1. Startseite
  2. Lokales
  3. Ebersberg

Corona-Kontrollen beim Friseur zu lasch? Kundin verunsichert - „Da läuft doch alles schief“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Helena Grillenberger

Kommentare

2G-Regel in einer Kneipe in Hamburg auf dem Schulterblatt.
Für Kunden gilt 2G, für das Personal oft nicht. © Rico Thumser via www.imago-images.de

Wer sich aktuell beim Friseur die Haare schneiden lassen will, muss 2G nachweisen. Umgekehrt kann sich der Kunde aber nicht sicher sein, ob die Corona-Regeln ebenfalls eingehalten werden.

Landkreis - Vor dieses Problem sieht sich eine Leserin gestellt: Bei einem Termin bei der Fußpflege sei sie darauf hingewiesen worden, sie möge doch bitte ihren Impfausweis vorzeigen. „Mach ich natürlich“, erklärt die 84-Jährige. Auf ihre Nachfrage, ob die Angestellte denn ebenfalls geimpft oder genesen sei, habe sie aber die patzige Antwort erhalten: „Was unser Impfstatus ist, geht Sie gar nichts an!“ Ähnliche Erfahrungen habe sie auch bei der Ergotherapie und der Krankengymnastik gemacht. Ihre Friseurin habe ihr gegenüber offen gesagt, nicht geimpft zu sein. „Wozu? Kommen ja lauter Gesunde rein“, habe ihre Begründung gelautet.

Corona in Bayern: Lasche oder keine Kontrollen beim Einkaufen - „Läuft doch alles schief“

Auch beim Einkaufen dränge sich der 84-Jährigen der Verdacht lascher bis gar keiner Kontrollen auf, da zwar von den Kunden das Tragen einer FFP2-Maske verlangt wird, die Angestellten selbst ihrem Eindruck nach aber meist nur medizinische Masken tragen. „Was ist eigentlich los zur Zeit?“, fragt sie verwundert.

„Das läuft doch alles schief.“ Nach 24 Jahren, die sie im öffentlichen Dienst gearbeitet habe, „kann ich die Verantwortungslosigkeit nicht begreifen“, sagt sie. Eine gewisse Grundverantwortung trage man doch für seine Mitmenschen. „Die aktuelle Lage ist beängstigend“, erklärt sie. Sie könne nur hoffen, dass sie sich nirgendwo anstecke.

Corona-Kontrollen: FDP-Stadtrat sieht Problem in Gastronomie - „Handlungslücke in Politik“

Der Grafinger Stadtrat Claus Eimer (FDP) sieht das Corona-Problem ebenfalls: Über eine Auskunftspflicht der Angestellten gegenüber den Kunden ließe sich seiner Ansicht nach zwar auch streiten, da könne man eventuell Probleme mit dem Datenschutz bekommen. Aber auch er ist der Meinung: Wenn man selbst seinen Impfstatus angeben muss, sollte man im Umkehrschluss auch erwarten dürfen, dass man nachfragen dürfe.

Gerade in der Gastronomie bestehe das Problem, dass 2G nicht für alle Anwesenden, sondern nur für die Kunden gelte. Hier sehe er eine „Handlungslücke in der Politik“, wenn diese weitere Ansteckungen vermeiden wolle, müsse man 2G für alle Angestellten mit Kundenkontakt einführen. „Das liegt doch eigentlich in ihrem eigenen Interesse“, erklärt Eimer. „Die wollen ja Geld verdienen...“ Ohne eine einheitliche 2G-Regelung „wird es nicht besser werden“, sagt er. Sein Appell über Facebook: „Bitte seid doch so vernünftig, wenn ihr schon mit so vielen Menschen, die gesund bleiben wollen, euer Geld verdient und lasst euch impfen!“

Die 84-Jährige erklärt, sie könne wenigstens selbst entscheiden, von wem sie sich behandeln lassen möchte und von wem nicht: „Eine ist, als ich gefragt hab, richtig frech geworden“, erzählt sie. „Und so schnell kriegt man ja auch keinen Termin woanders...“ Sie gehe trotzdem lieber kein Risiko mehr ein, verzichte daher momentan auf Termine bei Friseur, Fußpflege, etc. Aber was ist mit den Menschen, die nicht selbst entscheiden können, oder die auf eine bestimmte Behandlung angewiesen sind, fragt die 84-Jährige.

Landratsamt führt Stichpunktkontrollen durch

Wegen der gefühlten Ungleichbehandlung habe sie auch schon bei Gesundheitsamt und Ordnungsamt nachgefragt, aber auch dort als Antwort erhalten, dass z. B. ihr Fußpfleger ihr keine Auskunft geben müsse.

Das Landratsamt erklärt dazu, Personal sei vom Betreiber zu kontrollieren. Ob die 3G-Regeln am Arbeitsplatz tatsächlich eingehalten werden, werde überwiegend von der Polizei kontrolliert, das Landratsamt führe Stichpunktkontrollen in verschiedenen Bereichen durch. „Selbstverständlich werden auch Betriebe aus anderen Bereichen als der Gastro kontrolliert“, heißt es. „Der Fokus liegt aktuell auf Betrieben, die mehr Kunden erreichen. Die Kontrollen werden laufend angepasst.“ Wo genau Kontrollen angesetzt werden, richte sich in erster Linie nach eingehenden Beschwerden. Die Polizei ihrerseits erklärt, die Überwachung der derzeit gültigen Auflagen obliege grundsätzlich den Kreisverwaltungsbehörden, also dem Landratsamt. Die Polizei werde dabei nur unterstützend tätig.

Ganz geklärt scheint die Aufgabenverteilung demnach noch nicht zu sein. Vielleicht ließe sich damit auch das Gefühl der 84-Jährigen erklären: „Es scheint, dass die sich alle sehr sicher fühlen, nicht kontrolliert zu werden.“

Noch mehr Nachrichten aus der Region Ebersberg lesen Sie hier. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Ebersberg-Newsletter.

Auch interessant

Kommentare