Zorneding nähert sich vorsichtig der Erdwärme

Zorneding - Die Nutzung von Erdwärme hat keinerlei Auswirkungen auf den Treibhauseffekt. Ob sie aber in Zorneding auch wirtschaftlich ist, im Alleingang oder im Verbund mit Vaterstetten/Grasbrunn, steht auf einem anderen Blatt.

Aus geologischer Sicht scheint diese Form der Wärmegewinnung oder Stromerzeugung in der Gemeinde denkbar. Das ist das Ergebnis eines Gutachtens, mit dem sich der Gemeinderat am Donnerstagabend befasst hat. Die Gelegenheit, dem Geologen Achim Schubert Fragen zu stellen, nutzten die Bürgervertreter reichlich.

Wenn die Gemeinde dem Vorhaben näher tritt, scheint eine teure 3-D-Seismik notwendig zu sein. Sie dient nicht nur der genauen Erkundung der heißes Wasser führenden Malmschicht in rund 3000 Metern Tiefe, sondern macht auch die mindestens rund acht Millionen Euro teure Bohrung treffsicherer. Zudem gilt es, Auswirkungen auf benachbarte Areale auszuschließen. Und da gibt es bei Wolfersberg den bestehenden Gasspeicher und in Anzing eine entsprechende Planung.

Wahrscheinlich 75 Grad Celsius heiß ist das unter Zorneding vermutete Tiefengrundwasser. Vier bis fünf Jahre vergehen nach dem Startschuss für ein solches Projekt, bis die Erdwärme tatsächlich genutzt werden kann. Für 40 bis 50 Jahre bekäme die Gemeinde die Bewilligung. Das entspricht auch der durchschnittlichen Haltbarkeit der Rohre. Das waren die Kernaussagen des Geologen Schubert.

Fragezeichen machte der Experte dennoch. Zorneding liege schließlich ziemlich genau am Rande der Feldanamolie des kühleren Wasserburger Beckens. Dies aber ließe sich eben mit der 3-D-Seismik vertiefend recherchieren. Doch seien bislang alle Bohrungen in der Region besser als erwartet ausgefallen. Sprich das Wasser war wärmer als angenommen.

Erschütterungen der Erdkruste durch eine Bohrung, die Wilhelm Ficker (Freie Wähler) ansprach, erwartet Schubert nicht, zumindest nicht im spürbaren, allenfalls im messbaren Bereich. „Ein Schadensbeben ist eigentlich auszuschließen.“ Dass zum Beispiel der Wolfersberger Gasspeicher nicht beeinflusst wird, müsse im Genehmigungsverfahren nachgewiesen werden. „Da müssen wir dann alle Register ziehen“, sagte Schubert.

Dass Zorneding mit den Optionen, selbst zu bohren oder sich dem Geothermieprojekt der Gemeinden Vaterstetten und Grasbrunn, das ein um zehn Grad heißeres Wasser erwartet, anzuschließen, in einer günstigen Position befinde, konstatierte Stefan Ruth (CSU). Die Wärmeverluste durch die etwa drei Kilometer lange Fernwärmeleitung bezeichnete Schubert als „eigentlich zu vernachlässigend“. Hinzu komme, dass damit auch das Problem Wolfersberger Gasspeicher umgangen werden könnte.

Martin Strobl (frühere Bürgerliste) zeigte sich am Rande der Sitzung skeptisch. Einmal wegen der hohen Investitionen, die auf Zorneding zukämen. Zum anderen will er gehört haben, dass das Geothermieprojekt in der Nachbargemeinde inzwischen etwas auf wackeligen Beinen stehe, wenn Zorneding nicht mitmacht. Eine Entscheidung darüber, bzw. ob selbst gebohrt wird oder überhaupt nicht, kündigte auf Nachfrage Bürgermeister Piet Mayr (CSU) für dieses Frühjahr an.

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