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Xavier D'Darcy alias "Darcy" in seinem Proberaum.

Vielversprechender Nachwuchs

Großer Musiker, kleines Dorf

Oberpframmern - Seine erste Platte "Extended Play" ist da, ein Auftritt jagt den nächsten, sie spielen ihn im Radio – und „Darcy“ wohnt in Oberpframmern.

Als Zehnjähriger sang er im Knabenchor der Münchner Frauenkirche, der Bub mit dem hellen Sopran trat damals sogar vor Papst Benedikt XVI. auf. Heute ist Xavier D’Arcy 20. Und er singt noch immer. Aber nicht mehr in der Kirche. Und auch nicht mehr jenseits des hohen „F“. Heute bringt Xavier alias „Darcy“ eigene Songs auf die Bühne – es ist ein Mix aus Rock und Pop. Mit seiner Gitarre tritt er überall in Deutschland auf, manchmal spielen ihn Radiosender. Darcy hofft auf die ganz große Musikkarriere, auf einen Plattenvertrag. Derweil aber lebt der junge Mann bei seinen Eltern in einer Doppelhaushälfte in Oberpframmern. Die Ebersberger Zeitung hat ihn besucht.

„Kommt rein.“ Ein schmächtiger, junger Mann steht in der Haustüre – da, am hinterletzten Ende der knapp 2400-Seelen-Gemeinde. Die schulterlangen Haare hat er am Hinterkopf zu einem unordentlichen Knoten gebunden, er trägt Fünf-Tage-Bart, Röhrenjeans und ein weites, graues Shirt. Darcy versucht den Dalmatiner, der vom Flur heranhetzt in Schach zu halten. „Ticker!“ Er hört nicht.

Eigentlich war Darcy hier bereits ausgezogen. Nach dem Abitur war er nach England zum Studieren gegangen – Philosophie und Wirtschaft. Noch zwei Semester und er hätte den Bachelor gehabt. Interessant sei das Studium schon gewesen, sagt der junge Mann. Sein Herz aber schlägt für die Musik. Sie sollte seine Zukunft sein. Das merkte Darcy, als er im letzten Sommer mehrere Konzerte in seiner Heimat Oberbayern spielte – unter anderem trat er bei den Ebersberger Kulturtagen und beim „Theatron“-Festival auf dem Münchner Olympiagelände auf. Darcy brach die Uni in England ab, zog zurück nach Oberpframmern und konzentrierte sich auf die Karriere als Singer-Songwriter. Das war vor einem Jahr.

„Ich hoffe ihr seid ok mit Hunden?“ Sind wir. Darcy geht vor. Der Gang mündet ins Esszimmer mit rustikaler Eckbank. Küche und Wohnzimmer sind angrenzend, eine Treppe führt in die oberen zwei Stockwerke. Durch die übrige Tür geht es nach unten in den Keller, in Darcys Reich – hier ist sein Proberaum. Auf knapp 20 Quadratmetern spielt, singt und schreibt er, immer unter der Beobachtung eines lebensgroßen Pferdekopfes aus Plüsch, und Darcys Idolen Bob Dylan und den Beatles – sie alle hängen an den Wänden, irgendwo zwischen Postkarten, Fotos, einer Landkarte und seinem Künstlerlogo: fünf dicke, schwarze, vertikale Striche – einer für jeden Buchstaben von „D-a-r-c-y“.

 Ob diesen Namen irgendwann jeder kennen wird? „Bisher läuft es ganz gut für mich“, sagt Darcy. Aber er ist Realist, das Musikgeschäft sei launisch. „Im Sommer habe ich meinen Manager getroffen. Im Herbst war ich dann in ganz Deutschland auf Tour.“ Darcy ist ein Zappelphilipp. Wenn er spricht, gestikuliert er intensiv, rutscht auf dem Sitzkissen herum – es ist eine sympatische Aufgeregtheit, die ihn umgibt. Den Winter verbrachte Darcy im Studio. Das Ergebnis: seine erste Platte „Extended Play“ – vier Songs: Langsames, Schnelles, Melancholisches, Augelassenes, alles dabei. Im Fokus steht jedoch immer Darcys markante und überraschend tiefe Stimme. Seine Sprechstimme ist nämlich hell. Entstanden sind die Songs hier im Proberaum.

Ein Schreibtisch mit Laptop steht unter dem einzigen, schmalen Fenster. Dann ist da eine lange Couch, umrahmt von Verstärkern und Mischpult. In den Ecken stehen Regale voller Noten und Bühnenequipment. Auf dem Boden surrt ein Heizlüfter, an der Decke hat Darcy Lichterketten aufgehängt. Und dann sind da noch – klar – Mikrophone, Schlagzeug und Darcys Gitarren. Fünf Stück.

Mit 12 bekommt Darcy seine erste. Von seiner Mutter. „Sie hat mir oft alte Schallplatten vorgespielt, ’Led Zeppelin’, ’Deep Purple’, ’the doors’ und sowas.“ Der Bub wollte das auch können. „Also habe ich mir eine Gitarre gewünscht.“ Unterricht hatte er aber nie. „Ich bin absoluter Autodidakt.“ Deshalb sei seine Spieltechnik nicht immer astrein. Anders ist es mit dem Gesang. Schon als Kind nimmt er Unterricht, singt in renommierten Chören, verdient sich hohe Auszeichnungen beim Wettbewerb „Jugend musiziert“. Auch jetzt, als Singer-Songwriter, wurde Darcy bereits prämiert: Beim bundesweiten Wettbewerb „Treffen junge Musikszene“ der Berliner Festspiele 2013, war er einer der Preisträger.

Darcy sitzt lässig auf der Couch in seinem Keller, die Gitarre auf dem Schoß, die Augen geschlossen: „Oh Natalie you make a mockery, of everything I say, of everything I do.“ („Oh Natalie, du machst dich lustig über alles was ich sage, alles was ich tue“). Es geht um eine junge Frau, die ihm auf eine Facebook-Nachricht nie antwortete. Zumindest war sie die Grundlage für die Figur „Natalie“ und Basis für Text und Melodie. Kraft liegt in Darcys Stimme, Sicherheit und Gefühl. Er zieht die Augenbrauen zusammen, tiefe Falten bilden sich zwischen den Augen. Er ist ganz bei sich und seiner Musik, Darcy gibt richtig Gas. „Du solltest mich mal bei einem Auftritt sehen. Danach bin ich komplett durchgeschwitzt“, wird er später sagen. Man müsse den Leuten schließlich etwas bieten.

Sein Können hat auch Talente-Sucher Matthias Matuschik von „Bayern 3“ schon entdeckt. Kürzlich war Darcy eine Woche lang „Liebling“ des Radiosenders, Songs und Interviews wurden gesendet. Außerdem bekam Darcy bereits Platz in Zeitungen und Zeitschriften. Immer wird er als vielversprechender Nachwuchskünstler angepriesen. In einer großen Plastikbox sammelt er alle Veröffentlichungen über ihn selbst.

Xavier D’Arcy ist halb Brite, halb Franzose und lebt nach etlichen Umzügen durch die ganze Welt nun seit acht Jahren in Oberpframmern mitten im Grünen in dem Häuschen mit den vielen, roten Perserteppichen. Sein Deutsch ist fließend, ein Akzent aber ist deutlich zu hören. Manchmal klingt der britisch, manchmal französisch. „Ich spreche wenig deutsch“, sagt Darcy. Die Familie unterhält sich in Englisch, mit seinem Vater spricht Darcy Französisch.

Seine Eltern unterstützen den jungen Musiker. Die Mama ist Merchandising-Beauftragte. Sie bastelt Darcy-Aufnäher und -kleber und näht geduldig Jutebeutel mit Logo. Vielleicht unterstützt Darcy auch bald eine Plattenfirma. „Ich warte noch auf den Anruf von Universal“, sagt er lachend. Verdient hätte er es.

Von Carolin Nuscheler

„Extended Play“ Darcys erste Platte gibt es jetzt auf www.amazon.de.

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