40 Meter hoch ist der Turm, über den derzeit in der Gemeinde Anzing das Rohrgestänge aus dem Bohrloch geholt wird. Hier im Bild: Mattias Mauracher (links) und Stefan Brieske.
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40 Meter hoch ist der Turm, über den derzeit in der Gemeinde Anzing das Rohrgestänge aus dem Bohrloch geholt wird. Hier im Bild: Mattias Mauracher (links) und Stefan Brieske.

2,5 Kilometer lange Bohrgestänge

Unternehmen verschließt Erdgas-Bohrlöcher: Zement rein und Deckel drauf

  • Michael Seeholzer
    vonMichael Seeholzer
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Die Firma Neptune Energy macht Löcher in vier Landkreis-Gemeinden zu. Die Suche nach Erdgas hat sich im Landkreis als nicht rentabel herausgestellt.

Anzing/Landkreis – Es war ein Versuch und es blieb weitgehend auch beim Versuch: Die Firma Neptune Energy Deutschland wird ihre Erdgasaktivitäten im Landkreis Ebersberg vollständig beenden. Das bestätigte Unternehmenssprecher Stefan Brieske am Mittwoch bei einem Ortstermin. Die Rückbauarbeiten haben bereits begonnen. „Es war insgesamt zu wenig Druck, um wirtschaftlich weiterzumachen“, erklärte er an der Baustelle S101 östlich der Straße von Purfing nach Frotzhofen.

Dort holt jetzt ein Team von Arbeitern und Ingenieuren insgesamt 2,5 Kilometer Bohrgestänge wieder aus dem Boden. „Die gehen wahrscheinlich in den Schrott“, sagt Projektingenieur Mattias Mauracher. Die Bohrungen werden laut Unternehmen verfüllt und mit Zement verschlossen. Es soll kein Gas mehr entweichen können, das ohnehin nie druckvoll vorhanden war. Wenn die Bohrlöcher zu technischen Zwecken gespült werden müssen, wird das wenige Gas abgefackelt, dass dabei noch austritt. Die Flamme war in den vergangenen Jahren immer wieder weithin zu sehen – das ist nicht mehr lange so.

Landwirte können die renaturierte Fläche anschließend wieder benutzen

Zum Schluss kommt eine Stahlbetonplatte über das verfüllte Bohrloch, zwei Meter unter Geländeniveau. Der Rest wird mit Erde aufgefüllt. Die Landwirte können die gesamte, renaturierte Fläche anschließend wieder benutzen, als wäre hier nie nach Erdgas gebohrt worden. Auch das Forstamt sei beteiligt, schildert Mauracher.

„Buchen und Eichen“ sollen gepflanzt werden. Zuvor dehnt sich die Firma Neptune Energy aber noch einmal aus: Es braucht provisorische Abstellflächen und Zufahrtswege. Aber auch die werden anschließend wieder renaturiert, verspricht Brieske.

Der Turm ist 40 Meter hoch

Auf der Baustelle S101 herrscht konzentrierter Betrieb. Nur eine Handvoll Arbeiter sind hier gleichzeitig tätig. Sie arbeiten schichtweise rund um die Uhr, schlafen auf dem Gelände in Wohnwagen. Mittels einer technischen Einheit, die aussieht als wäre sie ein Haufen zusammengesteckter, überdimensionaler Mikadostäbchen, werden die Bohrgestänge aus dem Boden geholt. Eines nach dem anderen. Der Turm ist 40 Meter hoch, leistet mit seinen Motoren 540 PS und trägt eine Last von 100 Tonnen.

Die Erdgas-Suche des Unternehmens Neptune Energy hat sich im Landkreis Ebersberg als nicht rentabel herausgestellt. Die Bohrstellen werden verschlossen und renaturiert. 

Die S101 ist eine von fünf zu verfüllenden Bohrungen, verteilt über die Gemeinden Anzing, Moosach, Kirchseeon und Vaterstetten. Erst, wenn alles abgeschlossen ist, wird die Firma Neptune Energy vom zuständigen Bergamt Südbayern aus der Aufsicht entlassen. Die einzelnen Arbeitsschritte werden pro Bohrung nur wenige Wochen dauern, der vollkontinuierliche Tag- und Nachtbetrieb ist laut der Firma technisch notwendig. Nur dort, wo sich in unmittelbarer Nähe Anwohner befinden, wird ausschließlich Tagschichtbetrieb gefahren, sagt Mauracher.

Neptune Energy förderte in Anzing und Moosach 635 Millionen Kubikmeter Erdgas

Insgesamt förderte Neptune Energy aus den Erdgasfeldern Anzing und Moosach aus etwa 2500 Metern Tiefe rund 635 Millionen Kubikmeter Erdgas. Doch bereits 1996 stellte das Unternehmen die Förderung im Feld Anzing ein, die letzte Bohrung aus dem Jahr 2007 rentierte sich nicht. In Moosach hingegen förderte das Unternehmen von 1962 bis 1996 Erdgas und baute die Förderanlagen bereits vor Jahren ab.

Auch als Erdgasspeicher sei das Vorkommen ungeeignet, bestätigen die Unternehmenssprecher. Man habe sich seit 2007 Gedanken gemacht, was mit den Bohrungen passieren solle und schließlich habe sich das Unternehmen für die Stilllegung entschlossen. Nur etwa eine von sieben Bohrungen, rechnet Mauracher vor, führe zu einer leistungsfähigen Lagerstelle. Im Landkreis Ebersberg war das nicht der Fall. Mitte nächsten Jahres, wenn alles glattläuft, ist die Gasgeschichte Geschichte.

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