Renate Kloschinski ist mit 81 Jahren gestorben.
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Renate Kloschinski ist mit 81 Jahren gestorben.

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Trauer um eine Knopf-Kundige: Renate Kloschinski war Kurzwaren-Händlerin aus Leidenschaft

  • Robert Langer
    vonRobert Langer
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Wolle, Stoffe, Knöpfe: Jahrzehntelang war Renate Kloschinski in ihrem kleinen Ingelsberger Laden Anlauf- und Beratungsstelle für alles, was das Handarbeitsherz begehrt. Nun ist sie gestorben.

Ingelsberg – Wer jemals bei Renate Kloschinski in ihrem versteckten Landen in Ingelsberg war, wird das nie vergessen. Freundlich und mit Sachverstand beraten, konnten Kunden sogar mit einem Wunsch nach einem einzelnen Knopf kommen. Die fröhliche Inhaberin fand sich im Labyrinth ihrer Geschäftsräume mit einer Sicherheit zurecht, die Außenstehende in Erstaunen versetzte – zwischen engen Gängen und hohen Regalen voller Wolle, Stoffen, Reißverschlüssen, Nähnadeln und eben Knöpfen, sorgfältig sortiert.

Nun ist Renate Kloschinski im Alter von 81 Jahren im Kreise der Familie gestorben, nach schwerer Krankheit. In einer zuvor gestalteten Zeitungsanzeige bedankte sie sich bei ihren „langjährigen, treuen und lieb gewonnenen Kunden“. Ganz ihr Stil. Eine Todesanzeige wollte sie nicht. Bis vier Wochen vor ihren Tod stand sie im Laden.

Geboren wurde Kloschinski am 19. Januar 1940 als Renate Grothe in Hamm in Westfalen. Dort ist sie aufgewachsen und lernte schon in Kindertagen ihren späteren Mann Heinrich kennen. Die junge Frau liebte die Natur, vor allem die Lüneburger Heide. Geheiratet wurde 1964. Das Paar zog 1978 in den Süden, nach Zorneding. Heinrich Kloschinski machte sich als Weinkaufmann selbstständig, eröffnete ein Geschäft in Eglharting. Renate, gelernte Näherin und Kinderpflegerin, baute in denselben Räumen ihren Kurzwarenhandel auf. „Sie war eine selbstständige und emanzipierte Frau. Sie war damit für viele ein Vorbild“, erzählt Petra Schütz-Kloschinski. Sie und Janine Schlammerl sind die beiden Töchter.

Kurzwaren-Paradies im Kuhstall

In späteren Jahren, ihr Mann war 2002 gestorben, war neben der Liebe zu Tieren und der Unterstützung des Tierschutzvereins der Kurzwaren-Laden Kloschinskis Lebensinhalt. Nach einer Zwischenstation in Zorneding kam sie nach Ingelsberg. Das Geschäft in einem ehemaligen Kuhstall hatte kein Schaufenster, nur ein kleines Schild mit den Öffnungszeiten neben der Tür. Das Arbeiten neben der Rente in dem Laden machte ihr Spaß, das Gespräch mit den Kunden, die Weitergabe ihrer Erfahrung, die vielen Tipps.

Ebenso Spaß machte ihr mit über 70 Jahren auf dem Beifahrersitz ihrem damals 17-jährigen Enkel Sebastian beim begleiteten Fahren im Auto zu helfen, damit er mitsamt seiner Freunde zum nächsten Burger-Laden fahren konnte. Ihrer Familie und der Gemeinde wird Renate Kloschinski fehlen. Die Urnenbeisetzung finden im Familienkreis in Zorneding statt.  lan

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