Ständig den Körper im Blick: Magersucht ist lebensbedrohlich. dpa

Wenn die Mahlzeit zum Problem wird...

Landkreis - Im Landkreis Ebersberg wurden im Jahr 2014 nach Zahlen des Bayerischen Landesamts für Statistik 29 Patienten wegen psychisch bedingter Essstörungen stationär behandelt.

Die Zahl hat sich gegenüber dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt. Vor vierzehn Jahren waren es nur 14 Fälle.

„Auffällig ist, dass die meisten Patienten weiblich und unter 30 Jahre alt sind“, sagt Markus Neumeier von der Krankenkasse IKK classic. „Die Betroffenen-Zahl dürfte dabei weit höher liegen, denn viele Fälle werden ambulant oder gar nicht behandelt. Viele junge Menschen erkennen von sich aus nicht, dass sie krank sind.“

Essstörungen sind psychische Erkrankungen, zu denen etwa die Magersucht (Anorexia nervosa) und die Ess-Brechsucht (Bulimie) zählen. Charakteristisch für Essstörungen ist ein gestörtes Verhältnis zum Essen sowie zum eigenen Körper, das sich meist im Jugend- oder frühen Erwachsenenalter entwickelt. Nach einer Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen des Robert Koch-Instituts gibt es bei mehr als 20 Prozent der 11- bis 17-jährigen Jugendlichen Hinweise auf eine Essstörung, Mädchen sind dabei doppelt so häufig betroffen wie männliche Jugendliche.

Neben einer falschen Ernährung können sich auch gesellschaftliche Schlankheitsideale auf das Körperselbstbild der Betroffenen auswirken. „Eine möglichst schlanke Figur wird leider häufig mit Glück und Erfolg gleichgesetzt. Wir müssen frühzeitig handeln, damit Kinder und Jugendliche gar nicht erst falsche Körperideale entwickeln. Bereits im Kindergarten und in der Schule ist ein gesundes Essverhalten zu fördern und Eltern und Erzieher für dieses wichtige Thema zu sensibilisieren“, sagt Neumeier.

Mit ihrem Ernährungsprojekt „Die Kleinen stark machen“ möchte die IKK classic das frühkindliche Essverhalten in Kitas präventiv fördern und das Bewusstsein der Kinder für natürliche, gesunde und qualitativ hochwertige Ernährung stärken. Bereits im Kindesalter wird das Essverhalten genauso erlernt, wie die Wahrnehmung von Hunger- und Sättigungssignalen oder etwa die Lieblingsspeisen.

Das Projekt wird von einer Ernährungsfachkraft der IKK classic durchgeführt, besteht aus neun Modulen, einem Elternabend sowie einer Schulung für die Erzieherinnen der Kita. Interessierte erhalten weitere Informationen unter der Internetadresse www.ikk-classic.de. ez

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