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In Poing wird fleißig gebaut – als nächstes sind die schneebedeckten Felder im Hintergrund dran.

Neue Serie: Grenzen des Wachstums

Warum Pliening nicht so sein will wie Poing

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Der eine Ort baut ein Neubaugebiet nach dem anderen, der andere wehrt sich gegen das Wachstum – das sorgt manchmal für Streit und Neid. 

Poing/Pliening - 18 Kilometer östlich von München prallen zwei Welten aufeinander: Hier die Gemeinde Poing mit knapp 16 000 Einwohnern, Tendenz steigend. Dort, im Norden direkt angrenzend, Pliening mit 5500 Einwohnern, Tendenz gleichbleibend. Während sich die einen bereits in den 80er-Jahren per Gemeinderatsbeschluss entschieden haben, eine „Wachstumsgemeinde“ zu werden mit bis zu 20 000 Einwohnern, verteidigen die anderen ihren „dörflichen Charakter“. Poing und Pliening im Kreis Ebersberg liegen dicht nebeneinander – es kommt unweigerlich zu Berührungspunkten, zu Neid und zu Streit. Wachstum trifft auf Tradition – da knallt es schon mal. Nirgends zeigt sich das besser als bei diesen ungleichen Nachbarn.

In Pliening wird Dorf-Tradition hochgehalten: Wenn die Trachtler auftreten, ist das Bürgerhaus voll.

Die Fakten: Seit den 90er-Jahren wächst Poing um ein Baugebiet nach dem anderen. Insgesamt sind es acht Quartiere, die seinerzeit im Flächennutzungsplan ausgewiesen wurden. In den vergangenen sechs Jahren wurden der „Zauberwinkel“ und der „Seewinkel“ aus dem Boden gestampft, mit Wohnraum für etwa 3400 Menschen. Fast ausschließlich Reihen-, Doppel- und Einzelhäuser. Dazu jeweils zehn Prozent Einheimischenbauland und zehn Prozent Sozialwohnungen. Poing ist dank bester Infrastruktur (S-Bahn, Autobahnanschluss, Einkaufszentren) und einer Vielzahl an Kita-Plätzen bei jungen Familien beliebt, die sich hier ihren Traum vom Eigenheim mit handtuchgroßem Garten verwirklichen wollen – die Geburtenrate ist bundesweit eine der höchsten. Doch die Immobilienpreise sind in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Aktuell kostet ein Quadratmeter Grund etwa 1100 Euro. Bezahlbare Mietwohnungen? Muss man mit der Lupe suchen. Ein privater Investor hat jetzt nahe des Wildparks einen Wohnblock mit 60 Mietwohnungen hingestellt. Kaltmiete: 13,50 Euro. München lässt grüßen.

Die Plieninger beobachten den Nachbarn mit Argusaugen. Weil mehr Einwohner auch mehr Verkehr bedeuten und dieser zum Teil auch auf Plieninger Straßen rollt, hat der Gemeinderat vor einigen Jahren eine Umgehungsstraße planen lassen – die auch für Entlastung von Poing sorgen sollte. Dachten die Plieninger. Die Nachbarn sahen das anders und lehnten das Projekt ab. Umgehung gescheitert.

Schlafstadt– manche sehen das als Schimpfwort. Die Plieninger nennen ihren Nachbarort gerne so und verweisen auf ihre über Jahrzehnte gewachsene Dorfgemeinschaft, wo bei allerlei Veranstaltungen jeder mithilft. Die Poinger wiederum ärgern sich über die Vorwürfe, Bürgermeister und Gemeinderat verweisen auf das „moderate Wachstum“. Die beiden nächsten und letzten Neubaugebiete entstehen bis 2025 abschnittsweise – mit Wohnraum für rund 4000 Menschen und einem neuen Gymnasium. Im ursprünglichen, über 30 Jahre alten Flächennutzungsplan waren nur 2000 Neubürger vorgesehen. Die Verdopplung genehmigte der Gemeinderat ohne Debatten.

Statt Einzel- und Doppel-Häusern sollen viel mehr zwei- bis viergeschossige Mehrparteienhäuser gebaut werden. Damit sich auch die Krankenschwester das Wohnen in Poing leisten kann. Die Münchner städtischen Baugesellschaften GWG und Gewofag sowie die Südhausbau KG haben dies schriftlich zugesichert. Immerhin haben sich die politischen Gemeinden von Poing und Pliening in jüngster Zeit angenähert. Beim Verkehrskonzept will man jetzt miteinander statt gegeneinander arbeiten. Und in Absprache mit den Bauträgern wurde ein Teil des künftigen Neubaugebiets als öffentliche Hundewiese ausgewiesen. Mehr Poinger bedeuten nämlich auch mehr Spaziergänger, die über Feldwege auf Plieninger Flur wandern. Gerne mit Hunden. „Und die sch... dann auf unsere Felder“, schimpften die Plieninger Landwirte.

Wem es in Poing zu langweilig wird, da es in der Gemeinde zwar allerlei Supermärkte sowie massenweise Kitas und immerhin ein bayerisches Wirtshaus gibt, aber das war’s halt auch – der fährt rüber nach Pliening: Um das Bürgerhaus mit großem Saal für Konzerte oder Kabarett beneiden die Poinger die Nachbarn seit Jahren. Poing selbst kann es sich aufgrund der Pflichtaufgaben wie dem Bau neuer Schulen und Kindertagesstätten nicht leisten, das eigene Bürgerhaus um einen Veranstaltungssaal zu erweitern. Auch wenn es seit Jahren gewollt ist. Doch hier stößt Poing an die Grenzen seines Wachstums.

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