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Auf Spurensuche im Ebersberg Forst: Johann Taschner von der Unteren Naturschutzbehörde besichtigt die „zulässige Maßnahme der Waldwirtschaft“. So bezeichnet die Staatsforsten den Eingriff bei Pöring.

Naturschützer und Forstbetrieb streiten

E-Mail-Krieg nach Fällaktion bei Pöring

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Eine Fällaktion des Forstbetriebs bei Pöring hat Naturschützer Rainer Förderreuther auf den Plan gerufen. Er will die Verantwortlichen anzeigen und beginnt einen E-Mail-Krieg mit der Behörde.

Pöring – Bäume liegen quer, Stämme sind gekappt und schließlich sollen noch Nistkästen mit brütenden Vögeln zerstört worden sein. „Man könnte schon denken, wir sind von allen guten Geistern verlassen“, räumt Forstbetriebsleiter Heinz Utschig ein, der für den Ebersberger Forst zuständig ist. „Vielleicht hätten wir vorher die Öffentlichkeit darüber informieren sollen, was wir hier tun.“ Naturschützer Rainer Förderreuther spricht hingegen von „skandalösen Waldfrevel“ im Forst bei Pöring. Es gibt einen intensiven E-Mail-Verkehr der Beteiligten mit gegenseitigen Vorhaltungen, der noch andauert. Utschig sicherte am Montag zu, die Nistkästen im betroffenen Gebiet genau kartieren zu lassen.

Vor Ort: Es sieht wild aus am Reitöster Geräumt, einem Waldstück im Ebersberger Forst, direkt hinter dem Busparkplatz des Pöringer Waldspielplatzes. Viele Spaziergänger, Jogger und Radfahrer sind dort unterwegs. Bäume sind auf einer Höhe von einigen Metern über dem Boden abgesägt, kleinere und größere Äste liegen quer neben dem Kiesweg, schwere Maschinen sind im Einsatz. In Seitenwegen ist Holz abgelagert, teilweise in die Erde gedrückt.

Was dort passiert, darüber regt sich Naturschützer Förderreuther auf. In mehreren der EZvorliegenden Mails an die zuständigen Stellen schreibt er: Bisher fehlte jegliche Erklärung, warum dieser „brutale Holzeinschlag stattfinden musste“. Rücksichtslos seien Büsche und mittelgroße Buchen und Eichen „niedergemetzelt“ und dabei „während der Hauptbrutzeit sicher unsägliche Vogelnester in dem riesigen Waldstück zerstört worden.“

Förderreuther fordert rechtliche Schritte: „Ohne eine Bestrafung der Verantwortlichen nach Artikel 44 Bundesumweltgesetz kann es nicht abgehen.“ In der Bestimmung heißt es: „Es ist verboten, wild lebenden Tieren der besonders geschützten Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören.“ Durch die Fällmaßnahmen sind laut Förderreuther mehrere Nistkästen mit brütenden Vögeln zerstört worden. Es lägen massenweise Verstöße vor, „und zwar vorsätzlich“. Das dürfe nicht ungestraft bleiben.

Utschig jedoch betont bei einem von derEZ verabredeten Ortstermin, es handle sich um zulässige Maßnahmen der Waldwirtschaft. Und es gehe um die Sicherheit. Kranke Bäume nahe der von der Bevölkerung genutzen Wege seien vorsichtshalber gefällt worden. „Man kann uns nicht vorwerfen, wir hätten voreilig gehandelt.“ Die Stümpfe der abgeschnittenen Bäume seien stehen geblieben, um Lebensraum als „stehendes Totholz“ für andere Tiere zu sein. Das gelte auch für den anderen Holzschnitt.

Der zuständige Förster Hannes Deininger erklärte beim Ortstermin, im Forst gebe es rund 5000 Nistkästen. Etwa 30 bis 40 würden pro Jahr vor allem durch Windwurf beschädigt, oder durch Bäume beim Fällen. Die Nistkästen würden aber wieder ersetzt. Auch bei der aktuellen Aktion sei man sehr vorsichtig gewesen. Alle Nistkästen zu betreuen sei nur durch die Hilfe des Vogelschutzbundes und des Bund Naturschutzes möglich, so Utschig. Man habe auch mit Förderreuther über viele Jahre ein gutes Verhältnis gehabt.

Reaktion von Förderreuther in Richtung Staatsforsten auch wegen der Pressekontakte: „Dieser Vertrauensmissbrauch Ihrerseits geht so tief, dass ich Sie, außer im Gerichtssaal, nie mehr sehen möchte.“ Er will einen unabhängigen Sachverständigen zu diesem Fall.

Beim Ortstermin erklärte Johannes Taschner von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt, bei einer ersten Prüfung habe man keine Verstöße entdeckt. „Es gibt keinen auch nur ansatzweisen Grund, um ein Verfahren in die Wege zu leiten.“

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