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Stolz, zum Team zu gehören: Der Pole Jakub Kuprianowicz engagiert sich bei der Jugendfeuerwehr.

Jakub, der Feuerwehrmann

So werben die Wehren um Migranten

München - Mit einer Kampagne wirbt der Deutsche Feuerwehrverband um Migranten. Hintergrund: Es gibt nur wenige Feuerwehrmänner mit ausländischen Wurzeln. Jakub Kuprianowicz gehört zu den Ausnahmen.

Um es von vorneherein klarzustellen: Jakub Kuprianowicz’ Wunschberuf ist nicht Feuerwehrmann. Industriemechaniker oder Logistiker – das wär’s. Irgendwas Technisches. Die Feuerwehr soll stattdessen sein Hobby bleiben. „Bei der Feuerwehr arbeiten wir auch viel mit Technik“, sagt Jakub Kuprianowicz, 16, ein hagerer Jugendlicher im gelben Cardigan. „Das hilft einem im Alltag und später vielleicht im Beruf.“

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Der Lerneffekt ist aber nicht der einzige Grund, weshalb sich der Schüler bei der Jugendfeuerwehr in der 12 000 Einwohner-Gemeinde Markt Schwaben im Landkreis Ebersberg engagiert. Er will dort Freunde treffen, neue Kontakte knüpfen, sprich: Der Verein ist seine Chance, hier in der neuen Heimat richtig anzukommen. Denn Jakub Kuprianowicz ist erst vor sechs Jahren mit seiner Mutter nach Markt Schwaben gezogen, von Dobrzyniewo Durze, einer kleinen Stadt in Polen an der Grenze zu Weißrussland. Er besucht die neunte Klasse einer Mittelschule in München. Die Feuerwehr dagegen ist sein Bezugspunkt in Markt Schwaben.

Eher gehen Frauen zur Feuerwehr als Migranten. Jakub Kuprianowicz ist einer von wenigen. Silvia Darmstädter, Pressesprecherin des Deutschen Feuerwehrverbands, schätzt, dass bundesweit höchstens ein Prozent der Feuerwehrler Migranten sind. Deswegen will der Verband mit dem Projekt „Miteinander reden“ verstärkt um diese Menschen werben – auch, um drohenden Personal-Engpässen vorzubeugen.

In der Markt Schwabener Jugendfeuerwehr funktionieren Nachwuchsarbeit und Integration gut. Dort reagiert niemand irritiert, wenn ein junger Mann mit ausländischem Akzent spricht. Drei von 16 Jugendlichen haben ihre Wurzeln in anderen Ländern. Jakub Kuprianowicz ist einer davon. Der Pole ist seit etwa eineinhalb Jahren bei der Jugendfeuerwehr, weil ein Freund ihm davon vorgeschwärmt hatte. „Er hat mich zu einer Übung mitgenommen. Wir sind geklettert, haben geübt, wie man die Leiter richtig positioniert“, sagt er. „Das hat mir gefallen.“

Mittlerweile weiß er, wie man mit einer Wärmebildkamera umgeht, ein Feuer löscht, Erste-Hilfe leistet. Seine Mutter sei anfangs irritiert gewesen. Meint er es ernst mit der Feuerwehr? Oder ist das nur eine Testphase? „Sie war etwas skeptisch“, erzählt Jakub Kuprianowicz. „Aber als sie gesehen hat, dass ich mich wirklich engagiere, fand sie es gut, dass ich mitmache.“

Mit echter Begeisterung ist der Jugendliche jetzt bei der Feuerwehr. „Es muss immer jemand geben, der helfen kann“, sagt der Pole. „Man darf nicht sagen: Irgendjemand macht das schon.“ Beim Thema Integration ist das nicht anders. „Integration ist ein wichtiger Prozess, auch bei der Feuerwehr“, weiß Gerhard Bullinger, stellvertretender Landesverbandsvorsitzender und Kreisbrandrat in Ebersberg. „Bei der Feuerwehr kommen Leute zusammen, haben eine Tätigkeit mit sozialem Aspekt und lernen aus technischer Sicht etwas dazu.“

Problematisch ist, dass Vorurteile Migranten abschrecken. Freiwillige Feuerwehren seien Männerwirtschaften, die ab und an mal einen Brand löschen und ansonsten ihren Durst im Feuerwehrhaus. Bullinger wehrt sich gegen diese Ressentiments. Kuprianowicz auch. Im Feuerwehrhaus in Markt Schwaben hat er mittlerweile seinen eigenen Spint, auf dem sein Namensschild klebt. Er ist stolz darauf, richtig dazuzugehören. „Die Feuerwehr ist in Polen angesehen“, sagt er, wobei er sich vor dem Umzug nach Markt Schwaben damit kaum beschäftigt hatte. „Ich habe aber mitbekommen, dass es Jugendfeuerwehren gibt, wie hier.“

In Deutschland haben rund 30 000 Menschen die Feuerwehr zu ihrem Beruf gemacht, zehnmal so viele sind allein in Bayern ehrenamtlich in Freiwilligen Feuerwehren aktiv. Und natürlich treffen sich diese neben den Übungen auch mal zum Plaudern, wie in fast allen Vereinen. „Witze erzählen und bisschen Schmarrn machen, das gehört auch dazu“, sagt der Pole in leicht bairischem Dialekt. „Ich finde die Sprache lustig. Nur wenn jemand extrem bairisch redet, verstehe ich ihn noch schwer.“

Marc Lamberger

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