Eine Kuh schwebt in der Luft: Übungsaufbau am Hammer-Hof in Ingelsberg – mit Maske und Abstand.
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Eine Kuh schwebt in der Luft: Übungsaufbau am Hammer-Hof in Ingelsberg – mit Maske und Abstand.

Die Feuerwehr hat eine eigene Gruppe für Unfälle mit Großvieh

Die Tierretter aus Pöring

  • Robert Langer
    vonRobert Langer
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Die Freiwillige Feuerwehr Pöring hat als einzige Wehr im Landkreis Ebersberg eine speziell ausgebildete Gruppe für Großtierrettung. Wir haben die Ehrenamtlichen besucht.

Pöring – Die schwarz-rot-gelbe Kuh fliegt durch die Luft. Der Pöringer Feuerwehrkommandant Christian Göbel hat eine Fernbedienung umgehängt, die Signale gehen an einen Kran des Fahrzeugs. Die Kuh-Attrappe, gesichert durch spezielle Gurte, dreht sich leicht. Was wie ein Spiel aussieht, hat einen realen Hintergrund. Ein Dutzend Mitglieder der Feuerwehr Pöring (Gemeinde Zorneding) sind als einzige Gruppe dieser Art im Landkreis speziell ausgebildet für Großtierrettung. Also für Hilfe bei Unfällen mit Kühen und Pferden.

Tierärztin Josefa Eisenreich ist von Anfang an dabei.

Drei bis vier solche Einsätze pro Jahr haben die Pöringer derzeit. Sie erfolgen in enger Abstimmung mit Tierärzten und Tierkliniken wie in Parsdorf und Wolfesing. Aktuell ist ein neuer Flyer in Vorbereitung, mit dem auch Pferdehalter über das Vorgehen und die Hilfsmöglichkeiten bei diesen Unfällen informiert werden sollen.

Drei Reiter sind Mitglieder im Team

Drei Reiter sind Mitglieder im Team aus Frauen und Männern. Seit mehreren Jahren wird geübt, die Einsatzfähigkeit ständig verbessert und auch entsprechende Ausrüstung angeschafft. Mit der Kunststoffkuh könne man manches ausprobieren, sagt Peter Berger (50), der für die Gruppe verantwortlich ist. Er ist neben einem Pferdehof aufgewachsen und hat schon früh erfahren, was alles passieren kann. Auch den Sturz eines Tieres in einen Swimmingpool hat er schon erlebt.

Doch das Kuh-Model ist mit rund 30 Kilogramm viel zu leicht, um einen Einsatz richtig darzustellen. Ein Sportpferd wiegt immerhin etwa 700 Kilogramm. Deshalb bauten die Floriansjünger selbst ein „Trainingspferd“, bei dem sogar die Beine beweglich sind. Gewicht: etwas über 300 Kilogramm. Damit könne man einen Einsatz an einem Gewässer gut simulieren.

Üben mit echten Tieren sei kaum möglich, erklärt Tierärztin Josefa Eisenreich, die schon von Anfang an bei der Pöringer Großtierrettung dabei ist. Sie ist eine von drei in diesem Projekt engagierten Veterinären. Es gebe genaue Vorgaben für den Tierschutz, sagt sie. In der Schweiz würden speziell geschulte Tiere bei Übungen eingesetzt. „Dafür ist dort aber jedes Mal eine Ausnahmegenehmigung notwendig.“

Ausbildung in der Schweiz und Österreich

In der Schweiz hatten fünf Helfer der Feuerwehr Pöring 2016 auch ihre Ausbildung begonnen. „Die Eidgenossen waren damals in vielen Punkten schon sehr viel weiter“, erklärt Berger. Seitdem wurde fortwährend geschult, auch bei Spezialisten in Österreich. Entsprechende Ausrüstung wurde gekauft: Zum bereits vorhandenen Fahrzeug mit Kran kamen Gurte und Netze sowie unterschiedliche Haken. Damit können auch Tiere in einem Stall aufgerichtet werden, wenn sie beispielsweise nach einer Kolik zusammen gebrochen sind und nicht mehr selbst aufstehen können. Auch so genannte Schleifbretter gehören dazu. Auf diesen können Tiere gelegt und durch schwer zugängliches Gelände transportiert werden. Bei einem Einsatz bei Moosach am Kitzelsee im vergangenen Jahr seien es rund 300 Meter gewesen, erinnert sich Berger. Mit schweren Gerät habe man damals nicht an das Tier herankommen können. Um den Kopf von Pferden bei einer Rettung zu schützen, verfügt die Pöringer Wehr über einen speziellen Helm.

Spektakulär war ein Einsatz der Pöringer im August 2017. Eine junge Reiterin war mit ihrem Wallach in den Isarkanal gerutscht. Das Mädchen wurde von anderen Reitern ans Ufer gezogen, das Pferd trieb ab und konnte schließlich am Wasserkraftwerk Aufkirchen (Landkreis Erding) herausgezogen werden. Wegen dieser Aktion waren die Pöringer zusammen mit anderen Rettungskräften bei einem Wettbewerb der Reiterlichen Vereinigung in der Endrunde weit oben gelandet.

Die Motivation der Feuerwehrler: „Wir sind der Meinung, dass unsere Haustiere, die ja in sehr vielen Fällen zu unseren Freunden und Familienmitgliedern geworden sind, das verdient haben“, sagt Berger.

Die Erfahrungen der Helfer fließen in den neun Flyer ein. Aufgelistet sind die wichtigsten Punkte, wie Reiter oder Landwirt bei einem Unfall regieren sollen. Da müsse zunächst sichergestellt werden, dass das Tier beispielsweise bei einem Sturz in eine Jauchegrube ausreichend Frischluft bekommt. Falls nicht: sofort über die Notrufnummer 112 die Feuerwehr informieren, die Lüfter bringen kann. Nach einem Alarmanruf ist darauf zu achten, dass der Anrufer für die Rettungskräfte erreichbar bleibt.

Reiter sollten nicht versuchen, ein Pferd selbst zu retten. Sie könnten sich dabei in Gefahr bringen, so der Rat der Helfer. Darauf achten, das Tier zu beruhigen, ist ein weiterer Rat. Pferde reagierten auf menschliche Ängste. Für eine Rettung müssten die Tier oft medizinisch ruhig gestellt werden. „Das geht mit einem Blasrohr“, sagt Veterinärin Eisenreich. „Besser sei jedoch, direkt am Pferd zu sein.“ Alles sollte kontrolliert ablaufen. „Keine Hauruckaktionen“, so Eisenreich, die in der Tierklinik in Parsdorf gearbeitet hat und eine Tierarztpraxis in Bockkorn (Landkreis Erding) betreibt.

Peter Berger mit einem Teil der Ausrüstung.

„Wir versuchen die Reiterin oder den Reiter in die Rettungsaktion einzubinden, wenn er oder sie dabei ruhig bleibt“, erklärt Berger. Wenn sie aber zu aufgeregt seien, „dann müssen wir versuchen, sie weg zu bringen“. Pferdebesitzer hätten oft eine starke positive Bindung zu ihrem Tier. Sie könnten auch irrational oder aggressiv reagieren und damit sowohl sich selbst als auch die Rettung gefährden. „Bisher war das aber kein Problem“, so Berger.

Ist ein Tier aus seiner misslichen Lage befreit, kann es abtransportiert werden. Dazu hat Tierärztin Eisenreichen einen speziellen Anhänger, der mit einer Art Hängematte ausgestattet ist.

Ausrüstung ist noch nicht komplett

Die Pöringer Wehr verfügt bereits über viel Gerät. Aber die Ausstattung ist noch nicht komplett. Benötigt wird unter anderem ein Dreibein, wie es beispielsweise Kanalarbeiter benutzen, um sich in Schächte abzulassen. Dazu gehört ein Flaschenzug oder noch besser ein Elektromotor an einer der drei Stangen, mit dem schwere Lasten gehoben werden können. Rund 12 000 Euro würde das kosten. „Vielleicht können wir es mit Eigenleistung günstiger machen“, erklärt Berger. Alles eine Frage des Geldes. Über Spenden oder praktische Hilfe würden sich die Retter freuen.

Gekostet hat das Projekt Großtierrettung bei der Pöringer Wehr bisher rund 30 000 Euro. „Den größte Anteil daran haben die Schulungen“, so Berger. Die Kosten für die Kurse hat die Gemeinde Zorneding übernommen. Für Unterkunft und Verpflegung kamen die Teilnehmer selbst auf.

Die gute Nachricht für alle Tierliebhaber: In Bayern sind laut Feuerwehrgesetz Einsätze zur Rettung von Tieren aus lebensbedrohlichen Situationen kostenfrei. Der Einsatz der Feuerwehr ist ehrenamtlich, der Tierarzt muss bezahlt werden. Die Feuerwehr Pöring ist zusammen mit den Tierärzten über die Leitstelle unter Tel. 112 rund um die Uhr erreichbar.

Weitere Infos gibt es hier

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