Insgesamt gut 100 Anzinger kamen am Dienstag zur Bürgerversammlung in den „Forsthof“. Ein zentrales Thema dabei: das geplante neue Gewerbegebiet. Foto: jro

Bürgerversammlung in Anzing

Widerstand gegen Gewerbegebiet wächst

Anzing - Die Ideen für neues Gewerbegebiet in Anzing neben dem Friedhof werden scharf kritisiert.

Gerade eben erst hatte Ulrich Fröde, zusammen mit drei weiteren Anzingern (wir berichten noch gesondert), eine Urkunde und eine Medaille für sein gemeindliches Engagement erhalten. Das zwang den ehrenamtlich Vielbeschäftigten jedoch nicht dazu, als Mitwirkender des Arbeitskreises Anzing Mitte zu schweigen, als Rathauschef Franz Finauer die Besucher der Bürgerversammlung zur Aussprache aufforderte. „Wir können den vorgelegten Strukturplan (Anm. d.Red.: für das geplante Gewerbegebiet zwischen Friedhof und Autobahn am Ortseingang Anzings) nicht unterstützen“, so Fröde. Als er dann auch noch nachschob, er mache sich Sorgen um das Ortsbild, brauste gar Beifall auf unter den gut 100 Anzingern im „Forsthof“, die am Dienstag die Bürgerversammlung 2016 bildeten.

Pietätlos sei es, so etwas neben dem Gemeindefriedhof zu bauen, hieß es weiter. Fröde sprach von einem Flickenteppich, schaue man sich an, wo überall größere und kleinere Gewerbeflächen auf Gemeindegebiet verteilt seien. Schließlich äußerte der Pensionär Vorbehalte gegen den geplanten Kreisel beim Lidl-Supermarkt bzw. bei der Shell-Tankstelle im Einmündungsbereich der Straße „Gewerbepark“. Die Statistiken, in denen Verkehrsverstöße registriert würden, böten keine Grundlage für ein solches, nicht billiges Bauwerk, hieß es.

Argumente, die Ulrich Fröde und der Arbeitskreis bereits vor Wochen nach einem Gespräch mit der EZ publik machten. Und mit denen er nicht ganz falsch zu liegen schien. Plötzlich hatten nämlich noch ein paar weitere Versammlungsteilnehmer das Bedürfnis, das geplante Projekt in Frage zu stellen. Einer sagte, er kenne auf der ganzen Welt keine zweite Gemeinde, die ein Gewerbegebiet direkt neben einem Gottesacker zu bauen gedenke. Andere machten Naturschutzgründe geltend, schließlich lägen die Sempt und das Moos nicht weit.

Da kam es nicht überraschend, dass Finauer versuchte, den komplizierten Werdegang bis jetzt darzustellen, so wie er das schon im aktuellen Gemeindeblatt tat (wir berichteten). Man habe in Klausuren des Gemeinderats zahlreiche Optionen geprüft. Nur hier, nahe der Autobahnauffahrt, sei es bislang gelungen, auch einen Grundstückseigentümer zu finden, der bereit sei, sein Areal an die Gemeinde für genau diese Zwecke zu veräußern, meinte der Rathauschef. Fast schon Verzweiflung klang da mit, als der Bürgermeister sinngemäß feststellte, wenn wir wollten, dass Anzinger Gewerbetreibende in Anzing blieben, müsste man hier zugreifen. Andere Varianten gebe es derzeit nicht. Dass das besagte Areal keine ideale Lösung sei, wisse er selber. Finauer betonte aber auch, wie sehr Anzing finanziell von seinen Gewerbegebieten abhängig sei. Ohne Einnahmen von dieser Seite gebe es kein Gemeindehaus und keine Sporthalle. Über die weiteren Themen der Versammlung berichten wir später.

Von Jörg Domke

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