Vier Trassen, kein Favorit

Kirchseeon - „Schöner wär‘s schon gewesen, wenn das Straßenbauamt eine der Umgehungstraßen favorisiert hätte.“ So fasst Harry Blöchl, Sprecher des Kirchseeoner Arbeitskreises B 304, das Ergebnis der Machbarkeitsstudie zusammen, die das Amt am Montag präsentiert.

Amtsleiter Claus-Peter Olk wird für die Gemeinderäte und interessierten Bürger keine guten Nachrichten mitbringen: Kirchseeon kann nämlich erst in fernerer Zukunft mit der Realisierung einer eigenen Umfahrung oder eines Tunnels unter der heutigen Bundesstraße rechnen. Der Grund: „Im Berliner Koalitionsvertrag steht, dass der Bundesverkehrswegeplan (BVWP) nicht in dieser Legislaturperiode, also frühestens 2013, fortgeschrieben wird“, weiß Olk. Dort ist die Marktgemeinde bislang im so genannten weiteren Bedarf, also mit nachrangiger Dringlichkeit enthalten.

Die Machbarkeitsstudie ist deshalb nur zu einer vergleichenden Bestandsaufnahme mit neutralem Tenor geworden, für die der Marktgemeinderat im September 2008 drei optionale Trassen angemeldet hatte. „Für eine Favorisierung einer Variante ist es einfach viel zu früh“, sagt der Amtsleiter. Dass sich deshalb in der Gemeinde Enttäuschung breit machen könnte, sei verständlich. Schließlich seien die Erwartungen damals noch ganz andere gewesen. Eigentlich hätte die Machbarkeitsstudie der Vorbereitung für eine Eingruppierung in den BVWP sein sollen, gibt Olk zu. „So sah es aber eben nur bei der Auftragsannahme, also vor der Bundestagswahl 2008, aus.“ Die Fortschreibung stehe nun nicht mehr an, weshalb die Behörde auch darauf verzichtet habe, mit einem Favoriten aufzutreten.

„Bis 2013 kann sich nämlich an den Rahmenbedingungen viel ändern“, weiß der Amtsleiter und verweist auf das Jahr 2002, als das damals zuständige Straßenbauamt München eine ortsnahe Linienführung durch den Ebersberger Forst vorgeschlagen hatte. „Damals gab es nämlich zum Beispiel das FFH-Schutzgebiet noch nicht. Und wer weiß, was sich bis 2013 an solchen Vorgaben ändert.“

Olk appelliert dennoch an die Kirchseeoner, die Flinte jetzt nicht ins Korn zu werfen, auch wenn alles nach einer Vertagung aussieht. „Man kann die Zeit ja für eine interne Diskussion nutzen“, rät er. Der Arbeitskreis B 304 habe schließlich auch darauf verzichtet, eine eigene Wunschtrasse zu benennen. Das könne nun nachgeholt werden. Olk will dies auch am heutigen Abend nach der am Anfang der Sondersitzung des Gemeinderats (Beginn ist um 19.30 Uhr), stehenden Vorstellung der vier Trassenvarianten unter dem Punkt „Weiteres Vorgehen“ ansprechen.

Dann wird der Amtsleiter auf einen Spagat zu sprechen kommen. Gegenwärtig sind im BVWP für Kirchseeon nämlich Baukosten in einer damals errechneten Höhe von 17,4 Millionen Euro enthalten. Die vom Straßenbauamt jetzt nun untersuchten Trassen würden aber zwischen 96,26 und 151,03 Millionen Euro kosten. „Da wird ein riesiger Abstand deutlich“, konstatiert Olk, um dennoch zu erklären: „Es wird aber keine sehr viel andere Lösung zur Verkehrsentlastung als die jetzt auf dem Tisch liegenden geben können.“ Doch bleibe trotzdem weiterhin die Frage nach dem Zeithorizont als auch nach der Finanzierbarkeit offen. „Ob’s wir noch erleben, oder erst eine der nächsten Generationen“, dazu will sich der Behördenchef denn auch zu keiner Aussage verleiten lassen.

Wo genau die vier Trassen verlaufen, das lesen Sie hier ab Montagmorgen.

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