Protest vor der Staatskanzlei: Briten machten am Mittwoch auf ihre Probleme aufmerksam.

Wie soll es nach dem Brexit weitergehen?

Brite aus Zorneding: Fühle mich allein gelassen

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„Wir fühlen uns allein gelassen“, sagt Robert Harrison (56) aus Zorneding. Während auf  politischer Ebene über den „Brexit“ verhandelt wird, sehen Briten, die wie Harrison in Deutschland leben, praktische Probleme, wie etwa die Frage, wie es mit ihren Aufenthaltsgenehmigungen weiter geht. 

Zorneding – Als am Mittwoch David Davis, „Brexit“-Staatsminister in der Londoner Regierung, zu einem kurzen Gespräch mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer in München war, protestierten Briten vor der Staatskanzlei, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen. Mit dabei auch Harrison. „Zu einer Kommunikation kam es nicht. Davis musste wohl sehr schnell weiter nach Berlin.“

Robert Harrison, Brite,  lebt seit über 25 Jahren in Deutschland

Harrison wurde in England geboren, lebt aber seit mehr als 25 Jahren in Deutschland. Er ist mit einer Deutschen verheiratet, seine beiden Kinder wachsen zweisprachig auf. Beruflich ist er Patentanwalt. Bereits seit mehr als einem Jahr läuft sein Antrag, die deutsche Staatsbürgerschaft zu erhalten. Abgeschlossen ist das Verfahren noch nicht. Bisher könne er die deutsche Staatsbürgerschaft zusätzlich zu seinem britischen Pass erhalten. „Wie das künftig sein wird, weiß, ich nicht.“

Eigentlich sollten derartige Punkte nach den Ankündigungen bis Oktober geklärt werden. „Davon sind wir aber noch weit weg.“ Es gebe viele offene Fragen. Was passiere beispielsweise mit einem in Deutschland lebenden Briten, der von seinem deutschen Arbeitgeber in die USA geschickt werde. Dürfe der später einfach wieder nach Deutschland zurück? Was ist mit den Kindern? Der Zornedinger erklärt, in Bayern lebten derzeit rund 18 000 Briten. Einige von ihnen haben sich vor einem Jahr in der Gruppe „British in Bavaria“ zusammengeschlossen. Unter anderem gab es bereits Gespräche mit dem in München amtierenden Generalkonsul Paul Heardman. „Wir haben ihm unsere Sorgen zu Themen wie Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen erklärt“, so Harrison. Haerdman habe sehr diplomatisch reagiert, habe sich die Anliegen angehört und versprochen, diese an die Botschaft nach Berlin sowie nach London weiter zu leiten. „Mehr kann er wohl auch nicht machen.“ Es habe auch Kontakt zum Kreisverwaltungsreferat in München gegeben. „Die sehen durchaus unsere Probleme, können aber auch nichts machen.

Gerne hätten Harrison und seine Mitstreiter am Mittwoch mit Staatsminister Davis „unsere aktuelle Situation geschildert und mit ihm über unsere durch den Brexit bevorstehenden Probleme diskutiert“. Dazu kam es aber nicht. „Wir waren sowieso von seinem Besuch in München komplett überrascht.“ Harrison ist von seiner Regierung in London enttäuscht. Die EU habe gute Vorschläge gemacht, wie Probleme gelöst werden könnten, sowohl die der Briten in Deutschland als auch der Menschen aus anderen EU-Ländern, die in Großbritannien lebten und arbeiteten. „Das geht nur auf Gegenseitigkeit.“ Aber in London bewege sich zu wenig. „Wir wollen hier keine Sonderbehandlung. Wir wollen nur hier leben und arbeiten, wie wir es bisher gemacht haben“ betont der Zornedinger. „Wir sind alle fest verankert in der deutschen Gesellschaft.“

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