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Neujahrsempfang in Zorneding

Scherbenhaufen und Optimismus

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Von einem „Scherbenhaufen“ sprach Bürgermeister Piet Mayr (CSU) beim Neujahrsempfang der Gemeinde Zorneding. Der "Scherbenhaufen"sei nach den Auseinandersetzung im vergangenen Jahr in der Gemeinde übrig geblieben. Dennoch ist der Rathauschef Optimist.

Namen nannte Mayr nicht. Klar war aber, dass es um die stark kritisierten Äußerungen der inzwischen zurückgetretenen CSU-Ortsvorsitzenden Sylvia Boher zu Flüchtlingen ging, die von weiten Teilen der Öffentlichkeit als hetzerisch empfunden worden waren, und die umstrittene „Neger“-Äußerung von Ex-Gemeinderat Johann Haindl. Die Auseinandersetzungen hätten „Formen und Ausdrucksweisen“ angenommen, „von denen ich dachte, dass diese in Zorneding nicht möglich seien“, so Mayr. Eine sachliche Auseinandersetzung sei von den Protagonisten zum Teil nicht einmal gewünscht worden. Keiner der Beteiligten komme da jetzt unbeschädigt heraus, so Mayr. Er zähle sich selbst auch dazu. Ihm sei vorgeworfen worden, dass er den „braunen Sumpf unterstütze“ oder sogar „dass ich zu denen gehöre, die mit Benzinkanister und Lunte durch den Ort laufen. Das muss man erst mal verdauen“.

Dennoch bezeichnete sich Mayr in seiner Rede als „unverbesserlichen Optimisten“. Sein Wunsch sei es, dass die Debatte wieder als Teil der Demokratie und der Meinungsfreiheit verstanden werde und sich wieder vom Persönlichen auf die Sachebene begebe.

Der Rathauschef verwies darauf, dass Politik und Wirtschaft sich angesichts des Zustroms von Hunderttausenden von Flüchtlingen optimistisch gäben. Laut Umfrage würden sich jedoch nur wenige Deutsche positive Effekte für ihr Land versprechen. Zudem halte eine Mehrheit der Deutschen die Politiker für überfordert.

„Wenn der Wind der Veränderungen weht, bauen manche eine Mauer und andere Segelschiffe“, zitierte Mayr ein Sprichwort. Es gebe in der gesamten Bundesrepublik „Mauerbauer“ und „Segelschiffbauer“. Dazwischen gebe es eine breite Zone in der Bevölkerung, die dem Thema leicht positiv bis leicht skeptisch gegenüber stehe, aber nicht in Extreme abdrifte. Diese Mehrheit in der Bevölkerung gelte es zu erhalten. „Ich meine, die Stimmung schwankt, kippt aber noch nicht“, so der Bürgermeister. Auch wenn es die große Politik derzeit nicht schaffe, sehe er auf der gesamten kommunalen, „auf unserer Ebene“, für Bürger, Kirche, Gemeinde und Ehrenamtliche die große Chance „zwischen Mauer und Schiff einen Steg, eine Brücke, zu schaffen“, die ein friedliches Zusammenleben ermöglichen. „Es muss nicht harmonisch sein, aber sachlich, pragmatisch und auf Augenhöhe.“

Für Zorneding bedeute das: „Wir müssen, wie bisher, weiter Lösungen finden, die den sozialen Zusammenhalt und Frieden bei uns nicht gefährden, unbedingt das Wohlergehen der eigenen Bürger mit berücksichtigen und die Not der Flüchtlinge nicht vergessen.“ Und: Alle könnten stolz sein, dass der örtliche Helferkreis Asyl der Größte im Landkreis sei. „Das verdeutlicht und beweist auch das grundsätzlich positive Klima in Zorneding“, so Mayr.

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