1. Startseite
  2. Lokales
  3. Ebersberg

Weil's im Landtag ewig dauert: Behinderte Kinder müssen um Einschulung bangen

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Wollen ABC-Schützen werden: Luis und Leopold mit ihren Müttern Martina Tobias (l.) und Martina Frühwald.  Foto: jro
Wollen ABC-Schützen werden: Luis und Leopold mit ihren Müttern Martina Tobias (l.) und Martina Frühwald. Foto: jro

Vaterstetten - Im Herbst möchten Luis und Leopold gerne in einer Vaterstettener Grundschule ABC-Schützen werden. Alt genug sind sie. Doch ihre Mütter bangen darum, ob sie auch einen Platz bekommen. Denn die Entscheidung fällt letztendlich im Landtag. Und dort wird noch verhandelt.

Luis und Leopold sind behindert. Nach den geltenden UN-Konvention müssten sie einen Platz in einer „Regelschule“ bekommen. „Inklusion“ lautet das Stichwort. In anderen Bundesländer wurde das internationale Recht bereits umgesetzt, nicht so in Bayern. Die Zeit drägt. Bis Anfang April müssen die Kinder eingeschrieben werden. „Wir verstehen nicht, warum es so lange dauert“, sagt Martina Frühwald, die Mutter von Leopold. Wenn es keine Entscheidung gibt, dann sei der Einschulung gefährdet. Luis und Leopold müssten aber die Schule besuchen. Sie seien bereits einmal um ein Jahr zurückgestellt worden. „Ein zweites Mal geht das nicht“, sagt Frühwald

Für die Mütter gibt es aus ihrer Sicht keine Alternative zu einer Schule an ihrem Wohnort. Die Kinder sollen nicht „mit Taxi oder Bus“ in eine Schule außerhalb der Gemeinde gefahren werden. Zudem seien entsprechende gute Einrichtungen sowieso schon belegt, so Frühwald. Für eine Inklusions-Klasse sind neben der „normalen“ Lehrkraft eine zusätzliche Fachkraft mit entsprechender Ausbildung notwendig. Dazu wünschen sich die Mütter eine weitere Betreuerin (Intergrationshelfer), die die Kinder beispielsweise beim Umziehen für den Sport oder beim Gang auf die Toilette unterstütze. Es gebe nicht nur Anfragen betroffener Eltern, sagt Frühwald. Auch Eltern nichtbehinderter Kinder wollten ihren Sohn oder ihre Tochter in einer Inklusions-Klasse anmelden.

Martina Frühwald und ihre Freundin Martina Tobias, die Mutter von Luis, kämpfen schon seit Monaten für die Einschulung ihrer Söhne (wir berichteten). „Wir haben sehr viel Unterstützung bekommen.“ So gab es im November einen runden Tisch im Vaterstettener Rathaus mit positiven Signalen der Teilnehmern, u.a. der Schulleiter, der Vertreter des Kultusministeriums, der Regierung von Oberbayern und der Gemeinde Vaterstetten. Bürgermeister Robert Niedergesäß wandte sich Anfang Dezember in einem Brief an die zuständighen Landtagsabgeordneten. Darin wird die Einrichtung einer entsprechenden Klasse in Vaterstetten beantragt. Eine Antwort gibt es bisher nicht.

Angeschrieben wurde auch die Vaterstettener FDP-Landtagsabgeordnete Renate Will. „Ich habe den Brief nicht erhalten“, so ihre Reaktion auf Nachfrage der EZ. Sie beruhigt jedoch die Mütter. Der Entwurf für die Vorlage sei fast fertig und werde im Februar im Kabinett vorgelegt. Verzögert habe sich die Entscheidung durch die Bildung einer Arbeitsgruppe, die mit Mitgliedern aus allen Fraktionen besetzt sei. Mit dabei ist auch Will. Damit wollte man verhindern, dass die Vorlage im Parlamen auf Widerstand stößt. Die Regelung werde Rahmenbedingungen enthalten. Vor Ort in den Schulämtern und den Schulen habe man Freiräume zur Ausgestaltung. Aber: Wenn die Vorlage nicht rechtzeitig bis zum Einschulungstermin fertig werde, dann müsse in Einzelfällen die Einrichtung der entsprechenden Klassen möglich sein, sagt Will. „Das gilt auch für Vaterstetten.“

Von Robert Langer

Auch interessant

Kommentare