Vertrat den zurückgetretenen Pfarrer: Generalvikar Peter Beer bei der ersten Messe ohne Olivier Ndjimbi-Tshiende. Hase/ dpa

Erste Messe ohne Olivier Ndjimbi-Tshiende

„Papa, wo ist der Pfarrer?“

Zorneding – Alles neu in Zorneding: Es ist der erste Sonntagsgottesdienst nach dem Rücktritt von Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende in der katholischen Kirche.

Wie berichtet, hatte der aus dem Kongo stammende Pfarrer anonyme Morddrohungen erhalten. Vor einer Woche war er zurückgetreten. Die meisten Zornedinger zeigten sich solidarisch mit ihrem Pfarrer: Bis zu 3000 Menschen nahmen an einer Lichterkette teil.

Doch am Tag des Herrn ist davon nichts mehr zu sehen. „Es gibt auch Zornedinger, die sind nicht braun und nicht bunt“, meinen zwei ältere Männer auf dem Weg zur Kirche. Manche fühlen sich ungerecht behandelt. Von allen, die jetzt in Zorneding ein braunes Nest sehen.

Die Kirche ist gut gefüllt, doch die vorderen Bankreihen bleiben leer. Sylvia Boher, ehemalige CSU-Ortsvorsitzende, ist nicht zu sehen. Ihre als rechtspopulistisch kritisierten Äußerungen im CSU-Parteiblatt „Zorneding Report“ aus dem Herbst 2015 sehen viele als Auslöser für die Hetze gegen den Pfarrer. Auch Bürgermeister Piet Mayr ist nicht gekommen.

Allerdings hat die Erzdiözese München und Freising hohen Besuch geschickt. Generalvikar Peter Beer, zweithöchster Mann in der Diözese, leitet die Messe. Er lobt die Zornedinger für ihre Solidarität mit Ndjimbi-Tshiende: „Sie haben gezeigt, dass Zorneding keine bayerische No-Go-Area ist“. Auch mit Menschen anderer Meinung solle man im Gespräch bleiben: „Jesus teilt die Welt nicht in Gut und Böse, in Schwarz und Weiß.“

Die Frage, wie es in Zorneding weitergeht, scheint indes fast beantwortet: Wie Pastoralreferent Christoph Müller mitteilte, könnten die nächsten Gottesdienste stattfinden. „Priester haben sich gemeldet. Wir können Ostern feiern.“

Die Predigt von Vertreter Beer kam bei den Gemeindemitgliedern an. „Die Gemeinde ist aufgewühlt. Wir hoffen, dass jetzt alles ein bisschen zur Ruhe kommt“, sagt ein Besucher. „Papa, warum ist heute der Pfarrer nicht da?“, fragt ein Bub. Eine Antwort bekommt er nicht.  

lan/lby

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