Lademöglichkeiten in privaten Tiefgaragen von Mehrfamilienhäusern sind oft Mangelware.
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Lademöglichkeiten in privaten Tiefgaragen von Mehrfamilienhäusern sind oft Mangelware.

„Mehr Schmackes“ bei Mobilitätswende

Zuschuss für private E-Tankstellen: Zorneding will 100 Euro pro Stellplatz zahlen

  • Susanne Edelmann
    vonSusanne Edelmann
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Wollen Eigentümergemeinschaften in ihrer Tiefgarage die Voraussetzungen für das Laden von E-Autos schaffen, so sind die Maßnahmen mit hohen Kosten verbunden. Die Gemeinde Zorneding will das unterstützen.

Zorneding - Die Strominfrastruktur muss aufgestockt und ein Last-Management installiert werden. Zum anderen gilt es, zwei Drittel der Eigentümer hinter sich zu bringen, wenn die Kosten von allen getragen werden sollen.

In Zorneding hat eine Eigentümergemeinschaft mit 96 Stellplätzen am Lorenz-Stadler-Weg diese Hürden genommen und so geplant, dass manche Gemeinderatsmitglieder gar von einem „Leuchtturmprojekt“ sprachen. Geht es nach dem Arbeitskreis Energiewende, soll das finanzielle Anerkennung geben. Darüber diskutierte der Arbeitskreis, der aus dem Bauausschuss und Mitgliedern des Energie-Forums Zorneding (EFZ) besteht.

Helmut Obermaier (Grüne) berichtete: „Die Kosten für Infrastruktur und Last-Management belaufen sich auf etwa 500 Euro je Mitglied.“ Das Projekt könne für andere Eigentümergemeinschaften Vorbild sein. Dieses Engagement, so Obermaier, solle die Gemeinde unterstützen: „Leichter können wir E-Mobilität nicht fördern.“ Der Zuschuss sei ein Signal an die Eigentümer, die mitzahlen müssten, ohne ein E-Auto zu besitzen.

„Mehr Schmackes“ für die Energiewende

Bianka Poschenrieder (SPD) betonte: „Wir müssen mit mehr Schmackes an die Energiewende herangehen!“ Das sahen andere Arbeitskreismitglieder anders. Ferdinand Glasl (CSU) meinte: „Wir dürfen die Bürger nicht verziehen. Wir suggerieren sonst, dass die Bürger sich nicht mehr selbst anstrengen müssen, sondern gleich nach Zuschüssen rufen können.“ Sein Fraktionskollege Patrick Eichler fürchtete, es könne ein Präzedenzfall geschaffen werden. Verwiesen wurde außerdem auf die geplanten fünf öffentlichen E-Ladesäulen im Gemeindegebiet.

Ulrich Erdmannsdorffer (EFZ) rechnete vor: „Wir haben etwa 5000 Pkw in Zorneding. Wenn wir bis 2030 CO2-frei sein wollen, könnten wir in Zukunft 5000 E-Autos mit 1000 Ladevorgängen am Tag haben. Da reichen die öffentlichen Ladesäulen nicht, außerdem wollen Autofahrer ihre Autos da aufladen, wo sie die Nacht verbringen.“ Die Förderung solcher Privatinitiativen entlaste die Gemeinde davon, mehr öffentliche Ladesäulen zu bauen.

Peter Pernsteiner (FDP) fand jedoch: „Öffentliches Geld ist nicht dazu da, privates Eigentum aufzuwerten.“ Bürgermeister Piet Mayr (CSU) erinnerte an den angespannten Zornedinger Haushalt, aber Bianka Poschenrieder entgegnete: „Im Haushalt sind für E-Mobilität noch rund 30000 Euro eingeplant und verfügbar.“

Letztlich einigte sich der Arbeitskreis, dem Gemeinderat ein Förderprogramm zu empfehle: Zuschüsse aus einem Fördertopf von 30 000 Euro für die die elektrischen Außenstrukturen für E-Mobilität mit maximal 100 Euro je Stellplatz. Dies fand trotz der Gegenstimmen von CSU und FDP mehrheitliche Zustimmung und wird dem Gemeinderat zum Entscheid vorgelegt.

Abgelegene Garagen bleiben stromlos

In Zorneding, vor allem am Daxenberg, gibt Garagen, die nicht direkt am Haus stehen und oft keinen Stromanschluss besitzen. Will ein Garagenbesitzer dort sein E-Auto laden, gäbe es die Möglichkeit, Strom von der Photovoltaik-Anlage auf dem eigenen Hausdach zu nutzen. Dazu bräuchte es aber ein Kabel über öffentlichen Grund, also über gemeindliche Straßen und Gehwege. Anders als die Nachbarn in Vaterstetten lehnte Zorneding im Bauausschuss diese Möglichkeit ab – die Räte folgten der Argumentation des Bauamts, dass speziell am Daxenberg zu wenig Platz im Untergrund sei, da bereits Telekom, Glasfaser, Eberwerk oder Stadtwerke ihre Kabel verlegt hätten und Mindesabstände einzuhalten seien. se

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