Weltgrößter Taubenmarkt vor dem Aus

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Landkreis Ebersberg - Der Wasserburger Taubenmarkt, der am kommenden Sonntag, 1. Februar stattfindet, war einstmals der größte Kleintiermarkt der Welt.

Als Traditionsveranstaltung ist er nur mehr ein Schatten seiner selbst. Die Geflügelzüchter im Landkreis Ebersberg stöhnen unter den Auflagen, die ihnen gemacht werden und die den Markt nahezu stranguliert haben. Vielleicht gibt es ihn bald nicht mehr. Heuer haben sich nur noch 30 Züchter angemeldet.

„Da ist jetzt 136 Jahre keine Krankheit ausgebrochen, aber so geht die Vielfalt zugrunde“, bedauert Georg Raig, der Vorsitzende des Geflügelzuchtvereins Aßling, die immer restriktiveren Vorschriften. Er kommt gerade vom Veterinäramt in Bad Aibling, wo er sich „die ganzen Bestätigungen“ geholt hat, die er für eine Teilnahme seiner Tiere am Markt braucht. Der Aufwand sei erheblich. „Das ist total uninteressant geworden“, schimpft er. „So, wie das vorgeschrieben ist, ist es gar nicht möglich“, sagen viele Züchter und meinen damit die Salmonellenuntersuchung.

Auch Nikolaus Lettl, Vorsitzender des Geflügelzuchtvereins Steinhöring, findet die Auflagen überzogen. „Da geht ein großes Gut an Tradition verloren. Es geht nur noch nach Paragraphen und Vorschriften, egal ob das sinnvoll ist oder nicht.“

Zu den aktuellen Änderungen gehört unter anderem, dass nur noch Tiere aus umliegenden Landkeisen zum Markt gebracht werden dürfen. Die schrumpfende Auswahl hat eine Auswirkung auf die potentielle Käuferschaft. „Früher haben Ausländer große Mengen an Tieren gekauft“, so Lettl. Diese Kundschaft bleibt jetzt aus, bedauert auch Raig. „Ich bin der einzige Huhnscheckenzüchter im Landkreis. Jetzt kann ich nach Niederbayern fahren oder nach Österreich, wenn ich meine Tiere vermarkten will.“ „So sterben alte Haustierrassen aus, aber das ist denen egal“, bedauert Lettl.

Die Veterinärämter setzen auf lokaler Ebene die Vorschriften um. Tierseuchenvorbeugung ist Ländersache. Gibt es dabei einen Spielraum? Evelyn Schwaiger, die Sprecherin des Landratsamtes Ebersberg, verneint das. „Wenn eine Impfung vorgeschrieben ist, gibt es keinen Spielraum“, sagt sie.

Ambitionierte Geflügelzüchter halten trotz steigender Anforderungen an ihrem Hobby fest. Aber die vielen Liebhaber, die sich zum Beispiel ein paar Tauben kaufen, „weil sie auf ihrem Hof etwas fliegen sehen wollen, werden immer weniger“, sagt Raig.

Der bürokratische Aufwand sorgt für einen Mitgliederschwund bei den Vereinen. Im Kreisverband Rosenheim sank die Zahl von 2000 auf 1500 „in fünf Jahren“, berichtet Raig. „Wir bauen unseren Stand auf, mit Abdeckungen, so wie vorgeschrieben, und lassen uns überraschen. Mal schauen, ob’s den Aufwand noch wert ist.“

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