Bislang nur eine Vision: Das Windradvorhaben in Hamberg in der Gemeinde Bruck ist auch gestern vor dem Verwaltungsgericht vorerst nicht Realität geworden. Fotomontage: SRO

Verwaltungsgericht

Das Tauziehen geht weiter

Hamberg/Bruck - Noch immer ist unklar, ob das Windrad in Hamberg bei Bruck gebaut werden darf. Nur soviel ist klar nach der Verhandlung am Dienstag vor dem Verwaltungsgericht.

Knackpunkt ist nun die Frage des Ertragswerts. Denn wenn eine Windkraftanlage nicht 60 Prozent der Leistung erwarten lässt, die die Anlage normalerweise erwirtschaften würde, darf sie nicht gebaut werden. Und genau diese 60 Prozent Leistung bezweifelt der Landesbund für Vogelschutz. Ein Gutachten der Bauherrin, der Osterkling GmbH, spricht jedoch von einer Ertragsprognose von mehr als 60 Prozent. Der weitere Disput soll nun schriftlich ausgetragen werden.

Das Verwaltungsgericht hat den Beteiligten eine Frist bis zum 20. Mai gesetzt, bis zu der sie weitere Stellungnahmen einreichen können. Auch das Urteil soll danach schriftlich ergehen.

Grund für den Wechsel ins schriftliche Verfahren: Die Osterkling GmbH übergab kurzfristig eine E-Mail des von ihr beauftragten Gutachters. Doch der Sachverständige selbst war nicht anwesend und konnte somit auch nicht befragt werden. Der Gutachter des Landesbund für Vogelschutz wollte sich aber noch genauer mit der Mail auseinandersetzen. Er ist der Meinung, dass die angewandte Rechenmethode für den Windertrag „nur bedingt“ für den Landkreis Ebersberg geeignet ist. Diese wurde nämlich für das dänische Küstengebiet entwickelt.

Auch die klagenden Bürger hatten am zweiten Verhandlungstag zum ersten Mal das Wort. Ein Ehepaar, das 840 Meter vom geplanten Windrad entfernt wohnt, sieht sich in dreifacher Hinsicht beeinträchtigt: wegen der 10-H-Regelung, wegen tieffrequenten Lärms sowie bedrängender Wirkung.

Auf die 10-H-Regelung können sie sich schon einmal nicht berufen, stellte die Vorsitzende Richterin Andrea Breit zum Erstaunen der Kläger klar. Bei der Vorschrift handle es sich um eine städtebauliche Regelung. „Dabei geht es um eine geordnete Siedlungsentwicklung“, sagte Breit. Diese entfalte jedoch keinen so genannten Drittschutz, so dass sich der einzelne Nachbar nicht darauf berufen könne. Rechtsanwalt Armin Brauns war anderer Auffassung: „Es geht um den Schutz der Bürger. Ich sehe die Regelung mit drittschützender Wirkung.“ Die Rechtsprechung ist laut Gericht jedoch eine andere.

Auch beim Thema Lärm sieht es schlecht aus für die Kläger. Sie wohnen schlichtweg zu weit weg vom geplanten Windrad, als dass der Lärm für sie über den Grenzwerten liegen würde.

Von Nina Gut

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