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Hatte in letzter Zeit immer wieder mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen: Ebersbergs Bürgermeister Walter Brilmayer, hier auf dem Weg ins Landratsamt. Der 64-Jährige ist auch stellvertretender Landrat.

Wer wird Nachfolger von Walter Brilmayer?

Ebersberg und die B-Frage

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Ebersberg - Es ist noch dreieinhalb Jahre hin: Doch in der Ebersberger Parteienlandschaft wächst die Nervosität: Wer soll Nachfolger von Bürgermeister Walter Brilmayer (64) werden, der bei der Wahl 2020 nicht mehr antritt. Eine Spurensuche.

„Er ist seit der Herzgeschichte nicht mehr derselbe, das fällt auf. Er ist gelassener, nachdenklicher.“ Das sagen Rathausmitarbeiter und Stadträte über Ebersbergs Bürgermeister Walter Brilmayer (CSU). Sie meinen die schwere Erkrankung, die der heute 64-Jährige im Jahr 2014 überstehen musste und die ihn monatelang aus der Bahn warf. Zwar kehrte er aus dem Krankenlager zurück und arbeitete genau wie vorher, aber seitdem, so die Beobachter, sei er eben ein „anderer Walter“.

Einer, dem bewusst geworden ist, dass es ein Leben neben dem Amt und der Politik gibt. Einer, der noch bis 2020 gewählt ist und der für viele zu Ebersberg gehört wie die Stadtpfarrkirche St. Sebastian oder der Aussichtsturm. Die Kreisstadt ohne Brilmayer an der Spitze? Schwer vorstellbar.

Und doch muss man sich ganz langsam an den Gedanken gewöhnen. Denn Brilmayer, der seit rund 22 Jahren auf dem Bürgermeisterstuhl sitzt und in dieser Zeit stets über die Parteigrenzen hinweg unumstritten war, darf bei der nächsten Kommunalwahl aus Altersgründen nicht mehr antreten. Eine Tatsache, die in allen Parteien längst eine gewisse Nervosität ausgelöst hat. Wer soll nachfolgen? Wer soll in die großen Fußstapfen treten? Ebersberg steht vor der Bürgermeisterkandidaten-Frage.

Am spürbarsten ist diese Nervosität zweifelsohne in Brilmayers CSU selbst. Wie auch anderswo, wo eine „Lichtgestalt“ alle anderen überstrahlt, haben es die Christsozialen versäumt, einen Nachfolger aufzubauen. Jetzt sitzt ihnen die Angst im Nacken, der Kreisstadt könnte dasselbe Schicksal widerfahren wie vor vier Jahren der Nachbarkommune Grafing. Dort, wo über Jahrzehnte konservative Kräfte am Ruder saßen, hat seit 2012 eine Grüne das Sagen. „Im Moment ist kein Kandidat in Sicht, da schaut’s düster aus“, sagt einer aus der Ebersberger CSU-Spitze, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will.

Das Versäumnis der Schwarzen rührt auch daher, dass die „Erbfolge“ lange Zeit als geregelt angesehen wurde. Brilmayers Sohn Florian wurde als Nachfolger des „Papa“ gehandelt. Doch es kam anders. Florian Brilmayer, Parteichef und langjähriger Stadtrat, wollte höher hinaus: Mit der Erkrankung des früheren Landrats Gottlieb Fauth tat sich die Chance auf, erster Mann im Landkreis zu werden. In einer parteiinternen Abstimmung unterlag Brilmayer gegen den damaligen Vaterstettener Bürgermeister Robert Niedergesäß, der – wenn auch nur mit hauchdünnem Vorsprung vor seinem SPD-Kontrahenten Ernst Böhm – Fauths Nachfolger wurde.

Florian Brilmayer kümmerte sich fortan um seine Karriere in der Wirtschaft und schrieb politische Ämter ab. Damit, so sagte er nach der Niederlage, sei Schluss. Er ist heute als Steuerfachmann in leitender Position tätig. Seinen Parteivorsitz will er 2017 an Alexander Gressierer (21) abgeben, der deswegen 2015 als Parteivize installiert wurde und offen lässt, ob er bei der Bürgermeisterwahl den Hut in den Ring wirft. Er befinde sich in einem „persönlichen Abwägungsprozess“, sagt der Student.

Die CSU sei „in der Verantwortung, einen geeigneten Kandidaten zu finden“, findet ihr Fraktionssprecher im Stadtrat, Martin Schedo (53). Der Prozess sei im Gange. Ob er selbst ins Rennen gehen möchte, lässt der Polizist offen. Er sagt nur, der Kandidat sollte vom Alter her mindestens zwei Wahlperioden machen können. Bei Schedo würde diese Rechnung aufgehen.

Auch die anderen Parteien halten sich bedeckt. Nach außen demonstrieren sie Gelassenheit und verweisen darauf, dass es noch dreieinhalb Jahre hin seien bis zur Bürgermeisterwahl. Gleichzeitig wissen sie, dass es einige Zeit dauert, um einen Kandidaten aufzubauen und in Stellung zu bringen.

Einzig die Grünen sind hier fein raus, da sie davon ausgehen können, dass es ihr Stadtrat Philipp Goldner (32) noch einmal probieren wird. Goldner war schon 2012 gegen Brilmayer angetreten. Die Kandidatur damals hatte er als „Testlauf“ bezeichnet, weil er wusste, dass man gegen Walter Brilmayer nicht gewinnen kann – erst recht nicht bei mehreren Gegenkandidaten. Der Lehrer, der im Unterschied zu anderen immer bestens vorbereitet in die Stadtratssitzungen geht, gilt über Parteigrenzen hinweg als unideologisch, was ihn für die CSU so gefährlich macht. „Den könnten auch Schwarze wählen“, sagt ein Insider über Goldner, der schon vor Jahren von sich reden machte, als er Ebersberg untertunneln wollte, um dem Durchgangsverkehr Herr zu werden. Der 32-Jährige ist verbeamtet, das berufliche Risiko einer Kandidatur von daher gering.

Ein Denkmodell wäre, dass die SPD auf einen eigenen Kandidaten verzichtet und Goldner mit unterstützt. Denn wie bei der CSU herrscht auch bei den Genossen Flaute auf dem Bewerbermarkt. Doris Rauscher, die 2012 ins Rennen ging, sitzt mittlerweile im Landtag. Kaum vorstellbar, dass sie zurück will, „außer sie schafft den Einzug ins Maximilianeum bei der nächsten Wahl nicht“, unkt ein CSU-Stadtrat. Die ist vor der Bürgermeisterwahl. Ansonsten fällt bei den Genossen der Name Christoph Münch. Der 30-Jährige ist seit 2012 Stadtrat und Jugendsprecher der Partei. Er ist stellvertretender Feuerwehrkommandant und arbeitet bei der Regierung von Oberbayern als Fachberater für Brand- und Katastrophenschutz. Politisch ist er allerdings noch nicht sonderlich in Erscheinung getreten.

Und die Freien Wähler? Sie stellen derzeit mit Toni Ried (63) den 2. Bürgermeister. Der Unternehmer, der in München ein Teegeschäft hat, vertrat Brilmayer 2014 monatelang, als dieser seine Herzoperation samt Reha hinter sich bringen musste. Auch kürzlich musste Ried wieder öfter ran, da sich Brilmayer mit einer lästigen Augenerkrankung herumschlug. Ried, der auch schon Landrat werden wollte, könnte im Frühjahr 2020 in Ebersberg antreten – die Altersgrenze würde er dann ganz knapp unterschreiten. Allerdings wäre er nur eine Zwischenlösung für die Kreisstadt, da eine zweite Amtszeit nicht in Frage käme.

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