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Nur eine kleine Schwelle, aber für Rollstuhlfahrer ein großes Problem.

Rundgang durch den Ort

Barrierefrei durch Zorneding dank „Wheelmap“

Wie behindertengerecht ist Zorneding? Wo verstecken sich Hürden und Barrieren? Das wurde bei einem Rundgang durch den Ort herausgefunden.

Zorneding – Rollstuhlfahrer kennen das Problem: Sie möchten ein bestimmtes Lokal oder Geschäft besuchen, wissen aber nicht, ob es barrierefrei ist. Seit 2010 gibt es dafür das Projekt „Wheelmap.org“, eine Online-Karte im Internet zum Finden und Eintragen rollstuhlgerechter Orte.Mit einem einfachen Ampelsystem kann jeder Benutzer markieren, ob ein Laden, Restaurant, eine Bushaltestelle oder ein beliebiger anderer Ort ganz, eingeschränkt oder gar nicht barrierefrei ist und ob ein rollstuhlgerechtes WC vorhanden ist. „Wheelmap.org“ ist ein globales Projekt und weltweit verfügbar.

Bis heute sind über 750 000 Orte auf der Karte markiert, jeden Tag kommen über 300 neue Markierungen hinzu. Seit diesem Jahr beteiligt sich auch der Landkreis Ebersberg an dem Projekt. Aus diesem Grund fand nun in Zorneding ein Rundgang statt, zu dem Werner Retzlaff, Koordinator der Aktion im Einrichtungsverbund Steinhöring, eingeladen hatte. Auch Zornedings Behindertenbeauftragter Gregor Schlicksbier, die zweite Bürgermeisterin Bianka Poschenrieder sowie Vertreter der VdK-Ortsgruppe waren mit von der Partie, außerdem Bewohner der Zornedinger Außenwohngruppe des Einrichtungsverbundes und weitere interessierte Bürger, die zudem die Möglichkeit hatten, selbst einmal probeweise im Rollstuhl Platz zu nehmen.

In Zorneding hatte es bereits 2015 und 2016 Rundgänge gegeben, die Schwachstellen der Barrierefreiheit aufspüren sollten, damals organisiert von der SPD und vom VdK (wir berichteten). „Natürlich haben wir daher schon eine lange Liste mit Punkten, die verbessert werden müssen“, so Poschenrieder. „Die Gemeinde tut da auch was, aber leider nur in sehr kleinen Schritten. Das Thema muss auch im Gemeinderat Akzeptanz finden.“ „Barrierefreiheit ist nicht nur ein Thema für Rollstuhlfahrer“, betonte Retzlaff. „Im Grunde betrifft es alle Senioren und ebenso junge Eltern mit Kinderwägen.“ Schon eine Bordsteinkante stellt ein Problem dar: „Jetzt bin ich ja nicht ganz unsportlich, aber 85 Kilo da drüber wuchten?“, ächzte ein Teilnehmer, der den Rollstuhl ausprobierte.

Auf dem Rundgang stießen die Rollstuhlfahrer häufig an Barrieren wie Treppen, Türschwellen, Steigungen oder schwergängige Türen. Am Herzogplatz etwa gibt es kein Geschäft ohne Schwellen oder Treppen. Poschenrieder berichtete, dass es in den Gebäuden zwar Aufzüge gebe, „aber die halten im Zwischengeschoss, man muss also trotzdem Treppen zur eigenen Wohnung steigen.“ „Es gibt in Zorneding knapp 260 gehbehinderte und 68 erheblich gehbehinderte Mitbürger“, erläuterte Schlicksbier. „Allerdings gibt es nicht genug akzeptablen Wohnraum. Allein ist das oft gar nicht machbar und manche Rollstuhlfahrer können deshalb ihre Wohnung gar nicht mehr verlassen.“ Zudem beiße sich die Barrierefreiheit mit dem sozialen Wohnungsbau, denn ein Lift verursache hohe Kosten, die auf die Miete umgelegt würden. „Seien Sie reich, wenn Sie sich eine Behinderung zulegen, dann ist alles gut“, meinte er zynisch.

Susanne Edelmann

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