monate Zeit lassen, um „die Linien in Eisenbahnstrecken zu verwandeln“, wie es Abschnitts-Chefplaner Müller formuliert. Etwa soll es erste Pläne für Tunnel- und Brückenbauten geben. Die Trasse, die bei Kriterien wie Kosten, Machbarkeit oder Umwelt am besten abschneidet, soll 2022 als „Auswahltrasse“ festgelegt werden.

Schon vor der Trassenvorstellung formierte sich Widerstand gegen das Vorhaben, der gemeinsam mit den Plänen nun konkreter wird (siehe Kasten). Die Bahn wirbt wiederum mit Vorteilen für die Region, etwa mehr Kapazitäten für den Nahverkehr.

Bürgerfragen will die Bahn bei einem Live-Dialog am Montag, 13. Dezember beantworten. Dieser soll online über das DB-Infoportal stattfinden.

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