Crêpes-Verkäufer auf dem Markt. Foto: sro

Weihnachtsmarkt in der Behördenmühle

Grafing - Wie keimfrei ist kochendes Wasser? Nicht keimfrei genug - jedenfalls für die Lebensmittelüberwachung Ebersberg, die die einschlägigen Vorschriften vollzieht. In der Kritik steht der neue Grafinger Weihnachtsmarkt.

„Es wurde beanstandet, dass wir kein fließendes Wasser in den Ständen haben, in denen Lebensmittel verkauft werden“, berichtet ein Standbetreiber kopfschüttelnd. Er macht frisches Wasser aus einem Kanister in einem großen Topf heiß und spült anschließend Tassen ab. „Das lässt er nicht durchgehen“, sagt der Verkäufer und meint damit den Lebensmittelkontrolleur. Auch, dass der Verkäufer eine professionelle Gastrospüle zuhause hat, in der er am Abend das ganze Geschirr blitzblank spült, zählt nicht. „Das akzeptieren die nicht.“

„Wir haben keinerlei Befürchtungen, dass es da ein hygienisches Problem gibt, wie auf dem Markt mit Lebensmitteln umgegangen wird“, versichert Markus Weißmüller von der Grafinger Stadtverwaltung. Es habe keinerlei Beschwerden aus der Bürgerschaft gegeben. Die Auflage mit dem fließenden Wasser sei aber bei der Genehmigung durch das Landratsamt bereits ergangen und werde seiner Information nach dann erlassen, wenn über einen längeren Zeitraum Lebensmittel verkauft werden. Die Standbetreiber in Grafing wollen improvisieren. „Wir holen uns das Wasser aus einem Hydranten“, sagt ein Verkäufer entschlossen, sich den Markt nicht durch die Auflage kaputt machen zu lassen. Weißmüller ist davon mäßig begeistert: „Dann liegt zu den Stromleitungen auch noch eine Wasserleitung herum“, gibt er zu bedenken.

Birgitt Huber vom für Verbraucherschutz zuständigen Veterinäramt verteidigt die Maßnahme ihres Hauses: „Das war eine ganz berechtigte Beanstandung.“ Dass auf Vereinsfesten andere Regeln gelten, erklärt Huber so: „Das ist kein öffentlicher Verkauf.“

„Wir bleiben ganz geschmeidig“, meint ein anderer Verkäufer, der seine Produkte in der ganzen Herstellung nicht ein einziges Mal anfasst - auch nicht mit Hygienehandschuhen. „Vermeiden Sie durch Einmalhandschuhe direkten Kontakt mit Lebensmitteln“, heißt es in einer Information des Gesundheitsministeriums. „Ich gebe die Wurst mit der Wurstzange auf den Teller“, sagt eine andere Verkäuferin und erläutert damit, dass sie überhaupt keinen Kontakt zu ihrer Ware hat.

Am Donnerstagvormittag wurde der „Schaden“ schließlich behoben. „Zwei Waschbecken, eines für kaltes, eines für warmes Wasser haben wir in den Crêpes-Stand eingebaut. Momentan verlege ich gerade den lebensmittelechten Schlauch dorthin“, berichtete der Organisator des beliebten Marktes und Vorsitzende des Grafinger Werberinges Oliver Bald. Das sei nach den Vorschriften notwendig, wenn länger als drei Tage Lebensmittel verkauft würden.

„Wir lassen uns den Markt nicht kaputtmachen, der kommt bei den Leuten gigantisch an. Ich komme mit dem Händeschütteln kaum nach, so viele gratulieren uns zu dieser Aktion“, sagt Oliver Bald. Die Standbetreiber haben Listen aufgelegt, auf denen dafür unterschreiben werden kann, den Weihnachtsmarkt auch in Zukunft beizubehalten.

Von Michael Seeholzer

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