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Wegen Exfreund mit Kosmetika geworfen

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Ebersberg - Genau am dritten „Jahrestag“ hatte ihr Freund die Beziehung beendet. Zuvor hatte sich der Ebersberger drei Tage Bedenkzeit erbeten, die 20-jährige Angestellte aus Allershausen schmoren lassen. Ihren Gram ließ die junge Frau schließlich am Daimler der Mutter ihres - mittlerweile - Ex-Freundes aus.

Mit einer Tüte Kosmetika stürzte sich die Angeklagte am Morgen auf das arme Auto. Eine geschickte Armbewegung, ein angetäuschter Wurf und schon krachte die Tüte samt Inhalt auf das Dach der Nobelkarosse. Der entsetzten Halterin blieb eine Delle zum Gedenken an die Ex-Freundin des Sohne. Der Schaden belief sich auf immerhin gut 5500 Euro.

Sie habe den Daimler nicht gezielt unter Beschuss genommen, beteuerte die wegen Sachbeschädigung angeklagte 20-Jährige in ihrem Prozess im Amtsgericht Freising. Immerhin stand der Wagen noch drei, vier Meter entfernt. Ein Glückstreffer sei das gewesen, mehr nicht, argumentierte sie.

Jugendrichter Boris Schätz indes rief ihr in Erinnerung, dass die Geschichte durchaus noch hätte übler für sie ausgehen können. „Was, wenn ein Passant vorbeigekommen wäre?“ Die edel duftende Tüte hätte ihm an den Kopf fliegen können. „Sie haben nur Glück gehabt“, meinte Schätz überzeugt. „Wir säßen sonst wegen Körperverletzung oder gar noch etwas Ärgerem hier.“

Der sich langsam manifestierende Gedanke, dass sie einen Menschen schwer hätte verletzen können, und die Erinnerungen an die dramatischen Stunden ließen bei der Angeklagten die Tränen kullern. „Nach drei Tagen Bedenkzeit hat er mir einen Korb gegeben. Ausgerechnet an unserem Jahrestag, dem dritten, schickte er mich in die Wüste.“

Der Schmerz sitzt tief. Die Beziehung mit dem Ebersberger war ihre erste überhaupt. Die erste, große Liebe. Noch immer erinnert sich die Angeklagte gern an das gute Verhältnis zur Familie ihres Freundes. Sie fühlte sich angenommen. Seine Eltern hätten sie „ihre Schwiegertochter“ genannt.

Problematisch ist, dass sich ihr Ex-Freund bis heute nicht eindeutig verhält. Auf die Frage des Gerichts, verrät die Angeklagte, wieder „Kontakt“ mit ihrem Schwarm zu pflegen. Sie wisse allerdings nicht, ob die Beziehung wieder laufe. Dabei durchlebte die junge Frau eine wirklich schwere Zeit. Unmittelbar nach dem Vorfall am frühen Morgen des 12. Juni lieferte die Polizei die 20-Jährige in der Psychiatrie ab.

Nach einem Nervenzusammenbruch blieb sie ganze drei Tage in der Geschlossenen, Abteilung eines Krankenhauses, ließ anschließend ihre Depressionen stationär behandeln. Die Polizei hatte sie ohne Umwege direkt nach Taufkirchen gebracht, nachdem die Frau angedroht hatte, „gegen einen Baum, zu fahren.“

Das Verhalten der Angeklagten gegenüber ihrem Ex-Freund trägt nach Überzeugung des Gerichts obsessive Züge. Richter Schätz folgte dem Gutachter und räumte der 20-Jährigen den strafmildernden Paragraphen 21 der eingeschränkten Schuldfähigkeit ein.

Allerdings ist die junge Frau bereits wegen Körperverletzung und gefährlicher Körperverletzung aus Fällen den Jahren 2007 und 2010 vorbelastet. Schätz beließ es dennoch bei 30 Sozialstunden, erkannte an, dass sich die seelisch angeschlagene, junge Frau zum Tatzeitpunkt in einer „psychisch belastenden Ausnahmesituation befand“.

Von Andreas Sachse

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