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Windenergie: Bürgermeister fallen durch

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Der Zornedinger Gemeinderat will, dass sechs Windräder im Ebersberger Forst gebaut werden.  Foto: Fotolia
Der Zornedinger Gemeinderat will, dass sechs Windräder im Ebersberger Forst gebaut werden. Foto: Fotolia

Zorneding - Schlappe für die Rathauschefs: Der von den Bürgermeistern von Vaterstetten, Anzing und Zorneding ausgehandelte Kompromiss zum Windpark am Rand des Ebersberger Forstes ist im Zornedinger Gemeinderat durchgefallen.

Mit 11 zu 8 Stimmen gab es im Zornedinger Gemeindeparlament ein Plädoyer für die ursprüngliche Planung. Der von dem Münchner Unternehmen „Green City Energy“ projektierte Windpark kann damit nicht von sechs auf fünf Rotoren reduziert und weiter in den Wald hineingeschoben werden. Letzteres soll aus zwei Gründen nicht geschehen: Einmal, um nicht noch stärker in den Forst einzugreifen. Zum anderen wird befürchtet, dass ein Verrücken um 500 Meter die Windausbeute schmälert und so die Wirtschaftlichkeit des Projekts in Gefahr gerät.

Der von den drei Rathauschefs nach lautstarken Bürgerprotesten Anfang November ausgehandelte Beschlussvorschlag kam in Zorneding vor den rund 30 Zuhörern gar nicht zur Abstimmung. Denn die Fraktionen von SPD und Grünen hatten, wie zuvor schon angekündigt, die ursprüngliche Planungsvariante als weitergehenden Antrag aufs Schild gehoben. Über den musste laut Gemeindeordnung als erstes abgestimmt werden. Die Freien Wähler stützten geschlossen zum Leidwesen von Bürgermeister Piet Mayr (CSU) und der CSU-Fraktion den von Rot und Grün auf den Tisch gelegten Beschlussvorschlag. Ulrich Fischer von der Früheren Bürgerliste gesellte sich dazu, sodass es nicht einmal zum denkbar knappsten Abstimmungsergebnis kam.

Bianka Poschenrieder (SPD) hatte namentliche Abstimmung beantragt. Nicht anwesend waren Hans Haindl (CSU) und Martin Strobl (ehemalige Bürgerliste). FDP-Gemeinderat Peter Pernsteiner schlug sich in das Lager der Kompromissbefürworter, das die CSU-Fraktion jedoch nicht geschlossen stellte: Stephan Ruth nämlich wollte keine der beiden Varianten mittragen. Für eine Entscheidung sei es noch zu früh. Er wolle nicht, dass Zorneding mit einer punktuellen Planung Vorreiter sei, sondern warten, bis eine vom Landkreis initiierte landkreisübergreifende Standortplanung für Windräder „alles harmonisiert“.

Fakt war, dass sich kein einziger Gemeinderat gegen die Nutzung der Windkraft stellte. In allen Debattenbeiträgen wurde vielmehr betont, dass die Windkraft eine logische Konsequenz aus dem Atomausstieg sei. Im Kern ging es deshalb eigentlich nur um die Frage, wie weit man bereit war, trotz dieser Einsicht auf Proteste der nächstgelegenen Anlieger einzugehen.

Grünen-Fraktionssprecher Helmut Obermaier hatte im Plädoyer für den rot-grünen Abstimmungsvorschlag daran erinnert, dass es seit Juli einen einstimmig getragene Empfehlungsbeschluss zum Projekt von „Green City Energie“ und natürlich schon viel länger das Bekenntnis der Gemeinde und des Landkreises zur Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen gebe. Die Bürger seien in der Diskussion ausreichend mitgenommen worden. „Unschön ist“, sagte Obermaier an die Adresse von Mayr und seine CSU, „dass Sie sich zu einem Kompromiss jagen lassen, den Sie gar nicht wollen“. Das Verrücken der Rotoren weiter in den Forst hinein „wäre eine Nötigung der Bayerischen Staatsforsten“. Das Dogma des 1500-Meter-Abstands stelle wegen der befürchteten Abnahme der Windstärken die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens in Frage. Obermaiers Appell - „Sie zementieren damit etwas, wo sie nicht mehr zurück können, weil es irreversibel ist“ - verhallte ungehört. Und SPD-Fraktionssprecher und 2. Bürgermeister Werner Hintze sekundierte: „Ein uneingeschränktes Votum aus Zorneding böte die Chance, dass sich auch Vaterstetten und Anzing einer optimalen Windnutzung bei größtmöglicher Schonung des Forstes anschließen.“

Von Eberhard Rienth

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